Interview: Führungswechsel im Fachverband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg

"Wir sollten unser Wissen teilen, statt es zu umklammern!"

(lifePR) ( Hamburg, )
15 Jahre lang führte Thomas Schmale den Fachverband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg (FGL HH) als Vorsitzender. Während seiner Amtszeit prägte er den grünen Berufsstand in der Hansestadt in vielerlei Hinsicht. Am 26. März 2021 übergab Schmale, der in dritter Generation den Fachbetrieb Rudolf Schmale Garten- und Landschaftsbau leitet, den Verbandsvorsitz an seinen langjährigen Vorstandskollegen Ludger Plaßmann, Inhaber und Geschäftsführer des Garten- und  Landschaftsbaubetriebes Joh. Redeker. Im Interview blicken beide zurück und nach vorn, sprechen über die Bereicherungen des Ehrenamtes, künftige Herausforderungen und die Vor- und Nachteile, Landschaftsgärtner in einem Stadtstaat zu sein.

Das interview führte Antje Kottich

Herr Schmale, 15 Jahre Verbandsvorsitz – Das ist eine lange Zeit!  

Thomas Schmale: In der Rückschau waren die 15 Jahre für mich gar nicht so lang. Als ich 2006 den Verbandsvorsitz von Hanns-Jürgen Redeker übernahm, der damals BGL-Präsident wurde, habe ich gesagt: „Ich mache das nur, wenn wir die Aufgaben im Vorstand gleichberechtigt verteilen und jeder seinen Bereich hat, den er eigenverantwortlich betreut. Und das hat immer wunderbar funktioniert! Die Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand, unserem Geschäftsführer Dr. Michael Marrett-Foßen, dem Team im Hamburger Haus der Landschaft (HHL) und unseren Mitgliedsbetrieben war immer angenehm, produktiv und von großem Vertrauen geprägt. Mein Ehrenamt war somit für mich sehr bereichernd.

Was waren Ihre persönlichen Highlights?

Thomas Schmale: Ich werde nie die intensive Zeit vergessen, in der wir den Bau den HHL am Hellgrundweg geplant haben, wo der Hamburger Fachverband seit 1972 ansässig ist. Das alte Gebäude war marode, und wir wollten an diesem Standort neu bauen. Die Genehmigung zu bekommen, war ein echter Kraftakt. 2008 habe ich in der Mitgliederversammlung von der damals bestehenden Finanzierungslücke in Höhe von 200.000 Euro berichtet und in die Runde gefragt, welche Mitgliedbetriebe bereit wären, das Bauprojekt  mit einem Kredit zu unterstützen. Das war eine vollkommen spontane Idee. Innerhalb von 30 Minuten hatte der Verband das Geld zusammen. Das war unglaublich und hat mich wirklich begeistert und berührt. 2009 konnten wir das HHL in Anwesenheit der Senatorin Anja Hajduk einweihen. Das war ein großer Moment!

Gab es noch weitere Höhepunkte?

Thomas Schmale: Die gab es! Die Internationale Gartenschau 2013 mit ihrem Inselpark zum Beispiel, mit der uns städteplanerisch der Sprung über die Elbe zum damals eher benachteiligten Stadtteil Wilhelmsburg gelang. Die Idee zur IGS hatte übrigens Hanns-Jürgen Redeker im Jahr 1993. 20 Jahre später wurde sie dann realisiert. Auch die beiden Pop-up Parks in Hamburg waren ein toller Erfolg für unseren Berufsstand. Und dann war da natürlich das 50-jährige Verbandsjubiläum, das wir 2019 im Rahmen unserer GaLaBau-Fachtagung mit rund 320 Gästen und Wegbegleitern gefeiert haben.

Sie hinterlassen dem FGL HH zum Ende Ihrer Amtszeit eine neue, hochmoderne Ausbildungshalle, deren Bau Sie auf den Weg gebracht haben.  Ist das ein weiteres Herzensprojekt?

Thomas Schmale: Ja absolut! Die neue Halle bietet deutlich mehr Raum für unsere Überbetriebliche Ausbildung. Mein Dank geht hier insbesondere an die Jan und Helga Baumann-Stiftung, die uns mit nahezu der Hälfte der Kosten unterstützt. Wir freuen uns auf die Einweihung im Sommer!    

Herr Plaßmann, diese Feier werden Sie als neuer Vorsitzender des FGL HH ausrichten. Was ist es für ein Gefühl, die Nachfolge von Herrn Schmale anzutreten?

Ludger Plaßmann: Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, Verbandsarbeit zu machen, um Vorstandsvorsitzender zu werden. Dass meine Vorstandskollegen gesagt haben „Wir trauen dir das zu! Mach das bitte!“, erfüllt mich mit großem Stolz. 1985 habe ich gemeinsam mit Sylvia Eggers und Bodo Voigt -  beide arbeiten heute für den Fachverband - und vielen anderen meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner begonnen. Und 36 Jahre später haben die Verbandsmitglieder beschlossen, dass ich der neue Verbandsvorsitzende sein darf. Für mich ist das wirklich sehr emotional!  

Sie sind in der Verbandarbeit alles andere als ein Neuling. Wo haben Sie sich bisher ehrenamtlich engagiert?

