Freitag, 27. April 2018


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Liebesgrüße aus St. Petersburg

Do., 21./Fr. 22. Dezember 2017, 19/18 Uhr

Baden-Baden, (lifePR) - Im Festspielhaus Baden-Baden wird Shakespeares Liebesdrama am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. Dezember 2017 vom St. Petersburger Mariinsky Ballett und dem Orchester des Mariinsky Theaters zelebriert. Damit beginnt das traditionelle Weihnachtsgastspiel des wohl bekanntesten russischen Balletts im Schwarzwald.

„Romeo und Julia“ ist der jüngste unter den großen Ballettklassiker. Mit der emotionalen, symphonischen Musik von Sergej Prokofjew wurde Shakespeares Drama über die Liebenden aus verfeindeten Familien zu einer Art „Einstiegsdroge“ für zahllose Tanzbegeisterte, egal in welcher der vielen choreographischen Version. Wie bei fast allen klassischen Handlungsballetten liegen auch die Wurzeln dieses Werkes in St. Petersburg. Das Mariinsky Ballett war es, das bei Prokofjew die Partitur in Auftrag gab, nun zeigt die Kompanie bei ihrer alljährlichen weihnachtlichen Residenz im Festspielhaus die traditionsreiche Choreographie, die damals 1940 in St. Petersburg entstand und zur Keimzelle der meisten anderen klassischen Versionen wurde.

Einst untanzbar

Ähnlich wie „Schwanensee“ erwachte auch das Ballett „Romeo und Julia“ nur unter starken Geburtswehen zum Leben – hier wie dort war den damaligen Tänzern und Choreographen die Musik zu schwierig, ja sie galt als untanzbar. Das Mariinsky-Theater nahm deshalb zunächst wieder Abstand von seinem Auftragswerk, auch das Moskauer Bolschoi-Ballett kam mit Prokofjews neuartiger Musik nicht klar und trat von einer geplanten Aufführung zurück. Der Komponist war gerade erst aus dem Exil zurückgekehrt und litt wie so viele Künstler unter Stalins reaktionärer Kulturideologie; für sein erstes Werk in der Sowjetunion hatte er deshalb die zeitlose Lyrik von Shakespeares Liebesdrama gewählt. Seine Partitur ist zwar in Nummern aufgebaut, wie bis dahin für das Ballett üblich, wird aber durch einprägsame Leitmelodien und Erinnerungsmotive dramaturgisch gegliedert.

Als weder das damalige Leningrad noch Moskau sein Werk aufführen wollten, vergab der Komponist die Rechte an die relativ kleine Ballettkompanie im tschechoslowakischen Brünn, dort fand 1938 die Uraufführung einer deutlich gekürzten Version von „Romeo und Julia“ statt. Dann endlich wachten die Russen auf und 1940 schuf Leonid Lavrovsky die erste Choreographie zur vollständigen Partitur – genau diese Version, die heute als Modellinszenierung von „Romeo und Julia“ gilt. Die berühmte Galina Ulanowa tanzte die Julia, bis heute ist die Rolle eng mit ihrem Namen verbunden. Die Inszenierung wurde aufwendig verfilmt und war 1955 international im Kino zu sehen. Als das Kirov-Ballett (so der damalige Name des Mariinsky Balletts) 1956 mit „Romeo und Julia“ in London gastierte, beeindruckte die Aufführung die jungen Tanzkünstler Europas nachhaltig. Daraus entstanden die heute berühmten Versionen von John Cranko, Kenneth MacMillan und, 20 Jahre später, auch von Rudolf Nurejew. Trotz völlig unterschiedlicher Choreographie beruhen sie in manchen ihrer Bilder und Szenen fest auf Lavrovskys Version.

Sie wird in St. Petersburg bis heute getanzt und zeichnet sich vor allem durch ihre mitreißende theatralische Kraft aus, durch eine enge Verbindung von Drama und Tanz und den Verzicht auf die traditionellen Divertissements, auf eingeschobene reine Tanznummern wie im 19. Jahrhundert. Choreograph Leonid Lavrovsky zeigt das fröhliche Volkstreiben auf den Straßen Veronas, die gravitätische Wucht der beiden Veroneser Familien, vor allem aber die Sehnsucht der Liebenden nacheinander. Die Ausstattung des russisch-amerikanischen Bühnenbildners Pyotr Williams evoziert eine machtvolle, dunkle Renaissance, er orientiert sich in Bauten und Kostümen an Botticelli oder Lucas Cranach. Und wir sehen in dieser Inszenierung noch die ergreifende Versöhnung der beiden zerstrittenen Familien über den Körpern der toten Liebenden, die in fast sämtlichen späteren Versionen fehlt.

Die bekannteste musikalische Adaption von Shakespeares Liebesdrama kommt ganz ohne Worte aus - die Geschichte von Romeo Montague und Julia Capulet ist als Ballett berühmter geworden denn als Oper oder dramatische Symphonie. Kein anderes Shakespeare-Werk wurde so oft vertanzt wie die Geschichte der Liebenden von Verona; mit der Choreographie des Mariinsky-Balletts nahm alles seinen Ausgang.

Weitere Informationen: www.festspielhaus.de
Informationen und Eintrittskarten: Tel. 07221 / 30 13 101

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