Montag, 22. Januar 2018


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EKD-Auslandsbischof kritisiert Prozess gegen Pussy Riot

Martin Schindehütte: "Für Gelassenheit werben"

Hannover, (lifePR) - Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, hat die Russisch-Orthodoxe Kirche im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die Punkband Pussy Riot kritisiert. "Die Haltung der Russisch-Orthodoxen Kirche zu diesem Prozess ist mir völlig unverständlich", sagte Schindehütte heute in Hannover. Er hoffe sehr auf einen Freispruch für die drei Bandmitglieder Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa am kommenden Freitag in Moskau.

Schindehütte, der die Hauptabteilung "Ökumene und Auslandsarbeit" im Kirchenamt der EKD leitet, bezog sich unter anderem auf Äußerungen des Leiters der Abteilung des Moskauer Patriarchats für Kirchenbeziehungen mit der Gesellschaft, Wsewolod Tschaplin. Der hatte laut Darstellung der russische Nachrichtenagentur "RIA Nowosti" anlässlich der Anklage gegen die drei Frauen kürzlich gesagt: "Ein christliches Land sollte entschieden reagieren, wenn einer seiner heiligen Orte attackiert wird." Laut Tschaplin sei es eine "anti-christliche Idee", anzunehmen, "dass Gott alles vergibt."

Dazu sagte Schindehütte, dass die "Verletzung religiöser Gefühle" und die "Missachtung religiöser Bindungen" durchaus "ernsthafte Störungen des gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens" seien, und deshalb könne und solle die Aktion der Musikband Pussy Riot in der Erlöserkirche in Moskau vom 21. Februar 2012 auch nicht einfach übergangen werden. Aber, so Schindehütte weiter, das Gerichtsverfahren gegen die Musikband Pussy Riot und das zu befürchtende Strafmaß von drei Jahren Gefängnis gehe "weit über jede denkbare angemessene Reaktion hinaus".

Der Prozess um Pussy Riot und die Unterstützung der Anklage durch die russisch-orthodoxe Kirche, so der EKD-Auslandsbischof, mache deutlich, "wie unterschiedlich wir mit Fragen von Freiheit der Kunst und Freiheit der Religion in Europa umgehen". Der EKD liege daran, "gerade auch in dem Ende des Jahres vor uns liegenden Dialog mit der Russisch- Orthodoxen Kirche zur Rolle der Kirchen in einer multikulturellen Gesellschaft diese unterschiedlichen Zugänge zu besprechen" und für einen "deutlich gelasseneren und nachsichtigeren Umgang mit solchen Provokationen" zu werben.

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