Sonntag, 22. Juli 2018


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Kinder sind keine "kleinen Forscher"

Start der neuen Kolloquiumsreihe der Forscherstation

Heidelberg, (lifePR) - In seinem Eröffnungsvortrag der neuen Kolloquiumsreihe "Die Forscherstation im Dialog: Theorie und Praxis früher naturwissenschaftlicher Bildung" plädiert Prof. Dr. Gerd E. Schäfer für vielfältige Erfahrungs- und Erlebnisräume in der Kita. Die Forscherstation hat die Kolloquiumsreihe aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums ihrer Gesellschafterin der Klaus Tschira Stiftung (KTS) ins Leben gerufen.

"Wie alle Projekte, Stiftungsinstitute und Töchter der Klaus Tschira Stiftung freuen auch wir uns mit einer besonderen Veranstaltung zu den Jubiläumsfeierlichkeiten beitragen zu können", mit diesen Worten eröffnete Petra Gürsching, gemeinsam mit Beate Spiegel Geschäftsführerin des Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung, die neue Kolloquiumsreihe. Im Jubiläumsjahr organisieren die KTS-Einrichtungen ein besonderes Programm für ihre Mutterstiftung - von Symposien über Ausstellungen bis hin zu einem besonderen Wettbewerb für Schüler-Teams. Die neue Kolloquiumsreihe mit dem Titel "Die Forscherstation im Dialog: Theorie und Praxis früher naturwissenschaftlicher Bildung" wird zukünftig zwei Mal im Jahr - jeweils im Frühjahr und Herbst - aktuelle Entwicklungen und Trends in diesem Bereich zur Diskussion stellen. Stifter Klaus Tschira begrüßte die rund fünfzig geladenen Gäste in der Forscherstation: "Wir wollen in den Kindern die Neugier für Naturphänomene wecken und sie ermutigen selbst nach Antworten zu suchen."

In seinem Eröffnungsvortrag plädierte Prof. Dr. Gerd E. Schäfer für vielfältige Erfahrungs- und Erlebnisräume in der Kita. Er ging von der These aus, dass man, um frühkindliche Bildungsprozesse zu verstehen, verstehen müsse, was es heißt, mit einem "ungeschulten" Kopf zu denken. Deshalb führe die "Metapher vom Kind als 'kleinem Forscher' in der Regel zu der falschen Schlussfolgerung, dass der geeignete Ort für 'kleine Forscher' kleine 'kindgerechte Labore' sind, in denen sie wissenschaftliches Denken frühzeitig lernen sollen." Entschieden wandte sich Professor Schäfer, einer der führenden deutschen Pädagogen im Bereich frühkindlicher Bildungsforschung, gegen diese Vorstellung vom kindlichen Lernen. Für ihn eignen sich junge Kinder die Welt nicht in künstlich geschaffenen Lernsituationen an. Von allem Anfang an erkundeten sie vielmehr ihre Umgebung auf scheinbar zufällige Art und Weise, so Professor Schäfer. Diese Auseinandersetzung mit der Welt sei stets in den konkreten (Alltags-)Zusammenhang und damit auch Sinnzusammenhang der Kinder eingebettet und unsystematisch. Sie ließen sich dabei stark von ihren Sinneseindrücken leiten. Dieses freie Erkunden, Professor Schäfer spricht auch von "Explorieren", werde von einem Erlebniszusammenhang getragen, in dem Beziehungen eine entscheidende Rolle spielten: zu Erwachsenen und Spielkameraden ebenso wie zur Sache selbst. Diese vorwissenschaftlichen Erfahrungen sind laut Professor Schäfer notwendig, damit Kinder später naturwissenschaftliche Fragestellungen überhaupt verstehen sowie ein Interesse an ihnen entwickeln können. Zudem ist auch das naturwissenschaftliche Denken nicht nur auf ein "Labordenken" zu beschränken und bedarf vielfältiger Denkweisen. Die Unterstützung frühkindlicher Bildung im Bereich des Naturwissens muss daher an der pädagogischen Unterstützung der Vielfalt kindlichen Denkens in Alltagszusammenhängen ansetzen.

Die Forscherstation bietet seit 2006 unter anderem kostenlos Fortbildungsreihen und eine Materialbibliothek für pädagogische Fachkräfte aus Kindergarten und Grundschule in der Metropolregion Rhein-Neckar an. Rund 600 Pädagogen aus über 200 Einrichtungen haben das Angebot bisher genutzt und sich für Naturwissenschaften begeistern lassen.

Mehr Informationen und die genauen Termine zu den Fortbildungen gibt es im Internet unter www.forscherstation.info

Hintergrund

Prof. Dr. Gerd E. Schäfer
Prof. Dr. Gerd E. Schäfer ist an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln Professor im Ruhestand. Seine Forschungsschwerpunkte sind die frühkindliche Bildungsforschung und die Fortbildung im Bereich der Frühpädagogik. Er ist Gründer und Leiter des Fortbildungsinstituts WeltWerkstatt e.V., das es sich zum Ziel gesetzt hat, durch Fortbildungen von Multiplikatoren die Grundlagen dafür zu schaffen, dass Kinder in der Praxis schöpferisch und weitestgehend selbstbestimmt lernen können. Darüber hinaus ist er am "Institut für musikalische Bildung in der Kindheit" an der Hochschule für Künste in Bremen tätig.

Forscherstation

Die Forscherstation, Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung gGmbH mit Sitz in Heidelberg, ist ein An-Institut der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Die Forscherstation wird von der Klaus Tschira Stiftung getragen. Ihr Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte aus Kindergarten und Grundschule für Naturwissenschaften zu begeistern, damit sie gemeinsam mit Kindern die Welt entdecken. Dafür setzt die Forscherstation auf berufsbegleitende Fortbildungen, die Bereitstellung geeigneter Experimentierideen, praxisbezogene Forschung sowie die Qualifizierung wissenschaftlichen Nachwuchses. Mehr Informationen und das aktuelle Programm finden Sie unter: www.forscherstation.de

Forscherstation Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung GmbH

Die Klaus Tschira Stiftung fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für neue Formen der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte ein. 2015 feiert die KTS ihr 20-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung mehr als 300 Millionen Euro Fördermittel und Sachspenden vergeben. Weitere Informationen finden Sie unter www.klaus-tschira-stiftung.de oder www.20JahreKTS.de

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