Freitag, 20. Oktober 2017


  • Pressemitteilung BoxID 169180

Sparpaket trifft beim Handwerk auf Zustimmung

Kassel, (lifePR) - "Es ist richtig, dass die Koalition auf Ausgabensenkungen setzt und der Versuchung widersteht, das Staatsdefizit mit Steuererhöhungen in den Griff zu bekommen. Das Sparpaket, das gestern vorgestellt wurde, trifft beim Handwerk auf breite Zustimmung", sagte Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, anlässlich der 117. Vollversammlung. Vor allem mit der vorgesehenen Zusammenfassung arbeitsmarktpolitischer Programme folge die Bundesregierung einer Empfehlung des Handwerks.

"Wir begrüßen, dass die Bundesregierung ganz eindeutig das Ziel hat, die Vorgaben des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes und der nationalen Schuldenbremse in einem langfristigen Konsolidierungspfad einzuhalten. So entstehen nachhaltig Spielräume für wichtige Zukunftsinvestitionen, insbesondere in Bildung." Eine genaue Bewertung des Sparpakts sei allerdings erst nach Vorlage der Gesetzesentwürfe möglich, schränkte der Schwälmer Bauunternehmer ein. Von entscheidender Bedeutung sei es für das Handwerk, dass angesichts der weiterhin labilen Binnenkonjunktur die Wachstumskräfte gestärkt werden. "Deshalb hoffe ich, dass damit die Diskussionen um Steuererhöhungen, vor allem die der Mehrwertsteuer, vom Tisch sind."

Kritisch sieht das Handwerk die finanzielle Situation der Kommunen. Sie sei bereits so dramatisch, dass die öffentliche Hand kaum mehr Gestaltungsspielraum für dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen hätte. "Natürlich hat das ganz direkte Auswirkungen auf unsere Handwerksbetriebe.Schon heute erleben wir, dass geplante und notwenige Maßnahmen nicht umgesetzt werden, weil die Aufsichtsbehörden die Notbremse ziehen." Bei allem Zwang zum Sparen wäre es fatal, wenn die Kommunen nicht mehr in der Lage wären, ihre Infrastruktur in Stand zu halten. Deshalb setze sich das Handwerk für eine Verstetigung der öffentlichen Investitionen ein.

Als Beispiel nannte der Kammerpräsident die energetische Gebäudesanierung: "Das Handwerk plädiert dafür, die energetische Sanierung von Mietwohnungen zu erleichtern und von Gewerbeimmobilien zu verbessern." In jedem Fall müsse die Förderung mindestens in bisherigem Umfang erhalten bleiben. "Von dieser Art der Unterstützung profitiert der Staat dreifach: Durch Steuern zahlende Betriebe, durch sozialversicherte Vollzeitarbeitsplätze und durch verbesserten Klimaschutz."

Helfen würde den Handwerksbetrieben auch, wenn die im Rahmen der Konjunkturprogramme verbesserten Bedingungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge weiterhin gelten würden. Sie trügen wesentlich dazu bei, regionale Kreisläufe in Schwung zu halten. Auch die Vergabe in Fachlosen habe sich aus Sicht des Handwerks bewährt und sei beizubehalten. "Nur so können wir die Anforderungen erfüllen, die zu Recht immer wieder an die Wirtschaft gestellt werden: Steuern und Abgaben zahlen, Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen."

Letzteres werde allerdings immer problematischer, die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften immer schwieriger. "Hält dieser Trend an, werden uns mittelfristig Facharbeiter und langfristig Betriebsinhaber fehlen", warnte Gringel. Deshalb sei es für die Handwerksbetriebe heute wichtiger denn je, dass alle jungen Menschen die Schule ausbildungsreif verlassen. "Aus meiner Sicht wichtigster Punkt ist eine frühe Förderung, die schon im Kindergarten beginnt." Alles, was Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht lernten, müsse ihnen in Schule oder Ausbildung mit enorm großem Aufwand und erheblich höheren Kosten beigebracht werden. Weiter fordert das Handwerk, den Bildungsgang Hauptschule zu stärken. Jenseits einer bislang ideologisch befrachteten Schulformdebatte brauche das Handwerk eine deutliche Stärkung der Praxisanteile und der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen.

