Medieninhaltsanalyse neu gedacht

(lifePR) ( Köln, )
Das Thema ›Medienqualität‹ steht immer wieder im Fokus der kommunikationswissenschaftlichen Forschung, vor allem im deutschsprachigen Raum. Wurde es bis in die 1990er-Jahre besonders im Zuge der Einführung dualer Rundfunkordnungen diskutiert, zeigen heute die Probleme im Printsektor aufgrund der wachsenden Online-Angebote, aber auch Probleme der Online-Medienangebote selbst die permanente Relevanz dieses Themas auf.


TV-Programmanalysen als Spezialfall der Medieninhaltsanalyse werden üblicherweise erstellt, wenn die Qualität von Fernsehprogrammen fraglich ist oder zumindest einer Überprüfung unterzogen werden soll. Während die kommunikationswissenschaftlichen Qualitätsanalysen zum Fernsehen in den 1990er-Jahren meist die Ebene des Medienangebots fokussierten, stellt der zeitgenössische Public-Value-Ansatz die Rezipienten in ihrer Rolle als Bürger in den Mittelpunkt; die Interaktion zwischen Mediennutzern sowie TV-Angeboten wird hervorgehoben und Medienqualität auch als Ergebnis eines Selbstproduktionsprozesses verstanden, der die Inklusion der Rezipienten und deren Wahrnehmungen, Verstehen und Erleben in den Kommunikationsprozess voraussetzt.

Der Widerspruch, dass Analysen nach dem Konzept ›Public Value‹ dem Anspruch, Medienrezipienten in den Mittelpunkt der Qualitätsanalyse zu stellen, derzeit noch nicht gerecht werden, da sie statt das Publikum zu differenzieren nach wie vor von einem durchschnittlichen Rezipienten ausgehen, ist das Kernthema in Differenzielle Rezeption, transaktionale Medienwirkungen und die Bewertung öffentlicher Kommunikationsmedien. Jens Woelke hinterfragt und problematisiert die Annahme, dass Rezipientenurteile und darauf aufbauende Qualitätsbewertungssysteme eine geeignete Alternative zur inhaltsanalytisch orientierten (TV-)Programmforschung bieten. Er nimmt dabei Bezug auf neuere Erkenntnisse aus der Rezeptions- und Wirkungsforschung, die zugleich die Folie bilden, um ausgewählte inhaltsanalytische Instrumente zur Evaluierung von TV-Programmqualität zu vergleichen, zu bewerten und Entwicklungsmöglichkeiten in deren Methodik zu skizzieren.

Jens Woelke, Dr. habil., ist Privatdozent und Akademischer Oberrat mit ständigen Lehraufgaben am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach Berufsausbildung und Berufstätigkeit im Lehrberuf sowie in einem Automobilhandelsunternehmen Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Rechtswissenschaft und Politologie an der Freien Universität Berlin (Abschluss 1997), Promotion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (2002) und Habilitation zum Thema Differenzielle Informationsverarbeitung und vergleichende Fernsehprogrammforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (2014). Vertretung der Professur für ›Kommunikationstheorie/-soziologie‹ an der Universität der Künste Berlin auf einer Gastprofessur (2005) sowie der Professur ›W3-Empirische Kommunikations- und Medienforschung‹ (vormals W. Früh) an der Universität Leipzig (2013 – 14). 

Gegenstand seiner Forschungsarbeit sind die vergleichende Mediensystem-/Fernsehprogrammforschung, Theorie und Empirie der Rezeptions- und Wirkungsforschung, interne Organisationskommunikation sowie Kommunikationscontrolling und Methodenstudien.

Jens Woelke
Differenzielle Rezeption, transaktionale Medienwirkungen und die Bewertung öffentlicher Kommunikationsmedien.
Methodologische Betrachtungen zur TV-Programmforschung
2017, 128 S., 9 Abb., Broschur, 213 x 142 mm, dt.
ISBN 978-3-86962-174-6

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