Neue EU-Initiative gegen zunehmende Wildtier-Cyberkriminalität

(lifePR) ( Hamburg, )
Illegaler Wildtierhandel und seine Drahtzieher, die das Internet, Postversand oder schnelle Paketdienste in der EU für die kriminellen Aktivitäten nutzen sind das Ziel eines neuen, von der Europäischen Union (EU) finanzierten Projekts. Umgesetzt wird das Projekt von einem Bündnis, dem WWF, IFAW, INTERPOL, die belgische Zollbehörde sowie TRAFFIC. Es wird von WWF Belgien in Zusammenarbeit mit TRAFFIC geleitet.

Das Projekt mit dem Titel Disrupting and dismantling wildlife cybercriminals and their networks in the European Union („Cyberkriminelle und ihre Netzwerke in der EU durchkreuzen und zerschlagen“) ist auf zwei Jahre angelegt und wird mit Mitteln aus dem Fonds für innere Sicherheit der Generaldirektion Migration und Inneres der Europäischen Kommission finanziert. In seinem Rahmen sollen Zoll-, Polizei- und andere Vollzugsbeamte aus der EU darin geschult werden, illegalen Wildtierhandeln zu erkennen und zu verhindern. Außerdem werden Lieferfirmen und Online-Unternehmen eingebunden, damit sich illegale Wildtierhändler ihre Dienste nicht zunutze machen können.

 „Das zunehmende Aufkommen an Paketlieferungen im Zusammenhang mit dem wachsenden E-Commerce stellt für diejenigen eine große Herausforderung dar, die die EU-Verordnungen über den Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten durchsetzen. Sie werden von der Unterstützung im Rahmen dieses Projekt sehr profitieren“, so Emilie van der Henst, die WWF/TRAFFIC-Projektkoordinatorin .

Mit dem Internet haben illegale Wildtierhändler Zugang zu einem riesigen internationalen Marktplatz, der keine Grenzen hat und rund um die Uhr an 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Wildtier-Cyberkriminelle nutzen die Anonymität aus, die das Internet ihnen ermöglicht. Um das Überleben bedrohter und gefährdeter Wildtiere sichern zu können, muss Wildtier-Cyberkriminalität aufgedeckt werden.

Über 8000 Wildtiere und Wildtierprodukte in nur 6 Wochen

Bei den Recherchen zu seinem Bericht Disrupt: Wildlife Cybercrime aus dem Jahr 2018 entdeckte der International Fund for Animal Welfare (IFAW) auf Online-Marktplätzen und Social-Media-Plattformen in Deutschland und Frankreich 3312 Inserate und erfasste 8244 gefährdete und bedrohte Tiere sowie aus ihnen hergestellte Produkte: von Stoßzähnen und Kleinegenständen aus Elfenbein über Rhinozeroshorn-Produkte, Felle und Häute von Großkatzen bis hin zu lebenden Vögeln und Reptilien. Innerhalb von sechs Wochen wurden Angebote im Wert von fast 2 Millionen Euro ermittelt.

„Mit diesem Projekt kann der IFAW seine wegweisende Arbeit im Bereich Online-Wildtierkriminalität in der EU weiterführen. Gemeinsam mit unseren Partnern schaffen wir ein Experten-Netzwerk, mit dem wir das kriminelle Netzwerk zerschlagen wollen“, so Tania McCrea-Steel, Leiterin der internationalen Kampagne des IFAW gegen Wildtier-Cyberkriminalität.

Der Schwerpunkt des Projekts gegen Wildtier-Cyberkriminalität wird zunächst auf Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden liegen. Es werden Informationen zu Entwicklungstrends gesammelt und Werkzeuge entwickelt, die anderen EU-Mitgliedstaaten ebenfalls zugutekommen können.

Neben einer verbesserten Aufdeckung illegaler Wildtiergeschäfte werden im Rahmen des Projekts auch Online-Unternehmen darin unterstützt, Konten und Inserate von Personen zu löschen, die illegal Wildtiere anbieten. Diesen soll es erschwert werden, ihre Kunden online zu erreichen.

„Wir wollen den Wildtier-Cyberkriminellen einen dicken Strich durch die Rechnung machen, damit ihre kriminellen Geschäfte zu etwas Hochriskantem werden, das wenig Gewinn abwirft“, so Emilie van der Henst, die WWF/TRAFFIC-Projektkoordinatorin.

