Mittwoch, 25. April 2018


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GdW-Präsident Axel Gedaschko beim Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel - Energiewende muss sozialverträglich umgesetzt werden

Berlin, (lifePR) - Anlässlich eines Treffens der zentralen Akteure der Energiewende aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und Wissenschaft vertrat GdW-Chef Axel Gedaschko die Interessen der Wohnungswirtschaft und stellte die Strategie der Wohnungswirtschaft für eine sozialverträgliche Umsetzung der Energiewende im Gebäudebereich vor.

"Mehr Klimaschutz und höhere Energieeffizienz durch immer höhere Anforderungen an die Modernisierung von Gebäuden - die Umsetzung dieses Vorhabens stößt zunehmend an ihre wirtschaftlichen und sozialen Grenzen", so der GdW-Chef. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, sanieren wir uns die letzten günstigen Wohnungsbestände systematisch weg. Damit werden sowohl Mieter als auch Vermieter vor unlösbare Probleme gestellt. Angesichts der hohen Kosten im Zuge der Erfüllung energetischer Anforderungen muss sichergestellt werden, dass wir auch in Zukunft gerechtes und sicheres Wohnen für breite Schichten der Bevölkerung anbieten können."

Obwohl die vom GdW vertretene Wohnungswirtschaft im Vergleich zu anderen Wettbewerbern vier Mal so viel modernisiert, bleibt am Ende eine Lücke: Der absolute Primärenergieverbrauch des Wohnungsbestandes der GdW-Unternehmen kann von 2005 bis 2050 um 62 Prozent gemindert werden - Ziel des Energiekonzeptes von 2010 sind jedoch 80 Prozent Minderung. "Dieses Ergebnis der Energieprognose zeigt, dass selbst die Wohnungs- und Immobilienunternehmen als bundesweite Vorreiter bei der energetischen Sanierung aus heutiger Sicht die anspruchsvollen Ziele der Bundesregierung also nicht ganz erreichen können", so Gedaschko.

Damit die politischen Klimaschutzziele sowohl sozial gerecht für die Mieter und als auch wirtschaftlich tragbar für die Bauherren und Vermieter erfüllt werden können, ist deshalb eine ganzheitliche Betrachtung notwendig: Im Bereich Energieeffizienz darf der Blick nicht auf das Einzelgebäude beschränkt bleiben, sondern muss das ganze Quartier abdecken. Über den Wärmeverbrauch hinaus muss auch der Stromverbrauch berücksichtigt werden. Im Bereich Klimaschutz muss über Deutschland hinaus ein globales Denken einsetzen und über den Klimaschutz hinaus auch die Klimaanpassung eine zentrale Rolle spielen. "Energieeffizienz ist mehr als die Erfüllung von Energieeinspar-Anforderungen", so der GdW-Chef.

Dazu benennt die GdW-Energiestrategie neun konkrete Punkte, die unter der Maßgabe der Wirtschaftlichkeit umzusetzen sind. Für einen Erfolg der Strategie müssen alle neun Punkte umgesetzt werden und ineinander greifen:

- Gebäude effizienter machen: Je nach Gebäudestandard sind entweder umfassende energetische Modernisierungsmaßnahmen ganzer Objekte oder Teilmodernisierungen von Bauteilen notwendig. Hier sind Anreize erforderlich - Zwang ist kontraproduktiv.

- Anlagentechnik effizienter machen: Anlagen, insbesondere Heizungen, müssen modernisiert und im laufenden Betrieb optimiert werden. Pflichten zum Einsatz bestimmter Techniken sind kontraproduktiv.

- Erneuerbare Energien nutzen: Bei der Energieversorgung von Gebäuden muss ein Energieträgerwechsel - d. h. Veränderungen in der Energieträgerstruktur stattfinden. Energieträger sind, beispielsweise durch die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien nicht nur bei der Stromerzeugung, zu dekarbonisieren. Im Wärmebereich muss dies für Gasnetze und Fernwärme unterstützt werden.

