Donnerstag, 21. Juni 2018


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Erwachsene unterschätzen die Risiken

Masernimpfung: Unwissenheit auf dem Vormarsch - Das kann bedenklich werden!

München, (lifePR) - Masern sind doch harmlos. Das denkt ein Großteil der Bevölkerung - und liegt damit falsch. Masern sind weder harmlos noch sind sie eine reine Kinderkrankheit. Auch von der aktuellen Masern-Mumps-Röteln-Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission STIKO für die nach 1970 geborenen Erwachsenen haben die Wenigsten etwas gehört! Die Ansteckungsgefahr ist jedoch aufgrund bestehender Impflücken für Erwachsene besonders hoch. Trotzdem ist die Impfbereitschaft, gerade in dieser Risikogruppe, nicht sehr hoch.

Die Viren sollte man jedoch nicht unterschätzen! Denn sie sind hoch ansteckend. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, wobei dies über eine Entfernung von mehreren Metern hinweg möglich ist. Hat eine ungeschützte Person Kontakt mit einem Maserninfizierten, führt dies in 95% der Fälle zu einer Übertragung.[1]

Immer öfter erwischt es junge Erwachsene

In den letzten Jahren trifft die Masernerkrankung neben Kindern im Vergleich zu früher nun auch häufiger jüngere Erwachsene. Inzwischen ist fast jeder fünfte Erkrankte über 20 Jahre alt. "Seit 2006 verzeichnet das Robert Koch-Institut wieder eine Zunahme der Masernfälle speziell bei Erwachsenen, die zwischen 1970 und 1990 geboren sind",[2] weiß der Impfspezialist Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein, Facharzt für Allgemein- und Tropenmedizin und Arzt für Naturheilverfahren. Mangelt es also an einer ausreichenden Aufklärung oder woran liegt der verzeichnete Erkrankungsanstieg bei Erwachsenen? "Es liegt daran, dass sich die Impfung nach 1970 nur langsam durchgesetzt hat und anfangs nur eine Impfung verabreicht wurde." Heute weiß man es besser: "Die zweite Impfdosis", so Schrader-Beielstein, "ist im Fall der Masern keine Auffrischungsimpfung, sondern ein Muss - falls die erste Impfdosis keine ausreichende Immunantwort provoziert hat."

So wird das nichts!

Bereits für das Jahr 2010 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Ziel die Masern weltweit zu eliminieren, wobei sich die Terminvorgaben als unhaltbar erwiesen. Auch die aktuelle Frist - 2015 - wird aller Voraussicht nach erfolglos verstreichen. Europaweit ist sogar eine Zunahme der Masernfälle zu verzeichnen: Seit 2008 hat sich die Zahl gemeldeter Fälle vervierfacht! In Deutschland schwankt die Anzahl der Masernerkrankungen stark. Im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der gemeldeten Fälle gegenüber 2010 mehr als verdoppelt (Tab. 1). Im Jahr 2012 wurden 167 Erkrankungsfälle gemeldet (Stand: 9. Januar 2013), wobei trotz Meldepflicht von einer zusätzlichen Dunkelziffer auszugehen ist. Um die Elimination der Masern bis 2015 erreichen zu können, hätten aber schon 2012 nicht mehr als 82 Masernfälle auftreten dürfen. Denn laut Definition für eine Eliminierung der Masern muss die Erkrankungsrate drei Jahre in Folge unter 0,1 pro 100.000 Einwohner liegen, also für Deutschland bei 82 Erkrankungen.

Die Tücke mit der Lücke

Mehrfach kam es in den letzten Jahren auch in Deutschland zu lokalen Epidemien. Der Grund dafür sind die vorhandenen Impflücken. 95 Prozent der Bevölkerung müssten immun sein, damit die Masernviren nicht zirkulieren können. Da hierzulande keine Impfpflicht besteht, liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich impfen zu lassen. Doch nur, wer über fundierte Informationen zum Thema verfügt, kann eine sinnvolle Entscheidung treffen. Oft ist genau das ein großer Hinderungsgrund, denn junge Erwachsene bekunden häufig eine unzureichende Impfaufklärung.[3]

Rote Punkte - und was noch?

Die Wissenslücken betreffen auch die Masern selbst. Sie werden oftmals unterschätzt und die Erkrankung wird als harmlos eingestuft. Dabei sind Komplikationen keineswegs selten. So mussten 20 Prozent der Patienten, die von Mitte 2011 bis Mitte 2012 europaweit an Masern erkrankten, wegen Komplikationen stationär behandelt werden.[4] Masernviren können Mittelohr, Lunge oder auch Gehirn befallen und eventuell zu lebensbedrohlichen Entzündungen führen. Die Wahrscheinlichkeit solcher Komplikationen nimmt mit steigendem Alter zu. Bei Erwachsenen kommt es daher nicht selten zu schweren Infektionen. Eine seltene, aber schwere Spätfolge ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine schleichende Zerstörung der Gehirnzellen. Sie tritt mit einer Verzögerung von einigen Jahren besonders bei Kindern auf, die vor ihrem zweiten Lebensjahr eine Maserninfektion durchgemacht haben und verläuft leider ausnahmslos tödlich.

Masern-Mumps-Röteln-Impfung: drei auf einen Streich

Geimpft werden sollte bevorzugt mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Speziell Frauen im gebärfähigen Alter beseitigen so mehrere Risiken auf einen Streich, da eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft zu schweren Komplikationen beim ungeborenen Kind führen kann. Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Masern-Mumps-Röteln-Impfung bis zum 18. Lebensjahr sowie für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, bei denen der Impfstatuts unklar ist bzw. die bisher nicht geimpft oder in der Kindheit nur einmal geimpft wurden.

[1] www.kinderaerzte-im-netz.de
[2] Robert Koch-Institut, http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html
[3] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (2012): "Deutschland sucht den Impfpass!", siehe unter: http://www.impfen-info.de/impfpass
[4] European Centre for Disease Prevention and Control, Stockholm, (2012): "Measles and rubella monitoring"

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