Platz vier beim illegalen globalen Handel

Der illegale Handel mit Wildtieren hat ein Volumen von mindestens 19 Milliarden US-Dollar jährlich und steht somit beim illegalen globalen Handel auf Platz vier – nach Drogenhandel, Produktfälschungen und Menschenhandel. Laut eines vom WWF in Auftrag gegebenen Berichts aus dem Jahr 2012 stellt er eine Bedrohung für die nationale Sicherheit dar.

2015 wurden mit einer Resolution der Vereinten Nationen (UN) die weiterreichenden Folgen der Wildtierkriminalität anerkennt, darunter Korruption und Geldwäsche, Unterminierung verantwortungsvoller Regierungsführung, Untergraben der Rechtsstaatlichkeit und Schwächung des Wohlergehens ortsansässiger Gemeinden. Deshalb wurden die Nationen aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

2016 verabschiedete die EU den Aktionsplan zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels. Die Mitgliedstaaten machten Umweltverbrechen bei ihren Bemühungen zur Bekämpfung schwerer grenzüberschreitender und organisierter Kriminalität zu einer ihrer 10 Prioritäten für den Zeitraum 2018 bis 2021.

Hinweise für die Redaktionen

Im März 2018 riefen WWF, IFAW und TRAFFIC gemeinsam mit 21 der weltweit führenden E-Commerce-, Technologie- und Social-Media-Unternehmen die Koalition zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels im Internet ins Leben. In Zusammenarbeit mit Wildtier-Experten von WWF, TRAFFIC und IFAW wird jedes der Unternehmen Strategien und Lösungsansätze für die Bekämpfung des Wildtierhandels im Internet erarbeiten und umsetzen.

Über die beteiligten Organisationen

WWF 

Der WWF ist eine der größten und erfahrensten unabhängigen Naturschutzorganisationen der Welt. Er ist in über 100 Ländern aktiv und hat weltweit über 5 Millionen Unterstützer. Ziel des WWF ist es, nachfolgenden Generationen die Erde als lebensfähigen Planeten zu hinterlassen. Der WWF widmet sich dem Erhalt von Arten und ihren Lebensräumen: Wälder, Feuchtgebiete und Meere. Außerdem beteiligt sich die Organisation am Erarbeiten von Lösungsansätzen im Zusammenhang mit der Verschmutzung und Vergeudung natürlicher Ressourcen sowie dem Klimawandel. Weitere Informationen auf www.wwf.be. In Belgien arbeitet der WWF im Rahmen dieses Projekts mit TRAFFIC zusammen.

TRAFFIC

TRAFFIC ist eine führende NGO, die weltweit zum Thema Handel mit Wildtieren und Wildpflanzen arbeitet, im Kontext des Erhalts der Artenvielfalt und nachhaltiger Entwicklung. TRAFFIC will dafür sorgen, dass der Handel mit Wildpflanzen und Wildtieren den Erhalt der Natur nicht gefährdet. Weitere Informationen auf www.traffic.org.

IFAW

Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweite agierende gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht’s: ifaw.org

Interpol

INTERPOL ist die größte internationale Polizeiorganisation der Welt. Unsere Aufgabe besteht in der Unterstützung von Strafverfolgungsbehörden in unseren 194 Mitgliedstaaten zur Bekämpfung aller Arten grenzüberschreitender Kriminalität. INTERPOL unterstützt Polizeibehörden in aller Welt angesichts der wachsenden Herausforderungen im Bereich Kriminalität im 21. Jahrhundert. Mittels einer High-Tech-Infrastruktur leisten wir technische und operative Unterstützung. Wir bieten unter anderem gezielte Schulungen an, leisten fachliche Unterstützung bei Ermittlungen und verfügen über spezielle Datenbanken sowie über sichere polizeiliche Kommunikationskanäle.

Der belgische Zoll

Das Cyber-Team des belgischen Zolls wurde 2013 mit dem Ziel gegründet, gegen die zunehmende Gefahr zollrechtlicher Straftaten im Internet vorzugehen. Zu Beginn befasste sich die Einheit in erster Linie mit Produktfälschungen, hat ihre Tätigkeiten aber mittlerweile auf verschiedene Kriminalitätsbereiche ausgeweitet, so auch auf Umweltverbrechen, die das Artenschutzübereinkommen CITES betreffen. Im Rahmen der Arbeitsgruppe Customs @gainst Internet Crime arbeiten wir regelmäßig mit Cybercrime-Einheiten anderer Zollbehörden zusammen, außerdem mit internationalen Behörden wie OLAF oder Europol. Unser Team besteht aus einem Online-Ermittler und zwei kriminaltechnischen Experten.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.