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Pressemitteilung BoxID: 427013 (Hessische Energiespar-Aktion - Institut Wohnen & Umwelt GmbH)
  • Hessische Energiespar-Aktion - Institut Wohnen & Umwelt GmbH
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  • 65189 Wiesbaden
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  • Ansprechpartner
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Die "Hessische Energiespar-Aktion" informiert: Dicke Wände - eiskalt

(lifePR) (Frankfurt/Main, ) Die unbeheizte Ruine der Burg Hanstein im Werratal gehört mit ihren meterdicken Mauern zu den stark wärmespeicherfähigen Bauten. Nach einer populären Theorie gelten Wärme speichernde Bauten als besonders energiesparsam. Wärmespeicherung sei wichtiger als Wärmedämmung, dicke Wände dämmten gut. Die Wände der Burg Hanstein sind bis zu 3 m dick. Die Burg liegt unverschattet auf einem Berg. Das sind günstige Voraussetzungen für die Speicherung von Sonnenenergie. Die Speicherfähigkeit ist im Winter nur dann von Vorteil, wenn die Wärme kostenfrei von der Sonne stammt. Denn jeder Speicher muss zunächst geladen werden, bevor er Wärme abgibt. Funktionierte dies bei Wänden, müssten die Burgwände im Winterhalbjahr eine hohe Bauteiltemperatur aufweisen, außen wie innen. Ob dies so ist, kann man nur an einem unbeheizten Bauwerk klären, wo die Messung nicht durch Wärme aus der Heizanlage gestört wird. Die Thermografie der unbeheizten Burg Hanstein im Werratal sollte genau dieses untersuchen.

Die Burg wurde in einer Frostperiode am 23. Februar 2013 thermografiert. Die Außentemperatur lag unter dem Gefrierpunkt bei -3°C. Der Himmel war bedeckt, es gab nur diffuse Solarstrahlung, dies ist eine für Februar normale Wetterlage. Der Februar weist nur 68 Sonnenstunden auf. Die Innenthermografien wurden im Rittersaal der Burg durchgeführt, der auf dem Burghügel von der Sonne gut erreichbar ist. Das Ergebnis der Messungen erbrachte keinen Beweis für ein Vorhandensein von solarer Speicherwärme in den dicken Wänden. Die Temperaturen auf der Innenoberfläche der Außenwände lagen in den Zimmern zwischen -1,0 und -2,5 °C. Eine Abhängigkeit von der Himmelrichtung war nicht feststellbar. Die Oberflächentemperatur auf ihrer Außenseite lag in ähnlicher Höhe. Die Wände waren völlig ausgekühlt. Eine Aufheizung der Innenluft im Rittersaal durch von außen durchdringende Solarstrahlung war nirgendwo feststellbar. Die Innenlufttemperatur der Zimmer lag nur bei plus 1-2 °Celsius. Die relative Luftfeuchte in einzelnen Räumen betrug zwischen 60 und 70 %.

"Ein Wärmespeichereffekt konnte nicht nachgewiesen werden. Stattdessen herrschte eine unbehagliche und klamme Kälte in den Räumen. Die Messungen belegen, was zeitgenössische Quellen ohnehin schon aussagen: In den mittelalterlichen Burgen haben die Menschen im Winter sehr gefroren", so Werner Eicke-Hennig, Programmleiter der "Hessischen Energiespar-Aktion", ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Das Bedürfnis nach Beheizung führte deshalb zur "Kemenate". Diese beheizbaren Zimmer in den Burgen blieben meist den Frauen vorbehalten. Auch die Burg Hanstein verfügt über zwei Schornsteine. "Nicht die Sonne oder etwa die solar aufgeheizten Wärmespeichermassen der Natursteinwände erwärmten also die Zimmer, sondern das in den Kaminen verheizte Holz. So wird erklärlich, warum in denjenigen Burgen, Schlössern und kirchlichen Bauten, in denen nach 1945 eine moderne Nutzung einzog, die Fußbodenheizung ihren Anfang nahm. Sie brachte Strahlungswärme nicht von außen, sondern von einer warmen Flächenheizung, die alle sonst kalt bleibenden Außenbauteile aufheizte. Um den Preis eines unter diesen baulichen Bedingungen hohen Heizenergieverbrauchs. Das dicke Wände einen Beitrag zur Heizenergieeinsparung leisten ist also ein Märchen", so der Energieexperte.

Den Bericht zur Thermografie mit zahlreichen Abbildungen findet man auf der Internetstartseite www.energiesparaktion.de unter "Wärmespeicherung" oder direkt: http://www.energiesparaktion.de/wai1/showcontent.asp?ThemaID=5617

Publikationen des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finden Sie unter www.energieland.hessen.de

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Die "Hessische Energiespar-Aktion" ist ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.