Ludger Plaßmann: Ich bin bereits ins Ehrenamt eingestiegen, bevor ich meinen Lehrbetrieb Joh. Redeker übernommen habe. So war ich schon sehr früh im Ausbildungsausschuss und Referent in unserer Hamburger Meisterschule. Damals war ich – und bin es auch heute noch - auch im Arbeitskreis Baumpflege und im Arbeitskreis Neue Lehrmedien aktiv. Als Geschäftsführer der Firma Redeker habe ich schließlich die Möglichkeit bekommen, im Vorstand des FGL HH den Bereich „Landschaftsgärtnerische Fachgebiete“ zu betreuen. Da habe ich sehr gern „Ja“ gesagt. Und ich setze mich nach wie vor für unseren beruflichen Nachwuchs und die Ausbildung ein. Als Juror beim Berufswettkampf „Landschaftsgärtner-Cup Nord“, als Chef-Juror für den Bundesverband bei den Deutschen Meisterschaften und als Mitglied im BGL-Arbeitskreis Hochschulausbildung. Außerdem bin ich Mitglied im BGL-Arbeitskreis zur Novellierung der neuen Ausbildungsverordnung für den Gärtnerberuf.

Was ist Ihre Motivation, sich so intensiv ehrenamtlich zu engagieren?

Ludger Plaßmann: Ich halte mich für relativ kommunikativ, und wenn man bereit ist, anderen ohne eigenes Sendungsbewusstsein zuzuhören, dann bekommt man unheimlich viel zurück. Das war bei mir bisher in allen Ehrenämtern so. Ich habe fachlich und zwischenmenschlich enorm von dem Austausch profitiert und immer wieder neue Blickwinkel, Sichtweisen und Facetten kennengelernt.

Was können die Mitglieder des FGL HH von ihrem neuen Vorsitzenden erwarten?

Ludger Plaßmann: Ich möchte während meines Vorsitzes den Dienstleistungsgedanken des Hamburger Fachverbandes ganz nach vorn stellen und noch mehr Nähe zwischen dem Vorstand, der Geschäftsführung und den Mitgliedern herstellen. Mein Ziel ist, den überdurchschnittlich hohen fachlichen Standard unserer Fachbetriebe zu sichern und voranzutreiben. Auch, indem wir innerhalb des Verbandes unsere Kompetenzen bündeln und gegenseitig von unserem Know-how profitieren. Meiner Ansicht nach kann man im Austausch nur gewinnen und nicht verlieren. Das ist wie beim Ehrenamt. Einige meinen hingegen, ihr Wissen umklammern zu müssen, statt es zu teilen.

Liegt das vielleicht auch daran, dass wir uns in Hamburg in einem Stadtstaat befinden, in dem aufgrund des begrenzten Raumes die Konkurrenz größer ist?   

Thomas Schmale: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in Hamburg viele Kollegen mehr oder weniger für die gleiche Kundschaft arbeiten. Die Schnittmengen sind groß, man kennt sich. Ich habe das Gefühl, dass in Hamburg die Bereitschaft zum ehrlichen Austausch unter den Unternehmern etwas verhaltener ist als in einem Flächenland.

Ludger Plaßmann: In Hamburg gibt es auch keine Regionalgruppen. Auch hier würde ich gern ansetzen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, einen Themen-Stammtisch ins Leben zu rufen, bei dem man sich zu unterschiedlichen Schwerpunkten austauscht.

Wirkt sich die Tatsache, dass Hamburg ein Stadtstaat ist, auch in anderweitig auf die Arbeit des FGL HH und seiner Mitgliedsbetriebe aus?

Ludger Plaßmann: Der Landschaftsgärtner im Stadtstaat hat den riesigen Vorteil, dass er kurze Wege hat. Auch in die Politik. Wenn man mit den zuständigen Senatoren oder Behörden über ein Projekt spricht, wissen diese sofort, um was es geht und kennen die Lokalitäten persönlich. Das vereinfacht die Kommunikation und erhöht die Bereitschaft, sich der Themen anzunehmen.

Thomas Schmale: Das stimmt auf jeden Fall! Es gibt aber nicht ausschließlich Vorteile. Oft sind die Bretter, die man bohren muss, auch so dick, dass man sie einfach nicht durchbekommt. Mir ist es in meiner gesamten Zeit als Vorsitzender des FGL HH zum Beispiel nicht gelungen, die Hamburger Umweltbehörde dazu zu bewegen, in der Stadt etwas anderes als gebietsheimische Baumarten zuzulassen. In Hamburg gilt nach wie vor eine Ersatzpflanzungsliste von Anno Dazumal. Diese Beratungsresistenz ist angesichts des Klimawandels erschreckend. Wenn bei den Verantwortlichen ideologische Argumente mehr zählen als Fachlichkeit, kann die Politik im Stadtstaat schnell zu einer unüberwindbaren Hürde werden.

Was sind für Sie in nächster  Zeit die größten Herausforderungen für den Hamburger Garten- und Landschaftsbau?

Ludger Plaßmann: Man muss kein Prophet sein, wenn man sagt, dass die goldenen Jahre, die wir gerade erleben, nicht ewig andauern werden. Die größte Herausforderung besteht meiner Ansicht nach darin, die Kunden jetzt nicht zu vernachlässigen, weil man keine Zeit hat. Alle Betriebe müssen an die Zukunft denken und den Markt langfristig erschließen. Wenn man wahnsinnig viel zu tun hat, sollte man sich trotzdem immer genau überlegen, ob man einen Auftrag ablehnt. Denn die Neukundenakquise und die Pflege der Bestandskunden sind gerade jetzt entscheidend!

Thomas Schmale: Wenn ich ergänzen darf: Auch das gilt in einem Stadtstaat vielleicht noch mehr als anderswo. Hier trifft man nahezu alle Leute mindestens ein zweites Mal. Und der Kunde, dem man in der Hochphase  einen „Korb“ gibt, wird einem später höchstwahrscheinlich keinen Auftrag mehr geben, wenn man ihn benötigt.

Ich danke Ihnen für das Gespräch!
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