Montag, 20. August 2018


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Dresdner Wirtschaftskammern legen Studie zum Berufsschulnetz vor

Kultusministerium soll Schulnetzplanung koordinieren

Dresden, (lifePR) - Sowohl die Struktur des Berufsschulnetzes als auch die Koordinierung der Berufsausbildung im Kammerbezirk Dresden sind reformbedürftig. Das geht aus einer Studie hervor, die die Handwerkskammer Dresden und die IHK Dresden beim ifo-Institut für Wirtschaftsforschung Dresden in Auftrag gegeben haben. Dabei wurden in erster Linie Ausbildungsbetriebe und Berufsschulzentren befragt, aber auch die Expertise der Landkreise als Träger der Berufsschulen herangezogen.

Laut Studie stehen die Beruflichen Schulzentren (BSZ) der Landkreise im Kammerbezirk Dresden in einem harten Wettbewerb mit der Landeshauptstadt, aber auch untereinander. Fast die Hälfte der BSZ schätzt ihre zukünftige Existenz als ungeklärt ein - hiervon sind nach eigenen Angaben die Standorte in Dresden ebenso betroffen wie jene außerhalb der Landeshauptstadt. Jeder dritte Standort geht von einem künftigen Mangel an Fachlehrern aus. Acht von 25 befragten Berufsschulen geben im Übrigen an, dass die letzten umfassenden Renovierungsmaßnahmen mehr als zehn Jahre zurückliegen.

Besonderheit: Während die Personalhoheit für die Berufsschulen beim Freistaat liegt, sind die Landkreise zuständig für die Errichtung, Erhaltung und Ausstattung. Dr. Günter Bruntsch, Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden: "Eine übergeordnete Koordinierung, wo welche beruflichen Schwerpunkte vorgehalten werden, gibt es nicht. Das führt zu Komplikationen, die wir beseitigen müssen, um ein funktionierendes Berufsschulnetz in seinem Bestand zu erhalten."

So ist laut Studie für die Ausbildungsbetriebe ein dauerhaft verlässliches Netz an Berufsschulen wichtiger als die Nähe der einzelnen Berufsschule zum Standort des Betriebes. Die Kammern plädieren deshalb dafür, dass in Sachsen noch geltende Wohnortprinzip aufzuheben und gleichzeitig die Auszubildenden bei den Fahrtkosten und der Unterbringung zu unterstützen.

Um bessere Planungssicherheit für Berufsschulen, Betriebe, Auszubildende und Lehrer zu erreichen, fordern Handwerkskammer und IHK eine zentrale Schulnetzplanung für Berufsschulen durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus. Dafür wäre eine Novellierung des Sächsischen Schulgesetzes erforderlich. Die Forderung wird auch von den

Berufsschulzentren selbst erhoben. 21 von 25 Befragten wünschen eine zentrale Schulnetzplanung, immerhin 14 Standorten fehlen nach eigenen Angaben fehlende Anreize für mehr Wirtschaftlichkeit. Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: "Es ist verständlich, dass jeder Landkreis um den Erhalt seiner eigenen Berufsschulstandorte streitet und kaum bereit ist, Abstriche im Angebot zu machen. Aber so kann es nicht bleiben. Alle Beteiligten müssen sich verständigen, wo künftig welche inhaltlichen Schwerpunkte und Angebote vorgehalten werden. Das sollte unter Regie des Kultusministeriums geschehen."

IHK und Handwerkskammer Dresden fordern zudem ein schlüssiges Konzept, wie der Freistaat den Lehrerbedarf an berufsbildenden Schulen in den nächsten Jahren sichern will. "Hier muss der Schwerpunkt auf der Ausbildung und Gewinnung von Lehrpersonal für den gewerblich-technischen Bereich liegen", so Dittrich.

Hintergrund: Die Zahl der Schulabgänger von allgemeinbildenden Schulen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Das hat Auswirkungen auf die Berufsschullandschaft. Die Frage ist, wie die Berufsschulzentren aufgestellt und koordiniert werden müssen, um mit der demografischen Entwicklung und den Anforderungen der regionalen Wirtschaft Schritt zu halten. Die durch das ifo-Institut erstellte Studie verbindet eine erste Bestandsaufnahme mit Handlungsempfehlungen für die Bildungspolitik in Sachsen. Befragt wurden 4.000 Ausbildungsbetriebe im Kammerbezirk Dresden, es antworteten knapp 1.000. Außerdem wurden die Berufsschulzentren befragt und die Landkreise als Träger einbezogen. Der Kammerbezirk Dresden (Direktionsbezirk) umfasst die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz - Osterzgebirge sowie die Landeshauptstadt Dresden.

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