Montag, 11. Dezember 2017


  • Pressemitteilung BoxID 477526

Neubewertung und Umverteilung von Arbeit notwendig

Potsdam, (lifePR) - Anlässlich des diesjährigen Equal Pay Day am 21. März fordert der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg e.V. eine neue gesellschaftliche Debatte über die Bewertung und Verteilung von Arbeit und die Überwindung der mit einer hierarchischen Arbeitsteilung einhergehenden sozialen Spaltungen. "Zwar ist der unbereinigte Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Brandenburg mit neun Prozent deutlich geringer als der bundesdeutsche Durchschnitt von 22 Prozent. Doch auch hier gilt: Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, werden schlechter bezahlt; Frauen bleiben mehrheitlich in Teilzeitarbeit und Minijobs stecken und erwirtschaften dadurch kein existenzsicherndes Einkommen und keine eigenständige Altersvorsorge. Und Frauen übernehmen weiterhin unsichtbar und unentgeltlich einen Großteil der gesamten Breite von Sorge- und Pflegetätigkeiten von der Kindheit bis zum Alter. Das muss sich ändern", so Petra Meyer, 2. Sprecherin des Frauenpolitischen Rates.

Notwendig sind deshalb Verdienste, die die eigenständige Existenz sichern und Altersvorsorge ermöglichen. Der Minijob mit seinen Dumpinglöhnen muss mit gleichen Rechten und Pflichten wie andere Teilzeitarbeit auch behandelt werden.

Notwendig ist aber auch eine Verkürzung der Normalarbeitszeit und die Umverteilung von Arbeit. Während die einen von ihrer Lohnarbeit nicht leben können, in Erwerbslosigkeit und Prekarität gedrängt werden, arbeiten die anderen immer länger. Den einen fehlt es an der materiellen, den anderen an der zeitlichen Absicherung für politisches und soziales Engagement, kulturelle Teilhabe, Muße für sich und andere.

Darüber hinaus ist die Arbeitsteilung in Deutschland geschlechtsspezifisch verfestigt. Immer noch verbringen Frauen doppelt so viel Zeit mit der Hausarbeit und vier Mal so viel Zeit mit ihren Kindern als ihre männlichen Partner. Deshalb sind es mehrheitlich Frauen, die neben ihrer Lohnarbeit Sorgeverpflichtungen übernehmen und bei längeren und flexibilisierten beruflichen Arbeitszeiten an die Grenzen ihrer Kräfte kommen.

Besonders prekär ist die Situation für Migrantinnen. Sie werden als Frauen aufgrund des gender pay gaps nicht nur schlechter bezahlt, sondern erfahren darüber hinaus rassistische Diskriminierungen am Arbeitsmarkt: Die Nicht‐Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen und schlechtere Bewerbungschancen aufgrund strukturellen Rassismus' verhindern ihre ausbildungsadäquate Beschäftigung. Sie sind doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen und überproportional in atypischen Beschäftigungsverhältnissen zu finden.

Der Frauenpolitische Rat fordert deshalb:

- Abbau von Diskriminierungen am Arbeitsmarkt
- Überwindung der traditionell schlechteren Bewertung und prekären Ausgestaltung von sogenannten Frauenberufe
- Gesetzliche Regelungen zur Durchsetzung der Entgeltgleichheit
- Gesetzlicher Mindestlohn als Lohnuntergrenze, weil Frauen besonders häufig für Dumpinglöhne arbeiten müssen
- Soziale Absicherung aller Arbeitsverhältnisse, um alle Arbeitnehmer_innen bei der Durchsetzung ihres Anspruches auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall u.v.a.m. zu unterstützen
- Lebensverlaufsgerechte Arbeitszeiten, die Raum und Zeit für gesellschaftliche Teilhabe und Sorgearbeit lassen und ein Existenz sicherndes Einkommen gewährleisten
- Neubewertung von Arbeit nicht nur nach einer betriebswirtschaftlichen Wertschöpfungslogik gemessen werden, sondern auch an sozialen und ökologischen Werten
- Abschaffung der Restriktionen beim Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge
- Anerkennung der Qualifikationen und Ressourcen von Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen

Aktionen

Am 21.03.2014 um 10 Uhr nimmt die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Sabine Hübner, berufliche Wunschzettel entgegen, die vor dem Regine-Hildebrandt-Haus (Haus 5), Heinrich-Mann-Allee 103, Potsdam, in der roten Tasche als Symbol für die roten Zahlen in den Geldbörsen von Frauen und an Luftballons gen Himmel steigen werden.

Deutscher Gewerkschaftsbund, Deutscher Frauenrat & Sozialverband Deutschland rufen auf zu einer gemeinsamen Kundgebung von 12 bis 14 Uhr am Brandenburger Tor, 10117 Berlin, Pariser Platz.

Frauenpolitischer Rat Land Brandenburg e.V.

Der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg e.V. ist der als gemeinnützig anerkannte Zusammenschluss von 21 Frauenverbänden, -organisationen und -vereinen sowie Frauengruppen der Gewerkschaften, Kirchen und Parteien im Land Brandenburg. Das überparteilich und überkonfessionell arbeitende Gremium vertritt die Interessen von rund 150.000 organisierten Frauen gegenüber Parteien, Gremien, der Landes- und Bundesregierung und der Verwaltung. Ziel des Frauenpolitischen Rates ist die Verbesserung der Situation von Frauen im Arbeitsleben, in der Politik und in ihrem gesamten sozialen Umfeld.

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