Dienstag, 30. Mai 2017


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"Schwarze Schafe" unter Bankern einfangen

Wirtschaftsethik-Professor Minnameier: Ethikkodizes wenig hilfreich / Fehlverhalten von Bankern ist weniger ein moralisches als ein strukturelles Problem

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Unethisches Verhalten von Mitarbeitern aus Finanzinstituten lassen sich meist auf Fehlanreize in den unternehmensinternen Strukturen zurückführen, so Gerhard Minnameier, Professor für Wirtschaftsethik und Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt, in einem Interview im jüngsten Newsletter des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. "Wenn man sich die prominenten Fälle von Betrug anschaut, dann wurde zwar formal gegen unternehmensinterne Regeln verstoßen, aber informell hat es quasi jeder so gemacht." Insofern sei es für den Einzelnen auf der informellen Ebene gar nicht klar, welche Regeln tatsächlich gelten. Da Mitarbeiter stets nach Anerkennung strebten, hänge ihr Verhalten letztlich davon ab, wofür Unternehmen Anerkennung zollen: für den erkämpften Platz in einer kompetitiven Rangordnung oder aber für Beiträge zum Unternehmenserfolg.

Um das Verhalten von Mitarbeitern zu ändern, müssten Unternehmen eine Kultur schaffen, die auf gemeinschaftlichem Handeln zum Wohle des Unternehmens basiere, so Minnameier. Neben der Auswahl geeigneter Mitarbeiter gehe es dabei insbesondere darum, Strukturen zu schaffen, die das Teamgefühl fördern und die dafür sorgen, dass Einzelne nicht die Kooperativität ihrer Kollegen ausnutzen. "Diese Problematik kennen wir aus Spielen mit öffentlichen Gütern oder auch aus dem Gefangenendilemma: Wenn sich die einen kooperativ verhalten und es keine Sicherungsmechanismen zu deren Schutz gibt, kann es für andere vorteilhaft sein, nicht zu kooperieren", so Minnameier. Ein Arbeitgeber, der ein gemeinschaftliches Klima schaffen möchte, müsse also sicherstellen, dass "Schwarze Schafe" gegebenenfalls auffallen bzw. keine Anreize haben, die Moral der anderen zu korrumpieren.

Das Aufstellen eines Ethikkodex, der sich nicht in den faktischen, gelebten Bewertungskriterien für individuelles Handeln widerspiegelt, sei laut Minnameier dagegen weniger zielführend. Ein solcher Kodex könne allenfalls die Funktion haben, die Mitarbeiter an moralische Prinzipien zu erinnern. Diese Wirkung halte aber in der Regel nicht lange an und lasse sich auch nicht beliebig oft wiederholen.

Das komplette Interview zum Download unter: http://bit.ly/1KkUZWR

Goethe-Universität

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

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