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Pressemitteilung BoxID: 391335 (GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.)
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Umweltschonendes Wohnen muss für den Mieter bezahlbar und für den Vermieter wirtschaftlich sein

GdW legt Energieprognose 2050 vor

(lifePR) (Berlin, ) Die Wohnungswirtschaft hat unter Mitwirkung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) die Energieprognose bis zum Jahr 2050 erarbeitet. Die gute Botschaft ist, dass durch die enormen Anstrengungen der Wohnungsunternehmen im Bereich Energieeffizienz ein wichtiges Teilziel erreicht werden kann: Die Wohnungswirtschaft wird ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um 83 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 reduzieren und damit das ursprüngliche Ziel des nationalen Klimaschutzprogramms 2005 - eine Minderung von 60 bis 80 Prozent - sogar übererfüllen.

Dennoch bleibt - trotz des vorbildlichen Engagements der Wohnungswirtschaft - am Ende eine Lücke: Der absolute Primärenergieverbrauch des Wohnungsbestandes der GdW-Unternehmen kann von 2005 bis 2050 um 62 Prozent gemindert werden - Ziel des Energiekonzeptes von 2010 sind jedoch 80 Prozent Minderung. Dieses Ergebnis der Energieprognose zeigt, dass selbst die Wohnungs- und Immobilienunternehmen als bundesweite Vorreiter bei der energetischen Sanierung aus heutiger Sicht die anspruchsvollen Ziele der Bundesregierung also nicht ganz erreichen können.

"Die Wohnungswirtschaft setzt sich seit Jahren erfolgreich für den Klimaschutz und die Senkung des Energiebedarfs ihrer Gebäude ein. Die Energieprognose 2050 für die Wohnungswirtschaft, die unter Mitwirkung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) erstellt wurde, zeigt auf, wie der Weg im Rahmen des Sanierungsfahrplans und der Energieziele der Bundesregierung in punkto Energieeffizienz in Gebäuden weitergehen muss", erklärte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, bei der Präsentation der Energieprognose seines Verbands gemeinsam mit der dena. "Die GdW-Prognose zeigt aber auch, dass zur Erreichung der energiepolitischen Ziele für den Gebäudebestand dringend politisch nachjustiert werden muss - insbesondere durch eine Verstetigung und Aufstockung der Förderung", betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. Denn umweltschonendes Wohnen müsse sowohl für den Mieter bezahlbar als auch für den Vermieter wirtschaftlich sein, ergänzte der GdW-Chef.

Die Energieprognose der Wohnungswirtschaft ist Teil der umfassenden Strategie der Wohnungswirtschaft zur Umsetzung der Energiewende, wie der GdW sie im November 2012 vorgelegt hat. Im Rahmen der Energieprognose 2050 sieht die Wohnungswirtschaft eine Reihe von Bausteinen vor, die gleichzeitig und gleichwertig umgesetzt werden müssen: Gebäude sollen durch umfassende Modernisierungen und Teilmaßnahmen effizienter gemacht, Anlagentechnik erneuert und optimiert, Energieträger hin zu erneuerbaren Energien gewechselt und dekarbonisiert, und Energieeinsparung beispielsweise durch die Anpassung des Nutzerverhaltens organisiert werden.

Bereits seit Jahren nehmen die Wohnungsunternehmen ihre Verantwortung in diesem Bereich des Klimaschutzes wahr und engagieren sich erfolgreich in der Senkung des Energiebedarfs ihrer Gebäude: Von 1990 bis 2011 haben die Wohnungs- und Immobilienunternehmen rund 62 Prozent ihrer Wohnungen energetisch modernisiert. "Die GdW-Wohnungswirtschaft ist dem Markt bei der energetischen Sanierung um sieben Jahre voraus", sagte der GdW-Chef. Die Wohnungsunternehmen im GdW sind bei der energetischen Sanierung ihrer Gebäudebestände bundesweit Vorreiter: Über 34 Prozent der Wohnungen haben sie energetisch vollständig modernisiert, das heißt einschließlich Wärmedämmung, und weitere ca. 28 Prozent energetisch teilmodernisiert. Seit 1992 haben die Wohnungsunternehmen 167 Milliarden Euro in ihren Gebäudebestand investiert. "Erst im Jahr 2019 wird der Gesamtmarkt energetisch das erreicht haben, was bei den Beständen der GdW-Unternehmen im Durchschnitt bereits heute Realität ist", erklärte Gedaschko.

