Dienstag, 12. Dezember 2017


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Gute Pillen - schlechte Pillen: Medikamente im Alter

Vortrag im Evangelischen Lukas-Krankenhaus Gronau: "Gefährliche Pillen"

Münster, (lifePR) - Aktuelle Untersuchungen bestätigen den Trend erneut: Ältere über 60 Jahre nehmen im Schnitt fünf verschreibungspflichtige Arzneimittel. Bei den 80-jährigen sind es sogar sieben. Zudem kauft diese Personengruppe im Durchschnitt jährlich sieben Packungen Medikamente zusätzlich, die ohne Rezept erworben werden. Stefan Rittmeyer, Geriatrie-Chefarzt am Evangelischen Lukas-Krankenhaus Gronau: „Das Gefährliche ist, diese in Eigenregie erworbenen Medikamente stehen auf keinem Medikamentenplan. Das Problem dabei: Dieser Cocktail aus verordneten und selbst gekauften Präparaten ist unberechenbar.“

Gefährliche Wechselwirkungen, unerkannte Nebenwirkungen: Mancher Sturz wäre vermeidbar

Doch selbst wenn man nur das einnimmt, was der Arzt verordnet hat, kann es sein, dass Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten vorliegen und dass ein Arzneimittel die Wirkung des anderen aufhebt oder verstärkt – und das kann vor allem bei Älteren schnell gefährlich werden. Oft tut man auch die Nebenwirkungen von Medikamenten als Alterserscheinung ab, Schwindel beispielsweise. Dabei ließe sich so mancher Sturz vermeiden, wenn ein Fachmann die Medikation geprüft hätte. Ärzte sind trotz bester Ausbildung damit häufig überfordert. Deshalb hat sich das Evangelische Lukas-Krankenhaus Gronau Verstärkung ins Haus geholt: Der Apotheker Dr. Sebastian Baum ist als Stationsapotheker bereits seit über einem Jahr bei den Visiten mit dabei, überprüft die Verordnungen u.a. auf Wechsel- und Nebenwirkungen. „Diese Entscheidung hat sich als echter Glücksfall erwiesen. Von der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker profitieren beide Seiten sehr, aber am allerwichtigsten: Davon profitieren die Patienten“, sagt Stefan Rittmeyer. Sebastian Baum hält das medizinische Team darüber hinaus in Sachen Medikation speziell für ältere Menschen auf dem neuesten Stand.

Ältere reagieren anders das der „Durchschnittsmensch“

„Gerade die Therapie älterer Patienten, die an mehreren Erkrankungen leiden, ist nicht nur durch die Vielzahl der eingenommenen Medikamente problematisch, auch die körperlichen Veränderungen wie beispielsweise eine nachlassende Nieren- und Leberfunktion sind zum Teil so gravierend, dass „normale“ Dosierungen zu Schädigungen führen können“, betont Chefarzt Stefan Rittmeyer. „Bei Kindern würde niemand auf die Idee kommen, einfach die Hälfte der Erwachsenen-Dosis einzusetzen“, ergänzt Apotheker Sebastian Baum. „Die Dosierung wird individuell ermittelt, jeder Kinderarzt weiß, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind.“

Nebenwirkungen werden oft für Alterserscheinungen gehalten

Ähnliches gilt bei den über 75-jährigen geriatrischen Menschen. „So wie Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sind über 75-jährige Patienten keine alten Erwachsenen“, resümiert Stefan Rittmeyer. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass die Einnahme bestimmter Arzneimittel bei älteren Menschen sehr häufig zu Problemen führt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome wie Mundtrockenheit oder schlechter Schlaf, Schwindel, Appetitlosigkeit, Probleme mit dem Wasserlassen oder das Wasser halten können, alles Dinge sind, die bei einem alten Menschen oft gar nicht mit einer Arzneimittelnebenwirkung im Zusammenhang gebracht werden, weil man sie mit „normalen Alterserscheinungen“ assoziiert.

Aber einfach mal irgendetwas weglassen, ist auch nicht immer die beste Lösung. Schließlich wird eine Arzneimitteltherapie in der Regel gemäß den aktuellen Empfehlungen angesetzt, um beispielsweise einen Herzinfarkt so erfolgreich wie möglich zu vermeiden. „Hier steckt man sehr oft im Dilemma, aber als Arzt muss man zwischendurch den Mut haben, auch mal ein Medikament nicht zu geben und die offiziellen Leitlinien zu verlassen“, so Rittmeyer. „Hier gehört natürlich sehr, sehr viel Erfahrung dazu.“ Dennoch ist man schon vor Jahren zu der Erkenntnis gekommen, dass man die Verordnung bestimmter Arzneimittel bzw. Arzneimittelkombinationen grundsätzlich vermeiden kann, ohne dass die Qualität der Arzneimitteltherapie darunter leidet.

Zwei Veranstaltungen informieren Fachpublikum und interessierte Öffentlichkeit

Um darüber zu informieren bieten beide Experten im November zwei Veranstaltungen an: Am Mittwoch, 8. November, um 19 Uhr lädt Chefarzt Stefan Rittmeyer zusammen mit der Veranstaltergemeinschaft Netzwerk-Gesundheit-Gronau alle Interessierten zum Laien-Vortrag „Gefährliche Pillen“ in der Cafeteria des Lukas Krankenhauses ein. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eine Woche später, am Mittwoch, 15. November, findet dann unter dem Titel „Arzneimittelsicherheit - Fallstricke in der Arzneimitteltherapie bei Älteren“ ebenfalls im Lukas Krankenhaus um 18 Uhr eine Fortbildung für die Ärzte aus Praxis und Krankenhaus und Apotheker statt.

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