Handelskammer-Konjunkturumfrage zum Herbst 2016: Gute Geschäftslage, aber trübe Aussichten

(lifePR) ( Bremen, )
Die Wirtschaft im Bundesland Bremen sieht ihre aktuelle Geschäftslage überwiegend positiv. Besonders die Unternehmen in der Stadt Bremen geben gute Urteile ab. In Bremerhaven wird die derzeitige Lage allerdings schlechter eingeschätzt als im Sommer. Auch die Geschäftserwartungen sind im Land Bremen insgesamt schlechter: Der Konjunkturindikator der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven sinkt auf 106 Punkte im Vergleich zu 112 Punkten im vorherigen Quartal. Die Kammer hat für ihren vierteljährlichen Konjunkturreport 448 Betriebe aus Produzierendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen befragt.

Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, sagte: "Es ist positiv, dass der Investitionsrückgang im Land Bremen vorerst gestoppt ist. Zum zweiten Mal in Folge hat sich das Investitionsklima der Wirtschaft leicht verbessert. Auch die Personalpläne der Unternehmen sprechen weiterhin für einen stabilen Beschäftigungstrend. Aber wir sehen auch eine deutliche Skepsis hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten." Risiken sehen die Unternehmen in einer möglichen Abschwächung der Inlandsnachfrage sowie in weltwirtschaftlichen Entwicklungen wie etwa dem "Brexit".

Gerade die Industrie in Bremen und Bremerhaven musste in letzter Zeit erhebliche Rückschläge hinnehmen. Neben den negativen Nachrichten für die Offshore-Branche und den Schiffbau am Standort Bremerhaven sind das die erst jüngst angekündigten Werksschließungen in Bremen. "Sehr wichtig ist jetzt, dass wir mit langfristig gedachten, standortstärkenden Maßnahmen das Land Bremen für die Neuansiedlung und den Erhalt von Unternehmen attraktiver machen", betonte Dr. Fonger. "Wir brauchen mehr Investitionen in die Infrastruktur, deutlich schnellere Genehmigungsverfahren und wir müssen die Gewerbesteuern wettbewerbsfähig halten."

Zu den Branchen im Einzelnen:

Ein Drittel aller Betriebe in der bremischen Industrie meldet eine schlechtere Ertragslage, wobei sich Bremen und Bremerhaven gegenläufig entwickeln. Im Landesdurchschnitt fiel der Konjunkturindikator deutlich um 14 auf 102 Punkte. Zwar hat sich die Einschätzung der künftigen Exportnachfrage nach dem Brexit-Schock leicht erholt, ist aber immer noch verhalten. In der stadtbremischen Industrie kühlt sich die Konjunktur deutlich ab. Der Index fällt auf 103 Punkte und notiert damit deutlich unterhalb des zehnjährigen Durchschnitts von 120 Punkten. Die geplanten Werksschließungen dürften zu einer weiteren Belastung des Branchenklimas beitragen. In Bremerhaven bewerten 21 Prozent der Betriebe die aktuelle Lage als schlecht,  11 Prozent als gut. Anders als noch im Sommer erwarten sie insgesamt jedoch keine weitere Verschlechterung. Der Klimaindex liegt mit 94 Punkten über dem Wert vom Sommer (80 Punkte), jedoch unterhalb des zehnjährigen Vergleichswertes von 103 Punkten.

Nach kurzer Unterbrechung im Sommer läuft das bremische Baugewerbe wieder auf Hochtouren. 61 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre derzeitige Lage positiv.  Auch für die kommenden zwölf Monate rechnen sie mit guten Geschäften. Der Indikator liegt mit 123 Punkten deutlich über dem zehnjährigen Durchschnitt von 94 Punkten.

Die Einzelhändler bewerten ihre aktuelle Geschäftslage in Bremen und Bremerhaven in der Summe leicht positiv. Die Erwartungen der Händler an die Geschäftsentwicklung fällt in beiden Städten unterschiedlich aus. Die Bremer rechnen mit einer nachlassenden Konjunktur, die Bremerhavener mit besseren Geschäften.

Im Groß- und Außenhandel steht eine leichte Klimaeintrübung in der Stadt Bremen einer Aufhellung in Bremerhaven gegenüber. Der Binnenhandel meldet derzeit eine befriedigende Ertragslage. Die Erträge im Im- und Exportgeschäft bleiben jedoch weiter unter Druck. Die schlechteren Geschäftserwartungen zeigen sich in verhaltenen Personalplanungen.

Das Geschäftsklima in der Verkehrs- und Logistikwirtschaft hat sich deutlich abgekühlt. 34 Prozent der Unternehmen melden eine Verschlechterung der Ertragslage. In den kommenden Monaten wird insgesamt eine weitere Abkühlung erwartet. Die Branche rechnet mit weniger Investitionen.

Im Gastgewerbe hat sich die Geschäftslage leicht verbessert. Allerdings fällt der Ausblick sowohl in Hotellerie als auch Gastronomie zurückhaltend aus. Nach wie vor sehen die Betriebe Schwierigkeiten durch den Anstieg der Arbeitskosten und bei der Besetzung von offenen Stellen. Der Klimaindex klettert von 95 Punkten im Sommer auf 105 Punkte, liegt aber weiterhin unter dem zehnjährigen Mittelwert von 112 Punkten.

Aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der zunehmenden Regulierung der Kreditvergabe hat sich das Geschäftsklima im Kreditgewerbe weiter eingetrübt. Der Konjunkturindikator liegt mit 58 Punkten unter dem bisherigen Tiefstwert der vergangenen Jahre von 59 Punkten – dem Höhepunkt der damaligen Finanzkrise im zweiten Quartal 2009.

Die sonstigen Dienstleistungsbetriebe in Bremen und Bremerhaven wollen Investitionen und Personal erhöhen. Grundlage ist eine robuste Geschäftslage. Landesweit bewertet die Hälfte der Befragten die aktuelle Lage als gut. Die Geschäftserwartung für die kommenden zwölf Monate wird positiv beurteilt. Probleme befürchten die Unternehmen jedoch bei der Stellenbesetzung. 42 Prozent nennen den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko. Gefragt sind vor allem Arbeitskräfte im kaufmännischen und technischen Bereich sowie IT-Kräfte.

Den vollständigen Konjunkturreport finden Sie als PDF-Datei im Anhang sowie unter www.handelskammer-bremen.de/konjunktur.
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