Wie können wir die Ziele der Bundesregierung zur Senkung des Primärenergieverbrauchs noch erreichen?

"Um diese Lücke zu schließen, darf es jedoch keinesfalls noch höhere Anforderungen bei der Modernisierung der bestehenden Gebäude geben", mahnte Gedaschko. Noch höhere Vorgaben bei der Energieeinsparverordnung würden deutlich höhere Investitions- und Modernisierungskosten nach sich ziehen und sich unmittelbar in höheren Bruttowarmmieten nach der Modernisierung auswirken. "Ist die entsprechende Mietzahlungsfähigkeit nicht vorhanden - und das ist bei einer steigenden Zahl von Haushalten mit niedrigen bis durchschnittlichen Einkommen der Fall - dann unterbleibt die energetische Modernisierung in diesem Segment, und damit für die größte Zahl der Mieter", so der GdW-Chef. "Mit höheren Energieeinspar-Anforderungen würden die Ziele der Bundesregierung also in noch deutlich weitere Ferne rücken."

Das mit Abstand größte Potenzial für noch mehr Energieeinsparung im Gebäudebereich liegt weder bei der Tiefe der energetischen Modernisierung noch der Neubauanforderung, sondern in der Anzahl der modernisierten Gebäude und insbesondere in der Dekarbonisierung von leitungsgebundener Energie. "Einen deutlichen Effekt hätte es, den Anteil von CO2 bei der Erzeugung von leitungsgebundener Energie - also Fernwärme - zu reduzieren. Denn rund die Hälfte aller Wohnungen der GdW-Unternehmen - also rund drei Millionen Einheiten - werden mit Nah- und Fernwärme beheizt", betonte der GdW-Chef. Könnte man Fernwärme praktisch ohne den Einsatz fossiler Energien zur Verfügung stellen, dann würde sich die Erreichung der Ziele für die Primärenergie bis 2050 um ganze 14 Prozent verbessern. Mit insgesamt 76 Prozent Primärenergieeinsparung von 2005 bis 2050 würden die Ziele der Bundesregierung dann nahezu erfüllt. Die CO2-Emissionen könnten sogar um 85 Prozent im Vergleich zu 2005 gemindert werden.

"Wenn die Energieeinspar-Ziele der Bundesregierung - wenn nicht komplett, so jedoch nahezu - erreicht werden sollen, müssen alle Bausteine der Energieprognose 2050 gleichzeitig und gleichermaßen umgesetzt werden", betonte der GdW-Präsident. Für eine erfolgreiche Umsetzung durch die bereits stark engagierte Wohnungswirtschaft seien jedoch folgende politische Anpassungen und Korrekturen notwendig: "Bei der Energieeinsparung im Gebäudebereich dürfen keine neuen Hemmnisse geschaffen und bestehende müssen beseitigt werden", so Gedaschko. Dazu sollte das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in die Energieeinsparverordnung (EnEV) integriert werden. Bei Energiepreisen sei mehr Transparenz für bessere Vergleichbarkeit nötig. Darüber hinaus scheitere der Betrieb von Blockheizkraftwerken zur Wärmeversorgung für einen Teil der Wohnungsunternehmen daran, dass die damit verbundene ganz normal steuerpflichtige Stromerzeugung zum Verlust der "gewerbesteuerlichen erweiterten Kürzung" im Bereich der Vermietung führt. "Das ist für die Unternehmen so unattraktiv, dass sie dann auf Energieerzeugung ganz verzichten. Exakt das Gleiche gilt für Photovoltaikanlagen", erklärte Gedaschko.

"Es sollten darüber hinaus mehr Objekte in die energetische Modernisierung gelangen ", stellte der dena-Chef fest. Dazu sei eine umsichtige und planbare Weiterentwicklung der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen, vor allem aber auch der Förderprogramme notwendig. "Unbedingt muss das sehr erfolgreiche KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm bis 2020 verstetigt werden, damit Eigentümer langfristig planen und Handwerk und Industrie die Kapazitäten für die Gebäudesanierung aufbauen können. Und die steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen in energieeffiziente Gebäude muss endlich kommen. Hier ist eindeutig eine große Chance vertan worden, den Sanierungsmarkt in Schwung zu bringen. Der Streit diesbezüglich zwischen der Bundesregierung und den Bundesländern sollte endlich beigelegt werden", so Kohler.

