Künstliche Gelenke verlängern Leben

Arthrose-Behandlung als Prävention gegen Herzkreislauf-Leiden

(lifePR) ( Berlin, )
Gelenkverschleiß an Hüfte und Knie verursacht häufig Schmerzen und hält Patienten davon ab, sich zu bewegen. Viele Patienten meinen auch, es wäre "gesund", die geschädigten Gelenke durch weniger Bewegung zu schonen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich jeder zweite über 65-Jährige kaum noch körperlich bewegt. Doch sind die Betroffenen nur wenig mobil, verschlimmert sich nicht nur die Arthrose, es steigt für sie auch das Herzinfarktrisiko so eine aktuelle Studie. Wie eine Gelenkprothese einen mobileren Lebensstil und damit eine höhere Lebenserwartung ermöglicht, erörtern Experten auf der Kongress-Pressekonferenz am Dienstag, dem 28. Oktober anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 28. bis 31. Oktober 2014 in Berlin.

Je länger Menschen an Arthrose leiden, desto mehr reduzieren sie ihre körperliche Aktivität. Doch zu wenig Bewegung verursacht häufig Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und andere Begleiterkrankungen. Dies sind wiederum Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall. "Eine Gelenkprothese kann Menschen mit schwerer Arthrose an Knie oder Hüfte aus diesem Teufelskreis befreien", erläutert Professor Dr. med. Henning Windhagen, Kongresspräsident des DKOU 2014. "Patienten, die sich ein künstliches Gelenk einsetzen lassen, haben ein deutlich geringeres Risiko für eine Herzkreislauferkrankung." Das zeigt eine im British Medical Journal (BMJ) aktuell veröffentlichte Studie, die über einen Zeitraum von sieben Jahren einen absoluten Rückgang des Infarktrisikos von 14,2 Prozent aufweist.

Die Forscher der Studie untersuchten 2200 Patienten über 55 Jahre mit moderater bis schwerer Hüft- oder Kniegelenkarthrose. Hierbei verglichen sie die Patienten, die ein künstliches Gelenk erhielten mit denjenigen, die keines bekamen hinsichtlich auftretender Herzkreislauferkrankungen. Die Mediziner kamen zu dem Ergebnis, dass die Patienten mit Gelenkersatz einen mobileren Lebensstil pflegten und seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. "Dies ist die erste wissenschaftliche Untersuchung, die aufzeigt, dass Gelenkprothesen indirekt vor Herzkreislauferkrankungen schützen können", so Windhagen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädischen Chirurgie (DGOOC).

Insbesondere für ältere Menschen mit Arthrose sei diese Erkenntnis gewinnbringend: Droht eine fortgeschrittene Arthrose die Lebensqualität zu verschlechtern, ist ein künstliches Gelenk oft die einzige Möglichkeit für sie, beweglich zu bleiben oder überhaupt wieder in Bewegung zu kommen. "Nicht zuletzt macht dieser positive Effekt den Gelenkersatz zu einer der wichtigsten chirurgischen Therapien der Nachkriegszeit. Wer noch vor 50 Jahren ein defektes Hüftgelenk hatte, war auf einen Rollstuhl angewiesen und sein restliches Leben immobil. Heute kann er mit einer Endoprothese prinzipiell sogar Leistungssport treiben", verdeutlicht Windhagen im Vorfeld des DKOU 2014, der von der DGOOC, der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) ausgerichtet wird.

Betroffene sollten sich an eine zertifizierte Einrichtung wenden, um bei einem anstehenden Gelenkersatz die beste Versorgung zu erhalten. So genannte Endoprothetikzentren, die sich nach den Maßgaben des von der DGOOC etablierten "EndoCert" richten, bieten durch leitliniengerechte Versorgung und hohe Qualitätsstandards einen besonders hohen Therapie-erfolg. Auf dem DKOU 2014 in Berlin zeigen Orthopäden und Unfallchirurgen, wie ältere Patienten therapeutisch unterstützt werden können, um einen gesunden und mobilen Lebensstil zu bewahren.

Literatur:
The relation between total joint arthroplasty and risk for serious cardiovascular events in patients with moderate-severe osteoarthritis: propensity score matched landmark analysis, Bheeshma Ravi et al., BMJ 2013; 347 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f6187 (Published 30 October 2013) Cite this as: BMJ 2013;347:f6187

Information:
Zertifizierte Endoprothetikzentren in Deutschland: http://www.endocert.de/endocert/zertifizierte-kliniken.html

Terminhinweis:

Kongress-Pressekonferenz anlässlich des DKOU 2014
„Wir sind alle einzigartig: Endoprothetik wird individuell“

Termin: Dienstag, 28. Oktober 2014, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Pressezentrum, Raum 411, Messe Süd Berlin

Themen und Referenten:

Welche Meilensteine in der Endoprothetik können in Zukunft erwartet werden?
Professor Dr. med. Henning Windhagen
Kongresspräsident des DKOU 2014, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Annastift, Hannover

Sicherheit bei Narkosen und Bedeutung individueller Patientengesundheit
Professor Dr. med. Rüdiger Krauspe
Zweiter Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf

Evidenzbasierte Entscheidungshilfen für Arthrose-Patienten
Professor Dr. med. Dieter Kohn
Mitglied im Ständigen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität des Saarlandes, Homburg

Fortschritte bei der Qualitätssicherung in der Endoprothetik
Professor Dr. med. Wolfram Mittelmeier
Mitglied im Ständigen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock, Rostock

Erfolge in der Infektionsbehandlung und Revisionschirurgie
Professor Dr. med. Heiko Reichel
Dritter Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik am Universitätsklinikum Ulm, Ulm
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