Sonntag, 24. September 2017


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Spaß und Sport auch bei Asthma

Eberswalde, (lifePR) - Fröhlich und unbeschwert sind die Kinder, die sich dieser Tage zu einer Schulung im Eberswalder Werner Forßmann Krankenhaus getroffen haben. Damit sie sich immer so wohl fühlen können, lernen sie den Umgang mit ihrer Krankheit. Sie gehören zu den etwa sechs Prozent aller Jugendlichen in Deutschland, die an Asthma bronchiale erkrankt sind. Grob gerechnet ist das durchschnittlich pro Schulklasse ein Kind – mit steigender Tendenz. Zweimal jährlich lädt die Kinderklinik junge Asthmapatienten und ihre Eltern zu einem viertägigen Kurs in das Krankenhaus ein.

„Asthma ist nicht heilbar, aber durch Medikamente und durch gezieltes Verhalten gut beherrschbar“, erklärt Chefarzt Dr. Dieter Hüseman das Anliegen. „Die Kurse tragen zum besseren Verständnis der Krankheit bei und vermitteln viele praktische Anleitungen und Tipps.“ Der erfahrene Facharzt leitet die Eberswalder Kinderklinik, die als pädiatrischer Schwerpunkt-Versorger kompetente Anlaufstelle bei allen akuten und chronischen Erkrankungen des Kindesalters in der Region ist.

Ausgewiesene Spezialisten wie Oberarzt Dr. Thomas Schinkel und die angehende Kinderärztin Dr. Franziska Ewest, die den aktuellen Kurs leitet, geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen gern an ie Kinder und Eltern weiter. Auch die Leiterin der Physio- und Ergotherapie des Krankenhauses, Jenny Beyer, und Kinderkrankenschwester Heike Heinze sowie der Psychologe Ralf Weber wirken bei der Asthmaschulung mit.

An Grafiken und Modellen wird erklärt, wie Asthma entsteht. Auslöser können Infekte, Allergene und andere Stoffe, Arzneimittel und vieles mehr sein. Typische Zeichen sind zum Beispiel ständiger Hustenreiz, pfeifende Geräusche bei der Atmung, ein Engegefühl in der Brust, zäher Schleim und auch Atemnot.

„Man stelle sich vor, nach schnellem Laufen oder Treppensteigen außer Puste zu sein und plötzlich nur noch wie durch einen Strohhalm ein- und ausatmen zu können. So etwa erleben die Kinder die Atemnot bei einem Asthmaanfall“, erklärt Dr. Franziska Ewest. „Die Luftknappheit kann sich wie ein Panzer um die Brust legen und Erstickungsangst auslösen.“ Zwar kommt der Mensch einige Tage ohne Wasser und Nahrung aus, aber nur Minuten ohne Luft. Deshalb ist Atemnot immer mit einem Gefühl existentieller Bedrohung verbunden. Die Kinder lernen, sich bei einem anbahnenden Asthmaanfall bewusst zu entspannen und Atemtechniken einzusetzen wie die sogenannte Lippenbremse – das Ausatmen durch verengt zusammengepresste Lippen, was man ganz wunderbar beim Seifenblasenmachen üben kann.

„Wir zeigen den Kindern auch, wie man das Peakflowmeter einsetzt, ein einfaches Messgerät, das eine regelmäßige Selbstkontrolle ermöglicht und akute Verschlechterungen schnell erkennen hilft“, sagt Dr. Franziska Ewest. „Auch zur richtigen Anwendung von Inhalationssprays geben wir den Kindern und ihren Eltern Hinweise.“ 

Für den Betrachter verhalten sich die jungen Gruppenteilnehmer bei Bewegungsspielen nicht anders als Kinder ohne Asthma. „Man hat Schüler mit Asthma früher oft vom Sportunterricht befreit“, sagt Physiotherapeutin Jenny Beyer. „Jedoch verbessert körperliches Training ganz klar die Lungenfunktion. Nur müssen die Kinder, ihre Eltern, Lehrer und Trainer dabei einige Dinge beachten – zum Beispiel plötzliche Belastungen vermeiden, die Aufwärmphase einhalten, keine Maximalleistungen abverlangen, immer ein Akutspray bereithalten und anderes mehr. Einer der vier Schulungstage ist ein umfangreicher Sporttag, an dem wir auch die Schwimmhalle besuchen. Die Kinder lernen, das neue Wissen bei Belastung oder veränderten Situationen umzusetzen.“

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit Asthma reagiert auf Auslöser wie Hausstaubmilben, Allergene von Katzen und Hunden sowie Pollen. Auch dies muss beachtet werden, um den Kindern ein möglichst reizstoffarmes Umfeld zu bieten.

„Unsere Erfahrungen mit der Asthmaschulung sind ausgezeichnet“, sagt Dr. Thomas Schinkel. „Wir vermeiden damit Notfälle und Krankenhausaufenthalte und können helfen, Beschwerden zu vermindern. Außerdem haben die Kinder und auch wir selbst dabei immer Spaß. Die gute Stimmung und gemeinsame Erfahrung wirkt sich ebenfalls stabilisierend auf die Kinder aus.“

Spezialisierte Arztpraxen arbeiten eng mit der Klinik eng zusammen, um Kindern mit Asthmasymptomen eine umfassende Diagnostik und individuelle Behandlung zu ermöglichen. Kompetenzverstärkend wirkt die Kooperation von Pneumologen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen im Netzwerk für Lungenerkrankungen Nordost-Brandenburg, das im Herbst vergangenen Jahres gegründet wurde.

„Wir haben insbesondere seit 1990 eine Zunahme an Asthmaerkrankungen und auch an Allergien im Osten Deutschlands beobachtet und damit eine Entwicklung nachvollzogen, die sich im Westen schon seit den 1960er Jahren abzeichnet“, sagt Dr. Christoph Arntzen, Lungenfacharzt aus dem Krankenhaus Angermünde, der das Netzwerk koordiniert. „Zu den Ursachen gibt es viele Vermutungen, unter anderem die zunehmende Verstädterung, die abnehmende Familiengröße, die Verlagerung von Freizeitaktivitäten nach drinnen, Ernährungsgewohnheiten und anderes mehr. Eindeutig belegt sind diese vermuteten Zusammenhänge jedoch bisher nicht.“

Kinderarztpraxen und Pneumologen sind erste Ansprechpartner für Eltern, deren Kinder unter Asthma leiden. Eine Asthmaschulung im Werner Forßmann Krankenhaus kann jederzeit beantragt werden. Die Kurse entsprechen den Anforderungen des von den Krankenkassen finanzierten Disease-Management-Programms „Asthma bronchiale“. Davon ausgehend wurde für den Kurs ein Stundenplan erarbeitet, der aktive und theoretische Stunden enthält. Für die Kurstage werden die Kinder vom Schulunterricht freigestellt. Anmeldungen sind telefonisch möglich im Sekretariat der Kinderklinik unter 03334 69-2230.

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