Donnerstag, 16. August 2018


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Radwandern auf fürstlichen Wegen: Gartenreichtour Fürst Franz

Magdeburg, (lifePR) - Ende des 18. Jahrhunderts schuf der weitgereiste Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt- Dessau nach den Gedanken der Aufklärung in seinem kleinen Fürstentum an Elbe und Mulde auf 142 Quadratkilometern ein Gartenreich von Weltruhm, in dem nichts Schönes ohne Nutzen sein sollte. Seit zehn Jahren gehört das heutige Gartenreich Dessau-Wörlitz nun zum Welterbe der UNESCO. Die Gartenreichtour Fürst Franz verbindet als 72 Kilometer langer Rundkurs die schönsten Parkanlagen miteinander und ganz nebenbei mehr Welterbestätten auf kleinstem Radius als jede andere Radroute in Deutschland.

Wer Emma trifft, hat Glück. Ihre Geschichten könnten typischer für diesen Landstrich in Sachsen-Anhalt nicht sein. Sie handeln von harter Arbeit in einer einstigen Industrieregion, dem Leben im Gartenreich, das sie 40 Jahre als Gärtnerin beackerte, und dem Glück am Wasser zu wohnen, auch, wenn das "nich immer einfach" ist. Wenn der Regen mit der Elbe redet, erzählt Emma vom Hochwasser. Während des Jahrhunderthochwassers 2002 war auf der Radstrecke vielerorts kein Durchkommen mehr. Da öffnete Emma die Gartenpforte kurzerhand für eine völlig durchnässte Radlerin und bot ihr ein Bett für die Nacht. Nur noch eine Handbreit stand das Wasser an diesem Tag unter der Deichkrone. Zur Zeit des jährlichen Sommerhochwassers verwandelt sich das Stückchen Wald und Wiese zwischen ihrem Haus und dem Elbufer in ein überflutetes Wasserwunderland. Das UNESCO Biosphärenreservat Mittelelbe, eines der beiden ältesten Biosphärenreservate in Deutschland, hat es zur streng geschützten "Kernzone" erklärt. Bei Regen und Nebel wähnt man sich hier an den urtümlichen Auenwäldern im Amazonas.

Nach dem Jahrhunderthochwasser wurde der Weg vielerorts völlig neu instand gesetzt und führt heute von Emmas Haus schon nach wenigen hundert Metern an einem weiteren Wallwachhaus - dem "Rauen" - durch die Überflutungsaue. Er schlängelt sich hinter Emmas "Jugendliebe" - dem ehemaligen Kohlekraftwerk Vockerode - vorbei, wo sie mit 15 ihre erste Arbeit fand. Heute ist das Kraftwerk ein Industriedenkmal und Teil der Themenroute "Kohle-Dampf-Licht", die auch per Rad erkundet werden kann. Von der 40 Meter hohen Aussichtsplattform des "Dampfers aus Stein", wie die Vockeroder das monumentale Bauwerk am Elbufer ihres einstigen Fischerdorfes gerne nennen, gibt's einen "einmaligen Panoramablick", verrät Emma. Wer hier vom Rad auf die Draisine umsteigt, erreicht auf der ehemaligen Kohlebahn des Kraftwerks das Schloss Oranienbaum, ebenfalls Teil des Gartenreiches Dessau-Wörlitz.

Weiter in Richtung Dessau liegt der ursprünglich zum Hochwasserschutz angelegte Dianentempel direkt auf dem Elbdeich. Wie in den anderen Wallhäusern wachte auch hier einst ein armer Teufel über die Fluten der Elbe und hoffte, dass sie ihm nicht zu nahe kommen. Eine schon zu Zeiten des Fürsten nicht immer erfüllte Hoffnung. Im Winter 1770 brach nördlich von Wörlitz der Deich. Der damals verantwortliche Förster Woepke soll dem Fürsten gemeldet haben: "Durchlaucht! Ich kann, Gott straf mich, das Wasser nicht länger halten und wenn die mich nich zur Hülfe kommen, so lahs ich's, hol mich der Teufel, lofen zur Schockschwerenoth."

Und das tat es dann auch. Auf durch Hochwasser verlagerten Altarmen der Elbe gleiten heute die Gondeln durch die Wörlitzer Anlagen. Der Name des kleinen weißen Häuschens verweist auf die wildreichen Wälder der Umgebung, die die römische Göttin der Jagd, Diana, beherrscht.

Nur einige hundert Meter weiter markiert ihre Statur den Eingang zum 1777 auf einer hochwasserfreien Anhöhe angelegten Sieglitzer Park, in dessen 25 Hektar Waldeinsamkeit man durch verschiedenartigste Tore radelt - mal ein Burgtor, mal ein klassizistisches Kunstwerk. Es fehlt nur noch der Hobbit, der an einem der geheimnisvollen Tore wissend nach Westen weist, nachdem wir aus dem Auenland in den Wald eingetaucht sind. Fürst Franz ließ sich hier einst in einem kleinen Waldschloss ein Heilbad errichten und das Wasser über ein Röhrensystem aus dem Küchengebäude des Wörlitzer Schlosses herleiten. Hinter dem Sieglitzer Park werden die Auen weiter. Nach Wiesenland, gespickt mit knorrigen alten Eichen und Weiden an Wassergräben, liegt circa zwei Kilometer entfernt auf dem Leiner Berg schon das 1830 als Forsthaus errichtete und frisch sanierte "Schweizerhaus", wieder mitten im Wald. Wer hier nicht mit schicker Outdoorkleidung, Packtaschen und Tunnelblick vorbeirast, sondern an Regentagen im Schutz der rustikalen Picknickbänke sinnversunken selbstgebackenen Kuchen in herrlich heißen Kaffee tunkt, kann echte Ruhe genießen. Am Haus führt auch der Lutherweg vorbei, auf dem Christa und Klaus Zernia aus Vallendar in Rheinland-Pfalz an diesem Tag durch den Regen waten. Der ehemalige Hubschrauberpilot schaut - wie schon Emma an diesem Morgen - prüfend gen Himmel. "Bei der Wolkenform bleibt das so", sagt er zackig und ordert ebenfalls Kaffee und Kuchen. Mehr als zwei Wochen sind die beiden schon zu Fuß auf der Pilgerroute unterwegs, mit dem Rad ginge es ihnen zu schnell. "Gestern am späten Abend hatten wir den ganzen Wörlitzer Park für uns allein, wie herrlich wir da spaziert sind", sagt Christa.

Wer es schicker mag oder am Leiner Berg noch nicht hungrig ist, radelt noch rund fünf Kilometer weiter zum Kornhaus in Dessau, das über einem Elbbogen thront und vom Bauhaus- Architekten Carl Fieger entworfen wurde. Die Tour kann allerdings dauern, denn am Weg liegen noch Schloss und Park Luisium - der klassizistische Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt- Dessau (ein Meisterwerk des Baumeisters Wilhelm von Erdmannsdorff) - oder das Georgium mit eindrucksvollem Schloss und der renommierten Anhaltischen Gemäldegalerie. Und...

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