Umweltzonen: Auswertungen auf dem Prüfstand

EUGT-Symposium befasste sich mit der Kommunikation von Umweltrisiken

(lifePR) ( Dortmund, )
Gibt es gesicherte Daten, die eine Wirksamkeit von Umweltzonen belegen? Sprechen Statistiken bei der Bewertung von Risikofaktoren eine eindeutige Sprache? Und: Ist möglicherweise eine Diskussion um Umweltrisiken schädlicher als es die Belastungen selbst sind? Mit diesen und weiteren Fragen befasste sich das EUGT-Symposium "Umweltrisiken - Wahrnehmung und Realität" am heutigen Mittwoch in den Westfalenhallen Dortmund im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin.

Die angemessene Kommunikation von Umweltrisiken war das zentrale Thema der wissenschaftlichen Veranstaltung der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor e.V. (EUGT). Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungsteils stand dabei die anhaltende Diskussion um die Wirksamkeit von Umweltzonen. Unsicherheiten entstehen insbesondere durch unterschiedliche Ansätze in der Bewertung der vorhandenen Daten. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise eine Auswertung des ADAC keine Wirksamkeit erkennen lässt, während andere Studien eine Verminderung der Feinstaubbelastung feststellen.

Ob es durch die Einführung von Umweltzonen tatsächlich zu einer relevanten Veränderung der Belastung gekommen ist, lässt die EUGT derzeit im Rahmen einer umfassenden Studie gemeinsam mit Landesbehörden untersuchen. Peter Morfeld vom Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin, Umweltmedizin und Präventionsforschung der Universität zu Köln stellt dabei nicht nur die unterschiedlichen Ansätze auf den Prüfstand, sondern nimmt zudem eine möglichst große Anzahl von Umweltzonen unter die Lupe, da es nach wie vor keine flächendeckende Auswertung der Daten aus den Messstationen gibt. Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich 2011 vorliegen.

Für Martin Lutz von der Senatsverwaltung Berlin sprechen die Zahlen allerdings jetzt schon eine deutliche Sprache. 2008 wurden an den Messstationen in Berlin drei Prozent weniger PM10-Gesamtkonzentration bzw. knapp fünf Überschreitungstage weniger als im Vorjahr ermittelt. "Da diese Trendaussagen durch die von der Umweltzone unabhängige Verkehrsabnahme bereinigt wurde und 2008 ungünstigere Ausbreitungsbedingungen herrschten, können die Minderungseffekte zum Großteil der Umweltzone zugewiesen werden", so Lutz.

Einen innovativen Ansatz der Bewertung stellte Prof. Dr. David Groneberg vom Institut für Arbeitsmedizin der Charité vor. Er empfahl bei der Datenerfassung nicht nur die rein stationäre Messung, wie derzeit bei Umweltzonen üblich, zu berücksichtigen, sondern diese auch um Analysen der Auswirkungen auf die Verkehrsteilnehmer zu ergänzen. Im Rahmen international angelegter Mobile Air Quality Studies (MAQS) misst er Feinstaubbelastungen in realen Fahrsituationen in PKWs. Groneberg hat hierzu ein Cabrio zu einer mobilen Messstation umgebaut und kann damit Messdaten sowohl aus dem offenen wie auch dem geschlossenen Fahrzeug in Bezug setzen zu Fahrstrecke, Verkehrsdichte, Wetterbedingungen und anderen relevanten Parametern. Dadurch erhofft sich Groneberg u.a. Aufschluss über die tatsächliche Belastung innerhalb und außerhalb von Umweltzonen.

Richtig kommuniziert, aber falsch interpretiert

Wie gesicherte Studienergebnisse zwar richtig kommuniziert, aber falsch interpretiert wurden, zeigte Prof. Dr. Ulrich Keil, WHO Collaborating Centre for Epidemiology and Prevention of Cardiovascular and other Chronic Diseases in Münster, am Beispiel des Passivrauchens. Er hatte ermittelt, dass in Deutschland jährlich rund 3.300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens sterben. Während die Studie seitens der Politik zu umfassenden Maßnahmen des Nichtraucherschutzes führte, wurden die Zahlen durch die Tabakindustrie aber auch in den Medien teilweise heftig kritisiert. "Dabei wurde deutlich, dass die zur Schätzung der Zahlen angewendeten international gebräuchlichen epidemiologischen Methoden von Journalisten und auch vermeintlichen Fachleuten nicht immer richtig verstanden wurden", so Keil.

Auf "Fallstricke" bei der Auswertung von Statistiken machte Prof. Dr. Katja Ickstadt von der Fakultät Statistik der TU Dortmund aufmerksam. So könne die unterschiedliche Modellierung, also die Zusammenstellung und Berücksichtigung von Einflussgrößen, bei statistischen Modellen zu unterschiedlichen Ergebnissen und somit auch unterschiedlichen Risikobewertungen führen. Die Statistik spielt auch bei der Darstellung epidemiologischer Ergebnisse eine wichtige Rolle. Konkret ging Ickstadt auf die Medienberichterstattung über den Zusammenhang von Handynutzung und dem Risiko eines Hirntumors ein. "Trotz einer objektiven Darstellung der Ergebnisse kam es hier durch Herausgreifen von Teilergebnissen zu nicht zutreffenden Schlagzeilen", so Ickstadt.

"Um mögliche gesundheitliche Risiken angemessen zu kommunizieren, ist die Wissenschaft gefordert, konkrete Forschungsergebnisse auch in allgemein verständlicher Weise darzustellen", fasste Prof. Dr. Helmut Greim, Vorsitzender des EUGT-Forschungsbeirats, zusammen. Das passiere jedoch leider nicht immer. "Wir müssen lernen, adressatengerecht zu formulieren - sachlich korrekt, aber dabei vor allem verständlich".

Zufrieden mit der Veranstaltung zeigte sich Prof. Dr. Gunter Zimmermeyer, Vorsitzender der EUGT. "Mit dem Symposium haben wir eine hochaktuelle Thematik aufgegriffen. Neben dem Forschungsauftrag, welchen die EUGT wahrnimmt, ist uns der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und Fakten ein wichtiges Anliegen. Wir erleben allzu oft, dass gerade in der Umweltdiskussion nicht gesicherte Erkenntnisse kommuniziert werden. Das führt zu unnötiger Verunsicherung und Spekulationen, ja sogar zu Ängsten und Regelungen, die Bestand haben, ohne sachgerecht oder verhältnismäßig zu sein. Mit der heutigen Veranstaltung haben wir einen sachbezogenen Beitrag in Richtung der angemessenen Kommunikation von Umweltrisiken geleistet."
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