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Krise in Europa vergrößert Spaltung der Autoindustrie

Bilanzanalyse der 17 größten Automobilkonzerne der Welt

(lifePR) (Stuttgart, ) .
- Kluft innerhalb der weltweiten Autoindustrie vertieft sich: Deutsche, japanische und koreanische Hersteller fahren der Konkurrenz davon
- Absatzplus dank starkem chinesischen und US-Absatzmarkt
- Gewinneinbruch bei südeuropäischen Herstellern
- Werkschließungen in Westeuropa nötig

Trotz der Krise in Westeuropa: Die 17 größten Autokonzerne der Welt verkauften im 2. Quartal deutlich mehr Autos als im Vorjahreszeitraum: Der weltweite Absatz (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) stieg um 13 Prozent auf 17,1 Millionen. Und auch der Umsatz stieg deutlich: um 23 Prozent auf 338,5 Milliarden Euro.

Während die Mehrzahl der Unternehmen - allen voran die japanischen Hersteller - mit zum Teil deutlichen Umsatzzuwächsen glänzten, verzeichneten immerhin sechs Unternehmen Umsatzrückgänge, darunter die drei südeuropäischen Autokonzerne PSA, Renault und Fiat sowie zwei der drei US-Autokonzerne.

Insgesamt erwirtschafteten die Autokonzerne Gewinne von 21 Milliarden Euro - das waren gut 2 Milliarden Euro bzw. 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Immerhin knapp 40 Prozent des Gesamtgewinns gehen auf das Konto der deutschen Autokonzerne, die insgesamt ein EBIT von 7,8 Milliarden Euro erzielten. Den ersten Platz im Gewinnranking belegt allerdings erstmals seit der Tsunami-Katastrophe in Japan wieder Toyota mit 3,5 Milliarden Euro - gefolgt von den drei deutschen Konzernen, die im Vergleich zum Vorjahr zwar Gewinnrückgänge verzeichneten, ihre Position in der Spitzengruppe aber verteidigen konnten. Erhebliche Gewinneinbußen mussten hingegen die südeuropäischen Hersteller verkraften.

Die Absatzkrise in Europa dürfte sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen und zu Kurzarbeit, Stellenstreichungen und sogar Werkschließungen führen.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young quartalsweise erstellt .

Zwar wurden weltweit deutlich mehr Autos verkauft als im Vorjahresquartal. Die Entwicklung auf den Hauptabsatzmärkten verlief aber sehr unterschiedlich: Während der Absatz in den USA und in China jeweils um ein Fünftel stieg, gingen die Verkäufe in Westeuropa um 7 Prozent zurück.

"Von einer weltweiten Autokrise sind wir trotz der schwierigen Lage in Europa noch weit entfernt", betont Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young. "Nach wie vor handelt es sich um einen Markt mit hohen Wachstumsraten - wovon allerdings bei weitem nicht alle Unternehmen profitieren können". Im Gegenteil: Während die deutschen, koreanischen und japanischen Hersteller insgesamt sowohl beim Umsatz als auch bei den Verkaufszahlen deutlich zulegen konnten, verbuchten die südeuropäischen Konzerne starke Umsatzrückgänge, bei den US-Herstellern stagnierten die Umsätze.

Japanische Hersteller mit stärkstem Umsatzwachstum

Das stärkste Umsatzplus erzielten die japanischen Unternehmen, deren Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal von 74 auf 115 Milliarden Euro stieg - in Landeswährung war das ein Anstieg um 34 Prozent. Der starke Zuwachs ist allerdings in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen im vergangenen Jahr massiv unter den Folgen der Erdbeben- und Tsunamie-Katastrophe gelitten hatten, die zu Produktionsstillständen und einem drastischen Absatzrückgang geführt hatten.

Die drei deutschen Hersteller legten beim Umsatz um 14 Prozent auf 96,1 Milliarden Euro zu, die Zahl der weltweit verkauften Fahrzeuge stieg um 7 Prozent auf 3,2 Millionen. "Dass die deutschen Hersteller trotz der schwachen Entwicklung in Europa so deutlich wachsen konnten, ist ein klares Zeichen für ihre außerordentliche Stärke - die zum einen auf ihrer weltweiten Aufstellung, zum anderen ihrem hohen Marktanteil im Premiumsegment basiert", kommentiert Fuß.