Gringel sieht aber auch die Betriebe in der Pflicht. Das Handwerk werde seine Nachwuchssicherung künftig mit mehr Aufwand betreiben müssen. "Wir dürfen in unseren Ausbildungsanstrengungen nicht nachlassen, sonst verbauen wir uns selbst unsere Zukunft." Deshalb appellierte Gringel an die Handwerksbetriebe, trotz aller Schwierigkeiten weiterhin Ausbildungsplätze anzubieten und sich so den Fachkräftenachwuchs rechtzeitig zu sichern. Dabei sollten auch weiterhin Jugendliche mit schwierigen Voraussetzungen eine Chance erhalten.

Die Schwierigkeit der Betriebe, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, spiegelten im vergangenen Jahr die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge wider, die von 3.073 (2008) auf 2.903 (2009) sank, bilanzierte Andreas Klaeger in seinem Jahresbericht 2009. Damit absolvieren zurzeit 8.433 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk. Ein Jahr zuvor hatte diese Zahl noch bei 8.924 gelegen. Auf Grund der Entwicklung in diesem Jahr zeigte Klaeger sich aber doch recht zuversichtlich:"Die Ausbildungsbereitschaft unsere Betriebe ist nach wie vor stark. Sie reagieren jetzt auf die demografische Entwicklung. Das zeigt die hohe Zahl offener Lehrstellen für das Ausbildungsjahr 2010, die der Arbeitsverwaltung gemeldet sind."

Als ausgesprochen erfreulich bezeichnete es Klaeger, dass die Zahl der Fortbildungsprüfungen deutlich von 378 auf 469 gestiegen sei. Einen leichten Zuwachs konnte die Kammer auch bei der Zahl der Meisterprüfungen verbuchen, sie stieg von 434 auf 456. "Das spricht dafür, dass die Bereitschaft der Arbeitnehmer, sich für interessante neue Tätigkeiten weiterzuqualifizieren, nach einer längeren Zeit der Zurückhaltung wieder gewachsen ist", kommentierte Klaeger diese Zahlen.

Von einem Plus konnte der Hauptgeschäftsführer auch bei den bei der Kammer eingetragenen Handwerksbetrieben berichten. Ihre Zahl wuchs von 15.358 (2008) auf 15.614 (2009), ein Anstieg von 1,7 Prozent. Getragen wurde dieser Zuwachs von den Betrieben der handwerksähnlichen Gewerbe (von 2.192 auf 2.254 Betriebe, 8,5 Prozent) und den zulassungsfreien Handwerksberufen (2.308 auf 2.505 Betrieb, 2,8 Prozent). Die Zahl der Betriebe, deren Führung eine Meisterprüfung voraussetzt, blieb nahezu gleich (10.858 auf 10855 Betriebe).

Der Kammerhaushalt 2009, den die Vollversammlung einstimmig billigte, belief sich auf 9,3 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte er noch bei 8,6 Millionen Euro gelegen. "Nach langen Jahren der personellen Stabilität steht die Kammer vor einem großen Umbruch. Allein in den Jahren 2010 bis 2012 verlassen 14 von 74 Mitarbeitern die Kammer aus Altersgründen. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr eine Pensionsrücklage gebildet, die den Anstieg des Haushalts erklärt." Auf diese Weise treffe die Kammer Vorsorge, mit der sie der kommenden Personalentwicklung gerecht werde, erläuterte Klaeger das Zahlenwerk, das ansonsten nahezu unverändert zum Vorjahr ausfällt.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

U3 für den Emys-Nachwuchs im SEA LIFE Speyer

, Familie & Kind, Merlin Entertainments Group Deutschland GmbH

Das Zuchtprojekt des SEA LIFE Speyer und des NABU Rheinland-Pfalz, um Europäische Sumpfschildkröten (Emys) nachzuzüchten verzeichnet beeindruckende...

Wie wollen wir Familie leben?

, Familie & Kind, SCM Bundes-Verlag gGmbH

Nachdem im Herbst 1992 die erste Ausgabe des Magazins Family erschien, veröffentlicht das Familienmagazin nun zum 25-jährigen Jubiläum eine eigene...

Bessere Unterstützung für pflegende Kinder und Jugendliche

, Familie & Kind, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bei ihrem Besuch in der Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie Berlin-Stadtmitte e.V. informierte sich Familienministe­rin Dr. Katarina...

Disclaimer