Auch die Stärkung der Energieberatung und der Aufbau qualifizierter Expertenlisten sind aus Sicht der dena wichtige Elemente zur Erreichung der Ziele für den Gebäudebestand. Zudem sei eine klare, verständliche Kommunikation erforderlich, um Mieter auch über die Vorteile der energetischen Sanierung zu informieren. Kohler weiter: "Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um die Ziele 2050 erreichen zu können. Mit der GdW-Energieprognose 2050 steht nun eine belastbare Basis zur Verfügung, mit der die Wohnungswirtschaft regelmäßig über die Fortschritte bei der Energiewende im Gebäudebereich informieren kann. Klares Ergebnis der Prognose ist, dass im Sinne aller Eigentümergruppen jetzt die Rahmenbedingungen so verbessert werden müssen, dass die Gebäudesanierung in der Breite an Fahrt gewinnt."

Primärenergieverbrauch:

Der Betrieb eines Gebäudes benötigt Energie in verschiedenen Formen, beispielsweise für die Heizungsanlage und die Warmwasserbereitung, eine Lüftungsanlage und weitere Geräte. Um den gesamten Energiebedarf zu ermitteln, ist es aus Umweltgesichtspunkten nicht sinnvoll, die für die genannten Zwecke aufgewandte Endenergie zu summieren, da je nach Art der Endenergie unterschiedliche Mengen von Primärenergie benötigt werden. Aussagekräftiger ist der Primärenergiebedarf (angegeben in kWh/(m2a) = Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr), für den jede Menge von Endenergie mit einem Primärenergiefaktor multipliziert wird, bevor alle Werte addiert werden. Der Primärenergiefaktor kann größer als 2 sein für elektrische Energie (aufgrund der hohen Energieverluste bei der Stromerzeugung) oder auch kleiner als 1 bei Holzpellets – sogar Null, wenn kostenlose Umweltwärme genutzt wird.

Der Primärenergieverbrauch ist (beim derzeitigen Energiemix) ein deutlicher Indikator für den Verbrauch von Ressourcen und die Verursachung von Treibhausgasemissionen. Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien trägt zum Klimaschutz und zur Ressourceneinsparung bei. In Deutschland soll der Primärenergieverbrauch gemäß dem Energiekonzept der Bundesregierung bis 2050 um 50 Prozent sinken.

Dekarbonisierung:

Die heute stark verwendeten fossilen Energieträger sind alle mehr oder weniger kohlenstoffhaltig, weswegen bei ihrer Verbrennung Kohlendioxid entsteht, welches in aller Regel in die Atmosphäre entlassen wird. Der steigende (und jetzt schon erheblich angestiegene) Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre erzeugt nach vorherrschender wissenschaftlicher Ansicht große Klimagefahren. Deswegen liegt es nahe, im Sinne einer Klimaschutz-Strategie den Einsatz kohlenstoffhaltiger Energieträger so weit wie möglich zurückzudrängen. Von Seiten der Technologie kommen für eine solche Dekarbonisierung diverse Strategien in Betracht:

Eine gesteigerte Energieeffizienz (etwa durch verbesserte Wärmedämmung von Gebäuden, leichtere und effizientere Fahrzeuge, etc.) kann den Einsatz von Energieträgern vermindern, soweit ihr Effekt nicht durch Rebound-Effekte zunichte gemacht wird. Kohlenstoffhaltige Energieträger können durch kohlenstoffarme oder -freie ersetzt werden, z.B. durch erneuerbare Energien. Eine deutliche Kohlenstoff-Reduktion wird z.B. auch erzielt, wenn besonders kohlenstoffhaltige Energieträger wie Kohle ersetzt werden durch kohlenstoffärmere wie Erdgas.

Quelle: http://www.energie-lexikon.info/

Die Energieprognose steht auf www.gdw.de zum Download bereit.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deut-scher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossen-schaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie be- wirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.