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Pressemitteilung BoxID: 612789 (Hatje Cantz Verlag GmbH)
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Sascha Weidner - ein Ggrenzgänger zwischen Alltag, Magie und Intimität

Die Schönheit des Augenblicks

(lifePR) (Ostfildern, ) Ein Blick für magische Momente und die Kreativität, das Poetisch-Flüchtige auf Papier zu bannen: Der Fotograf Sascha Weidner rückt Alltägliches in den Mittelpunkt seiner Arbeiten, entkoppelt das vermeintlich Profane und überführt Beiläufiges in komponierte Traumwelten. Die scheinbare Leichtigkeit der Werke des 2015 verstorbenen Fotokünstlers weicht bei genauerer Betrachtung melancholischer Tiefe, Verletzlichkeit und Intimität. Die nun vorliegende Monografie Intermission II hat Sascha Weidner noch selbst konzipiert.

Sascha Weidners Fotografien lassen unweigerlich an den Zufall des Augenblicks denken. Sie zeichnen sich durch eine Bildsprache des Unbewussten aus und scheinen von Wahrnehmungen und Sehnsüchten geprägt zu sein. Bei genauerer Betrachtung seiner Werke spürt man jedoch, dass Weidner ursprünglich Maler und nicht Fotograf werden wollte. Seine Farbbilder sind keine Schnappschüsse, sondern wohl komponiert: So verschwimmen die Grenzen zwischen Inszenierung und Authentizität, zwischen Pose und Natürlichkeit. Lichteinfall und Schattenwürfe sind bewusst gesetzt, um die oft surreale, bisweilen suggestive Atmosphäre der Wirklichkeit hervorzuheben. Melancholie und eine zarte, pastellene Farbgebung ziehen sich durch Weidners gesamtes OEuvre. Seine Bilder erzählen eine Geschichte und zwar eine ganz persönliche – seine eigene.

Mit seinen Fotografien wandte Sascha Weidner sich selbst und seinem Umfeld bedingungslos zu. Seine emotionale Nahsicht steht in einer Linie mit Fotografen wie Nan Goldin, Ryan McGinley oder Wolfgang Tillmans. »Doch während Tillmans sein Sentiment in die Welt hineinwendet, scheinen sich die Menschen auf den Fotografien von Weidner ihr zu entziehen. Wie gestört von der Kamera, wenden sich Blicke, schließen sich Augen, verhüllen sich Gesichter«, so Inka Schube, Fotografie-Kuratorin des Sprengel-Museums. »Wer Weidner kannte – das sind nicht wenige, er lebte Weltumarmung – weiß, wie offen, zugewandt er war.«

Sein radikal subjektiver Bilderkosmos ist der poetische Film des Lebens, in dem jede Einstellung ein Statement von lebensbejahendem Überschwang oder stiller Melancholie ist: Ein im nächtlichen Wald stehendes Zelt, das durch eine Lichtquelle im Inneren hell erleuchtet ist (Refuge II), eine rosafarbene Luftmatratze, die sich in einer Gartenhecke verirrt hat (Matraze II), ein nackter Rücken, dessen Leberflecken sich zufällig durch Grashalme wie ein Sternenbild verbinden (Marked II). Auch die Verbildlichung der Haptik des Alltäglichen spielt eine entscheidende Rolle in Weidners Fotografien: Zerwühlte Bettlaken (Renaissance II), ein leerer Plastikbecher, der in einem Flugzeugfenster steht (Illuminate II), der Lichteinfall durch zwei leicht geöffnete Gardinenschals (Bullit II) – jede Nuance des Beiläufigen ist von Belang.

Weidners Bilder zeichnen sich durch seine sensible Beobachtungsgabe aus. »Ich muss mich verlieren, bevor ich auf den Auslöser drücke«, beschrieb Weidner seinen künstlerischen Ansatz. Jedes Foto steht für sich allein und doch entsteht in der Kombination der Arbeiten eine Dramatik zwischen den einzelnen festgehaltenen Ereignissen. Im Zusammenspiel der Fotografien vervollständigt sich Stück für Stück eine (Lebens-)Geschichte –individuell und neu bei jedem Betrachten.

Weidners erste Monografie Intermission II wurde noch von ihm selbst konzipiert. Die 100 großformatigen Abbildungen sind weiß umrahmt und erinnern, in Anlehnung an die Flüchtigkeit des Augenblicks, an Polaroidbilder. Jede seiner Aufnahmen betitelte Weidner mit einer »II«, denn die Ursprungsversion einer jeden Fotografie – also die »I« – entstand stets in seinem Kopf. So lässt sich auch der Titel der Monografie Intermission II erklären und kann als Hommage an sein außergewöhnliches Lebenswerk verstanden werden.

Sascha Weidners Werke waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie öffentlichen Sammlungen zu sehen. Er erhielt für unter anderem den Stiftungspreis für Fotokunst, den Jungen Kunstpreis für Film- und Medienkunst sowie den Otto-Steinert Preis. Der aus Osnabrück stammende Künstler studierte Bildende Kunst und Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sein Studium schloss er mit Ehrendiplom ab und er wurde Meisterschüler der Fotografie bei Prof. Dörte Eißfeldt. Dank verschiedener Arbeitsstipendien hatte Weidner die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten: Zwischen 2004 und 2006 verbrachte er mehrere Monate in Los Angeles, 2013 war er Stipendiat des Goethe-Instituts in Kyoto und ging 2014 nach Beijing. Von 2010 bis 2012 wirkte Weidner als Dozent für künstlerische Fotografie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und wurde als Mitglied in die Deutsche Fotografische Akademie berufen. 2015 starb Weidner unerwartet im Alter von nur 38 Jahren an den Folgen eines Herzversagens.

SASCHA WEIDNER
INTERMISSION II
Text von Inka Schube
Gestaltung von Ole Truderung
Deutsch, Englisch
2016. 160 Seiten, 89 Abb.

28,00 x 28,00 cm
gebunden
ISBN 978-3-7757-4191-0
39,80 €

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