Fischer fordert europäische Fiskalunion

(lifePR) ( Hamburg, )
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- Ehemaliger Vizekanzler sieht in einer vollen Integration den einzigen Weg für das Überleben des Euro
- WeltWirtschaftsInstituts-Direktor Straubhaar verbindet den Aufstieg der Schwellenländer mit Chancen für Europa
- Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann: "Wir können viel von China lernen."

Der Euro-Raum befindet sich in einer tiefen Finanz- und Währungskrise. Die großen Wachstumspotenziale liegen heute in den Schwellenländern Asiens. Reichtum und Macht in der Welt werden neu verteilt. Die europäischen Volkswirtschaften verlieren an Bedeutung. Mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme eröffnete Joschka Fischer eine Podiumsdiskussion der Mittelstandsinitiative Unternehmer Positionen Nord der HSH Nordbank, auf der der ehemalige deutsche Vizekanzler am Dienstagabend in Hamburg ein dichteres Zusammenrücken der Euro-Staaten forderte. "Wenn der Euro scheitert, dann scheitert auch Europa", konstatierte Fischer.

Auf der Veranstaltung mit dem Titel "Neue Chancen für Europa - wie bleiben wir wettbewerbsfähig?" diskutierte ein hochrangig besetztes Podium vor Unternehmern aus dem gehobenen Mittelstand. In seinem Vortrag bezeichnete Fischer ein Europa mit mehr Kompetenzen als einzige Alternative zur Niederlage. "Der Euro wird nicht überleben, wenn wir innerhalb der kommenden Dekade nicht den Schritt in die volle Integration machen", prognostizierte der ehemalige Außenminister und sprach sich dafür aus, die Staaten der Eurogruppe durch die Schaffung einer Banken- und Fiskalunion eng aneinander zu binden.

"Wir brauchen dringend eine Wachstumsstrategie. Und die muss verbindlich sein", forderte Fischer, heute Unternehmensberater und Vorstand des European Council. Um Europa zu retten, seien auch unpopuläre Maßnahmen wie die Schaffung eines Transfermechanismuses und eine Vergemeinschaftung der Altschulden unausweichlich, so Fischer. "Wenn wir Europa aufgeben, werden wir in einer Welt aufwachen, in der andere das Sagen haben."

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), zeichnete dagegen ein weniger düsteres Bild der Lage. "Europa steht viel besser da, als allgemein unterstellt wird", stellte der Ökonom fest und erinnerte daran, dass auch angesichts des Aufstiegs Japans der Niedergang Europas heraufbeschworen worden sei. Das starke Wachstum in den Schwellenländern müsse weniger als Bedrohung denn als Chance gesehen werden. "Wenn in Indien die Kaufkraft wächst, tut das auch unseren Unternehmen gut", verwies Straubhaar auf die Erfolge der Autoindustrie in Asien. Der HWWI-Direktor beobachtet derzeit einen Generationswechsel. Während sich die Älteren in einer hektisch gewordenen Welt die paradiesischen Zustände der BRD der Achtziger Jahre zurückwünschten, könnten die jungen Leute mit der veränderten Situation gut umgehen. "Die jungen Studierenden kennen diese Ängste nicht. Und es gibt keinen Grund, an den Fähigkeiten der kommenden Generation zu zweifeln."

Fechterin Britta Heidemann hatte in sportlichen Wettbewerben ebenfalls mit Konkurrenz aus China zu kämpfen. Und auch aus wirtschaftlicher Sicht sei das Land der Mitte nicht zu unterschätzen, sagte die Olympiasiegerin und Unternehmensberaterin, die fließend chinesisch spricht und regelmäßig Wirtschaftsdelegationen in das Land begleitet. "China verfolgt sehr konsequent seine Langfriststrategien. Dort entstehen beeindruckende Projekte", sagte Heidemann, die als Gründe für den Erfolg nicht nur die Unterschiede in den politischen Systemen ausmachte. "Flexibilität und Pragmatismus sind urchinesische Eigenschaften. Wir können davon viel lernen."

Auch Hasnain Kazim, Südostasienkorrespondent des Spiegel, glaubt an einen Aufstieg der asiatischen Staaten. "Wer weiß - vielleicht wird es Mitte des Jahrhunderts ja angenehmer sein, in Indien zu leben als in Europa", sagte der Journalist pakistanischer Abstammung, der für das Magazin aus Islamabad berichtet. Dort scheitere der Aufschwung derzeit allerdings schon am desolaten Steuersystem. "Ich habe vier Jahre lang versucht, in Pakistan Steuern zu zahlen - vergeblich", berichtete Kazim. Die Stromversorgung funktioniere nur drei bis fünf Stunden am Tag. Auch hier, schloss Kazim, könnten Unternehmen aus Deutschland also viel bewirken.
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