- Energieeinsparung organisieren: Um den Energieverbrauch in Wohngebäuden nachhaltig zu reduzieren, ist ein angepasstes Verhalten der Nutzer - also der Mieter - zu fördern. Raumweise Regelungen müssen kostengünstiger und ergonomischer werden und benötigen eine größere Marktdurchdringung.

- Quartiere integriert betrachten: Zentraler Punkt der Strategie ist, dass Energieeffizienz über das Einzelgebäude hinaus für das gesamte Quartier gedacht werden muss. Gebäudebezogene Ziele dürfen nicht eindimensional immer höher geschraubt, sondern zusätzlich müssen quartiersbezogene und gesamtstädtische Maßnahmen hinsichtlich ihrer Resultate für Energieeffizienz und Klimaschutz berücksichtigt werden. Ziel der Bemühungen muss immer die Bereitstellung bezahlbarer, ressourcenschonender und qualitätsvoller Wohnungen sein. Entsprechend muss das gesamte Rechtssystem an diese neue Betrachtungsweise angepasst werden.

- Energie dezentral erzeugen: Strom wird zukünftig häufiger gebäudeintegriert erzeugt. Hier sind bestehende Hemmnisse für dezentrale Energieerzeugung durch Wohnungsunternehmen im Steuer- und Energiewirtschaftsrecht zu beseitigen und es dürfen keine neuen entstehen.

- Energie speichern: Die in den Wohnquartieren dezentral erzeugte Energie kann zeitversetzt genutzt werden, was zu einer Entlastung der Netze beitragen kann. Entsprechende Konzepte müssen entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden.

- CO2-Emissionen ausgleichen: Klimaschutz ist ein weltweites Problem, das nicht durch unwirtschaftlich hohe Anforderungen an Gebäudeeffizienz in Deutschland zu lösen ist. Vor Ort ist alles wirtschaftlich und sozial Verträgliche zur Reduktion des Energieverbrauchs zu tun, was gleichzeitig dem Klimaschutz dient. Durch freiwillige Lösungen im globalen Zusammenhang, wie z.B.CO2-Bindung durch Aufforstung, kann Zeit für die Gebäudesanierung gewonnen und mit einem Bruchteil des Geldes für weitere Maßnahmen in der Summe mehr zum Klimaschutz beigetragen werden.

- Klimaänderungen berücksichtigen: Es wird zukünftig notwendig sein, auf den messbaren und zukünftig weiter zu erwartenden Klimawandel auch baulich zu reagieren. Klimaanpassungsmaßnahmen in Gebäuden, etwa zum Schutz vor Sonne, können genau wie Klimaschutzmaßnahmen Modernisierungskosten verursachen, die vom Mieter zu tragen sind. Sie werden zukünftig oft zusätzlich zu Klimaschutzmaßnahmen getätigt. Um Haushalte mit niedrigen Einkommen nicht zu überlasten, müssen sozialverträgliche Maßnahmen ergriffen werden, insbesondere solche, die unabhängig von der genauen Ausprägung des Klimawandels nützlich und wirtschaftlich sind - so genannte "No Regret-Maßnahmen".

Damit die Energiewende im Wohngebäudebereich anhand der Energiestrategie der Wohnungswirtschaft sozialverträglich umgesetzt werden kann, muss generell gewährleistet sein, dass alle ergriffenen Maßnahmen wirtschaftlich sind. Auf den Energiemärkten muss ein funktionierender Wettbewerb und Kostentransparenz hergestellt werden. Forschung und Entwicklung müssen gestärkt und finanziell unterstützt werden, Miet- und Steuerrecht, Energieeinsparrecht und Fördermittel müssen planbar sein und bestehende Hemmnisse für die dezentrale Energieerzeugung durch Wohnungsunternehmen beseitigt werden.

Die ausführliche GdW-Strategie finden Sie hier.

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