Donnerstag, 21. September 2017


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Dunkel war's, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

Berlin, (lifePR) - Selbst ausgewiesene dunkle Orte wie Sternenparks sind nicht überall so frei von Lichtverschmutzung wie bisher angenommen. Wissenschaftler der Forschungsverbünde Loss of the Night und STARS4ALL beschäftigen sich seit Jahren mit den ökologischen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Lichtverschmutzung. Nun konnten sie mit einer einfachen Messmethode zeigen, wie stark die Lichtverschmutzung über den gesamten Nachthimmel verteilt ist.

Frühere Studien wie der „Weltatlas der Lichtverschmutzung“ haben sich vor allem auf den Nachthimmel direkt über unseren Köpfen konzentriert. Mit den aktuellen Messungen konnten die Forscher nachweisen, dass ein Himmel, der über uns fast frei von Lichtverschmutzung ist, am Horizont deutlich heller sein kann. Die Wissenschaftler untersuchten dazu den nächtlichen Himmel zwischen dem Sternenpark Parc Astronòmic Montsec und der 27 Kilometer entfernten Stadt Balaguer im Norden Spaniens.

Die Messungen ergaben, dass der gesamte Himmel über dem Sternenpark in bewölkten Nächten genauso hell war wie ein lichtverschmutzter wolkenloser Himmel nur fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Natürlicherweise müsste der bewölkte stadtferne Himmel deutlich dunkler sein, da die Wolken das Licht von Mond und Sternen abschirmen und so den Himmel verdunkeln. 18 Kilometer außerhalb der Stadt war der Himmel direkt über den Forschern kaum lichtverschmutzt. Unter Berücksichtigung des Lichtes aus allen Richtungen aber war der Himmel 66 Prozent heller als ein natürlicher Himmel in einer sternenklaren Nacht. Bei Bewölkung war er sogar 3,5-mal heller, da die Wolken das Licht vom Boden – erzeugt durch die Beleuchtung der nahen Stadt – reflektierten. Das ist sehr viel zusätzliches Licht für nachtaktive Arten, die sich im Laufe ihrer Evolution darauf verlassen konnten, dass Wolken den Himmel tatsächlich verdunkeln.

Innovation muss nicht teuer sein

Für die Messungen haben die Wissenschaftler ein einfaches und bedienungsfreundliches Abbildungssystem verwendet, das auf kalibrierten, handelsüblichen Kameras mit Fischaugenobjektiv – einer extremen Weitwinkellinse – basiert. „Wir hoffen, dass es diese einfache und relativ kostengünstige Methode vielen ForscherInnen und BürgerwissenschaftlerInnen weltweit ermöglicht, das künstliche Himmelsleuchten unter unterschiedlichen Wetterbedingungen zu kartieren“, erläutert Andreas Jechow, Leiter der Studie und Physiker am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, die Bedeutung der neuen Messmethode.

Studie:

Andreas Jechow, Zoltán Kolláth, Salvador J. Ribas, Henk Spoelstra, Franz Hölker & Christopher C. M. Kyba (2017): Imaging and mapping the impact of clouds on skyglow with all-sky photometry. Scientific Reports 7, Article number: 6741. doi:10.1038/s41598-017-06998-z

Die Studie wurde durch die Projekte STARS4ALL (finanziert durch die Europäische Union, H2020-ICT-2015-688135) und ILES (gefördert von der Leibniz-Gemeinschaft,  SAW-2015-IGB-1) unterstützt. Sie basiert auf den Messkampagnen der Europäischen COST Aktion LoNNe (Loss of the Night Network), die heute im Rahmen des Projektes STARS4ALL weitergeführt werden.

Ansprechpartner:

Dr. Andreas Jechow, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), E-Mail: andreas.jechow@gmx.de

Pressestelle: Katharina Bunk, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), E-Mail: bunk@igb-berlin.de, Telefon: +49 (0)30 641 81 631

Über das IGB:

www.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

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