Donnerstag, 23. Februar 2017


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Auswertung des WSI

Trend zu belastenden Arbeitszeiten hält an

(lifePR) (Düsseldorf, ) Die Beschäftigten in Deutschland arbeiten häufiger in Schichtsystemen, nachts oder deutlich über 40 Wochenstunden. Damit verbundene Belastungen können zu frühem gesundheitlichem Verschleiß führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Dr. Hartmut Seifert. Der Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hat dafür die aktuellsten verfügbaren Daten zur Arbeitszeitentwicklung ausgewertet. "Sollten sich die Arbeitszeittrends der letzten Jahre fortsetzen, werden sich die Bedingungen für einen längeren Verbleib im Berufsleben verschlechtern", sagt Seifert.

Jeder sechste Neu-Rentner ging 2006 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in den Ruhestand. Die arbeitsmedizinische Forschung zeige, dass vor allem die Trends zu sehr langer und atypisch gelegener Arbeitszeit während der Nacht und im Schichtbetrieb höhere Belastungen mit sich bringen, so Seifert. Beide Arbeitszeitkonstellationen breiten sich kontinuierlich aus.

Länger: Wer eine Vollzeitstelle hat, arbeitet zunehmend länger, zeigt die Analyse. Von 2002 bis 2007 stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um etwa 40 Minuten auf 40,3 Stunden. Fast jeder Dritte leistet 42 und mehr Stunden - obwohl die Effizienz nach der achten Arbeitsstunde laut Arbeitsmedizinern deutlich abnehme und das Unfallrisiko steige, erklärt Seifert. Der Arbeitszeitforscher weist auch auf ein weiteres Problem hin: Nach einem langen Arbeitstag fällt es schwer, noch Zeit und Energie für Weiterbildung aufzubringen.

Atypisch: Seit den 90er-Jahren wächst der Anteil der Beschäftigten mit Wechselschichten spürbar. 16 Prozent der Beschäftigten arbeiten nachts, 17 Prozent im Schichtdienst. 1991 waren es jeweils 13 Prozent. Damit sind Risiken verbunden: "Nachtarbeit und Wechselschichtarbeit gefährden die Gesundheit. Schlafstörungen, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder Herzschmerzen treten häufiger auf als bei Beschäftigten mit Normalarbeitszeit, die durchschnittliche Krankheitsdauer ist länger", fasst Seifert die Befunde von Arbeitsmedizinern zusammen. Die Daten aus der Arbeitszeitstatistik machen deutlich, dass zahlreiche Beschäftigte bis ins mittlere Alter beziehungsweise während eines erheblichen Teils ihres Berufslebens unter derart belastenden Bedingungen arbeiten: Erst in der Altersgruppe jenseits der 50 sinkt die Quote der Nacht- und Schichtarbeiter langsam, aber spürbar ab: Auf gut 13 Prozent in der Nacht und 15 Prozent in Schichtarbeit. Und von den Beschäftigten zwischen 60 und 65 arbeiten immer noch gut acht Prozent nachts und 7,5 Prozent Schicht.

Wie sehen Arbeitsbedingungen aus, die Beschäftigten einen langen Verbleib im Erwerbsleben ermöglichen? Seifert zufolge ist es vorrangig, den Trend zu längeren Arbeitszeiten zu stoppen. Außerdem empfiehlt der Forscher, keine Anreize mehr zu setzen, sich phasenweise zu überarbeiten: Statt Geldzuschläge für Nacht- und Schichtarbeit wäre ein zügiger Freizeitausgleich denkbar. Auch die Altersteilzeit könne helfen, Belastungen zu dosieren. Und wer über Jahre nachts und in Schichten gearbeitet hat, sollte in den Genuss eines vorzeitigen Renteneintritts ohne Abschläge oder verminderte Arbeitszeiten kommen, so der Wissenschaftler.

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