Zum Vergleich die US-Hersteller: Deren Heimatmarkt boomt zwar, dennoch mussten sie (in Landeswährung) einen leichten Umsatzrückgang um 1 Prozent hinnehmen. Im ersten Quartal hatten sie noch mit einem Umsatzplus von 5 Prozent geglänzt.

Krise in Westeuropa trifft südeuropäische Hersteller hart

Extrem schwach verlief das zweite Quartal für die südeuropäischen Hersteller, die zum einen hart von der Absatzkrise in Westeuropa getroffen wurden, zum anderen kaum von der guten Entwicklung in China und den USA profitieren können, da sie dort nicht oder nur schwach vertreten sind: PSA, Renault und Fiat verkauften weltweit insgesamt 7 Prozent weniger Autos - in Westeuropa lag das Minus sogar bei 12 Prozent. Noch deutlicher als der Umsatz, der um 5 Prozent zurückging, brach der Gewinn ein: um 86 Prozent auf nur noch 345 Millionen Euro. Die EBIT-Marge der südeuropäischen Hersteller betrug im zweiten Quartal nur noch 1 Prozent (Vorjahr: 6,9 Prozent). Zum Vergleich: Die deutschen Hersteller schafften eine EBIT-Marge von 8,1 Prozent, die japanischen von 6,0 Prozent.

Aber auch die US-Hersteller verzeichneten in Westeuropa ein zweistelliges Absatzminus (-11 Prozent), während die Verkaufszahlen der deutschen Hersteller nur um 2 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums lagen. Sogar die japanischen Hersteller, die in den anderen Weltregionen deutlich zulegen konnten, kämpften in Westeuropa mit rückläufigen Verkaufszahlen: Der Absatz der sechs japanischen Unternehmen lag um 6 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung in den wichtigen Absatzmärkten Spanien, Italien und Frankreich sei ein weiterer Rückgang der Verkaufszahlen in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich, erwartet Fuß. "Eine Entspannung der Lage in Europa ist nicht in Sicht. Selbst wenn die Schuldenkrise nicht weiter eskaliert, wird sich die Wirtschaft in den betroffenen südeuropäischen Krisenländern in den kommenden Jahren kaum erholen - im Gegenteil: Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, staatlicher Sparmaßnahmen und sinkender Gehälter dürfte die Neigung der Verbraucher, ein neues Auto zu kaufen, weiter zurückgehen". Eine Erholung auf dem westeuropäischen Automarkt erwartet Fuß daher frühestens für das Jahr 2014. Zudem dürfte angesichts der schwachen Marktentwicklung die Rabattschlacht weiter angeheizt werden: Im Kampf um den Kunden wird der Preiskampf weiter an Schärfe zunehmen - mit entsprechenden Folgen für die Margen der Unternehmen", erwartet Fuß.

"Die betroffenen Hersteller werden daher jetzt in Europa einen noch härteren Sparkurs einschlagen. Produktionskapazitäten werden zurückgefahren, Zeitarbeitsverträge werden gekündigt, Arbeitszeiten reduziert". Letztlich führt aus Fuß' Sicht kein Weg daran vorbei, dass Kapazitäten deutlich angepasst werden: "Werksschließungen in Europa sind überfällig - das ist sehr hart für die Mitarbeiter, aber angesichts der anhaltend schlechten Konjunkturentwicklung in Europa sind solche strukturellen Maßnahmen für die krisengeplagten Hersteller die einzige Möglichkeit, wieder Boden unter die Füße zu bekommen". Ihre Chance bestehe darin, auf niedrigem Niveau durch die Krise zu kommen. Dabei dürften nach Fuß' Einschätzung auch Kooperationen eine zunehmende Rolle spielen.

Starkes Wachstum in China und den USA

Anders als in Europa, stehen die Zeichen in den USA und China nach wie vor auf Wachstum. In beiden Ländern konnten die japanischen, deutschen und koreanischen Hersteller deutlich mehr Autos im abgelaufenen Quartal verkaufen als im Vorjahr. Bei den deutschen Herstellern lag das Plus jeweils bei 19 Prozent.

