Dienstag, 21. November 2017


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Verkauf von Interventions-Milchpulver verhindert Milchpreiserholung

Europäischer Milchbauernverband EMB fordert Agrarkommissar Hogan auf, Lagerbestände nicht zu verschleudern

Hamm, (lifePR) - Die EU-Kommission hat am 20. Juni den Verkauf von weiteren 100 Tonnen Magermilchpulver aus der öffentlichen Intervention zu einem Preis von 185 €/100 kg bewilligt. Aus der Sicht des European Milk Board beeinträchtigen diese Verkäufe unter Wert den europäischen und internationalen Milchmarkt. Außerdem widerspricht die EU-Kommission mit diesem Vorgehen ganz klar ihrer Aussage, dass der Verkauf um jeden Preis nie eine Option war und dass Marktgleichgewicht und Preiserholung wichtigste Ziele bleiben.

Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board, zeigt sich bestürzt über den Verkauf des Interventionspulvers: „Das ist für Europas Milcherzeuger ein Stoß in den Rücken und ein verheerendes Signal an die Akteure im Milchmarkt. Die Milchkäufer können so weiterhin auf billiges Pulver spekulieren“. Die Milchpreise, die sich nun langsam erholen, bekämen damit wieder einen Dämpfer.

Das Interventions-Milchpulver darf nur zu einem stabilisierenden Preis verkauft werden. Legt man die Produktionskosten von über 40 Cent je produziertem Liter Rohmilch zugrunde, die in den interventionsstarken Ländern wie Frankreich, Deutschland und Belgien anfallen, ergibt sich ergänzt durch Transport-, Verarbeitungs-und Vermarktungskosten, eine Preisschwelle von mindestens 335 Euro/100 kg Milchpulver. Alternativ können neue Absatzwege ins Auge gefasst werden, um die gewaltigen Pulverbestände von rund 350.000 Tonnen abzubauen, wie beispielsweise die Verwendung als Tierfutter.

„Die Kommission sollte aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und endlich begreifen, dass die Intervention den Milchmarkt nicht ausreichend stabilisieren kann“, so Schaber weiter. So lange die Milchpreise tief sind, würden die Milchbauern weitermelken, um ihren Cashflow aufrechtzuerhalten und die Lagerbestände werden weiter aufgefüllt. Die Vergangenheit habe auch gezeigt, dass erst das Mengenreduktionsprogramm der EU eine unmittelbare Wirkung auf die Milchpreise hatte, weil hier direkt an der Überproduktion angesetzt wurde. Die EU wäre gut beraten, in Zukunft rechtzeitig mengenreduzierende Instrumente anzuwenden, anstatt die Mengen nur kurzfristig vom Markt zu nehmen und das Problem der Übermengen zeitlich nur zu verlagern.

Nachdem Agrarkommissar Hogan das Problem der Magermilchpulverbestände bagatellisiert und auf die historisch hohen Fettpreise hinweist, hat sich das European Milk Board gestern in einem Brief direkt an den EU-Kommissar gewandt: „Wichtig ist, welchen Einfluss das Verschleudern des Milchpulvers auf die Auszahlungspreise hat. Sie wissen, dass diese Wirkung problematisch ist, da der Milchpreis unter Druck gesetzt und eine Preiserholung blockiert wird. Indem Sie den Markt mit derart billigem Milchpulver bedienen, signalisieren Sie zudem, wie wenig Sie letztlich von einer hohen Wertschöpfung und fairen Preisen im Milchsektor halten. Das ist der aktuellen Debatte um Fairness und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft nicht dienlich... Sie werden feststellen, dass die hohen Fettpreise sich leider nicht in den Erzeugerpreisen ausreichend widerspiegeln. Der Fettanteil macht ja nur eine Hälfte des Milchpreises aus, das Eiweiß, also Milchpulver, die andere Hälfte. Damit die Milchpreise steigen können, ist es deshalb wichtig, auch dem Milchpulver einen entsprechenden Preis einzuräumen.“

Im Brief an Agrarkommissar Hogan wurde ebenfalls klar darauf hingewiesen, dass die Ramschverkäufe von Magermilchpulver den internationalen Milchmarkt belasten und das European Milk Board sich bei Fortführung dieser Praxis eine rechtliche Prüfung überlegen müsste.

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