"Wachstum findet derzeit nur außerhalb Westeuropas statt", stellt Fuß fest. "Viele Hersteller konnten mit dem Absatzwachstum in den USA und Asien die Rückgänge in Europa mehr als ausgleichen". Er erwartet, dass die positive Entwicklung auf diesen beiden wichtigen Märkten im weiteren Jahresverlauf anhält - allerdings nehmen auch dort die Absatzrisiken zu. "Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft lässt nach, und in den USA könnten nach den Präsidentschaftswahlen im November Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung eingeführt werden, die auch dort das Wachstum dämpfen dürften".

Deutsche Hersteller trotz Gewinnrückgang auf gutem Weg

Die deutschen Hersteller mussten - bei steigenden Umsätzen - einen Gewinnrückgang hinnehmen, der allerdings weniger auf die Krise in Europa, als vielmehr auf Sondereffekte, hohe Investitionen und Anlaufkosten für neue Modelle zurückzuführen war. Der Gewinn ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent von 8,6 auf 7,8 Milliarden Euro zurück. Der daraus resultierende Rückgang der EBIT-Marge (von 10,1 auf 8,1 Prozent) ist nach Fuß' Meinung aber kein Grund zur Besorgnis: "Die deutschen Autokonzerne wirtschaften nach wie vor überaus profitabel. Und viel deutet darauf hin, dass sich die Gewinnmarge der deutschen Hersteller in der zweiten Jahreshälfte wieder erhöhen wird".

Allerdings sieht er angesichts der großen Bedeutung des westeuropäischen Marktes für die deutschen Hersteller durchaus Risiken: "Kein Hersteller kann sich der Krise gänzlich entziehen, und auch der deutsche Markt zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche. Daher tun auch die erfolgsverwöhnten deutschen Hersteller gut daran, auf Sicht zu fahren. Sie behalten die Entwicklung aufmerksam im Auge, um schnell reagieren zu können. Und sie stellen sich bereits jetzt mit Kostensenkungs- und Flexibilisierungsmaßnahmen auf schwierigere Zeiten ein".

Immerhin: Auch im zweiten Quartal war BMW der profitabelste Autokonzern mit einer EBIT-Marge von 11,8 Prozent - allerdings dicht gefolgt von Hyundai (11,4 Prozent) und Kia (9,7 Prozent). Daimler belegt mit 7,8 Prozent den vierten Platz im Profitabilitäts-Ranking, Volkswagen mit 6,8 Prozent den sechsten Platz.

Spaltung der Branche verfestigt sich

Das Gefälle zwischen den Herstellern wird immer größer, eine aus Fuß' Sicht besorgniserregende Entwicklung: "Die Autoindustrie entwickelt sich zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: Während die Premiumhersteller und die koreanischen Anbieter auf Rekordwerte bei Absatz und Umsatz zusteuern, stehen gerade die europäischen Volumenhersteller vor massiven Problemen".

"Einige Hersteller fahren hingegen schon heute buchstäblich auf den Felgen. Und ein Ende der Krise in Europa ist noch nicht absehbar". Diese Entwicklung sei umso besorgniserregender, als gerade jetzt hohe Investitionen in Zukunftstechnologien anstehen: "Die Unternehmen müssen Milliardensummen in die Entwicklung alternativer Antriebe stecken, und sie müssen in Kooperation mit Technologie- und Telekommunikationsunternehmen zügig an der besseren Vernetzung der Fahrzeuge mit der Umgebung arbeiten. Auch das kostet Geld und bindet Ressourcen. Wem aber jetzt das Geld ausgeht, der kann nicht in investieren und wird morgen der Verlierer sein".

Fuß fasst zusammen: "Weltweit gesehen bleibt die Automobilindustrie mittelfristig ein Wachstumsmarkt - in dem sich allerdings die Gewichte stark verschieben. Und heute werden die Weichen gestellt für Erfolg oder Misserfolg in der kommenden Dekade - derzeit spricht sehr viel dafür, dass die deutschen Konzerne auf der Gewinnerseite stehen werden".

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsor-ganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 152.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steu-erberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Im-mobilienberatung.

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