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Pressemitteilung BoxID: 349010 (Ernst & Young AG)
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Deutsche Großbanken mit starkem Gewinnrückgang - neue Belastungen drohen

Gewinne fast halbiert / Gestiegene Risikovorsorge belastet Institute / Schwächere Entwicklung auch im operativen Geschäft / Aber Kernkapitalquoten und Eigenkapitalausstattung steigen / Banken immer noch mit 143 Milliarden in Krisenstaaten engagiert

(lifePR) (Stuttgart, ) Die deutschen Groß- und Landesbanken kämpfen gegen die Auswirkungen der Schuldenkrise und der Konjunkturflaute: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichneten sie einen Gewinnrückgang um 42 Prozent von 9,3 auf 5,4 Milliarden Euro.

Belastend wirkten sich dabei die schwächelnde Konjunktur aus - aus Sorge vor steigenden Kreditausfällen erhöhten die Banken die Risikovorsorge deutlich: um 52 Prozent von 1,7 auf 2,5 Milliarden Euro.

Um sich für schwierigere Zeiten zu wappnen, drücken viele Banken auf die Kostenbremse: Der Verwaltungsaufwand sank insgesamt um 1 Prozent. Rückläufig ist auch die Beschäftigung: Die Zahl der Mitarbeiter sank im Verlauf der ersten sechs Monate des Jahres um 1,4 Prozent.

Neben der schwächeren Konjunkturentwicklung in Deutschland, die eine höhere Risikovorsorge erfordert, drohen den Banken vor allem weitere Belastungen aus ihren Engagements in den Krisenländern: In Spanien, Italien, Portugal, Irland und Griechenland haben die deutschen Groß- und Landesbanken insgesamt Kredite und in Höhe von 143 Milliarden Euro vergeben.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die auf den Jahresberichten von 13 deutschen Groß- und Landesbanken basiert.

Hohe Engagements in Krisenstaaten und Schiffsfinanzierungen

Trotz zum Teil hoher bereits erfolgter Abschreibungen und trotz des Bemühens vieler Banken, ihre Risikopositionen zu reduzieren, sind die deutschen Groß- und Landesbanken immer noch in erheblichem Umfang in den europäischen Krisenländern (Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien, kurz: GIIPS) engagiert: Insgesamt stehen Kredite und Anleihen in Höhe von insgesamt knapp 143 Milliarden Euro in den Büchern der Banken. Dabei fallen die Kredite in Spanien und Italien mit 57 bzw. 54 Milliarden Euro am stärksten ins Gewicht. In Griechenland sind die Banken hingegen nur noch mit 1,8 Milliarden Euro engagiert.

"Die meisten Banken verfolgen derzeit das Ziel, sich von inzwischen zum Teil hochriskanten Kreditengagements in den Krisenländern zu trennen. Griechenland spielt dabei aber kaum noch eine Rolle - die hohen Abschreibungen von ca. 75 Prozent auf griechische Staatsanleihen sind verarbeitet - von dieser Seite drohen also kaum noch Risiken", resümiert Dirk Müller-Tronnier, Leiter des Bankenbereichs bei Ernst & Young.

Deutlich mehr Sorge bereitet die Konjunkturentwicklung in Spanien und Italien, wo Unternehmenskredite in Höhe von insgesamt knapp 50 Milliarden Euro in den Büchern der Banken stehen. Hinzu kommen Staatsanleihen im Wert von 36,5 Milliarden Euro und Kredite an Banken in Höhe von 25,3 Milliarden Euro. "Solange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern", so Müller-Tronnier.

Und auch von anderer Seite drohen weitere Belastungen: Die Krise der Schifffahrtsbranche birgt erhebliche Risiken für diejenigen Institute, die sich stark in der Schiffsfinanzierung engagiert haben - insgesamt dürften deutsche Banken in diesem Bereich Kredit-Engagements in Höhe von über 100 Milliarden Euro in ihren Büchern haben.

Gewinne fast halbiert

Bereits in der ersten Jahreshälfte waren die Gewinne der Banken stark unter Druck: Das kumulierte Nettoergebnis (Konzernergebnis vor Steuern) der untersuchten Banken ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent von 9,3 auf 5,4 Milliarden Euro gefallen. 11 der 13 untersuchten Banken wiesen geringere Konzernergebnisse als im Vorjahr aus, eine Bank schrieben im ersten Halbjahr rote Zahlen. Das mit Abstand höchste Konzernergebnis konnte die Deutsche Bank verbuchen, die im ersten Halbjahr vor Steuern 2,8 Milliarden Euro verdient hat - das waren allerdings knapp 2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

Die niedrigen Zinsen und die Zurückhaltung der Anleger angesichts der unsicheren Entwicklung an den Kapitalmärkten haben sich negativ auf die Einnahmen der Banken ausgewirkt: Die Zinsüberschüsse sanken um 7 Prozent, die Provisionsüberschüsse um 10 Prozent.

Immerhin konnten die Banken aber ihre Kernkapitalquoten erhöhen: Die durchschnittliche Kernkapitalquote der untersuchten Banken stieg im Lauf des ersten Halbjahrs gegenüber um 1,1 Prozentpunkte auf durchschnittlich 12,6 Prozent. 11 Banken verzeichneten eine gestiegene Kernkapitalquote, eine Bank eine gesunkene und bei einer Bank blieb sie unverändert.

Auch die Eigenkapitalausstattung der Banken hat sich erhöht: um 4,1 Prozent auf 150 Milliarden Euro. 11 der 13 untersuchten Banken verfügten zur Jahresmitte über mehr Eigenkapital als zu Jahresbeginn.

Trübe Aussichten: Gewinnrückgang erwartet

Müller-Tronniers Ausblick auf den Rest des Jahres 2012 fällt skeptisch aus: "Die Banken stehen vor schwierigen Monaten: Die Konjunktur in Deutschland bereitet zunehmend Sorgen - steigende Insolvenzzahlen erhöhen das Risiko von Kreditausfällen. Hierfür müssen die Banken vorsorgen, was wiederum die Gewinne drückt. Daneben wird auch die nötige höhere Liquiditätsbevorratung die Ertragsentwicklung bremsen". Hinzu kämen die niedrigen Zinsen, die zu schrumpfenden Zinserträgen führten.

Zudem bleibe die weitere Entwicklung in der Eurozone auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht weitgehend unberechenbar, so Müller-Tronnier: "Europa ist noch weit von einer nachhaltigen Lösung des Schuldenproblems entfernt. Da die Konzernergebnisse der Banken stark von der Entwicklung der Euro- und Staatsschuldenkrise sowie deren Auswirkungen auf die Kapitalmärkte beeinflusst werden, sind die Aussichten für die Banken von größeren Unsicherheiten geprägt. Gewinne wie im Vorjahr dürften für die meisten Banken kaum zu erzielen sein".

Banken treten auf die Kostenbremse - weniger Mitarbeiter

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase, die auch in den kommenden Monaten und Jahren die Gewinne der Banken drücken dürfte, und der drohenden Belastungen aus Schuldenkrise und Konjunkturschwäche schnallen die Banken den Gürtel enger: Die Gesamtzahl der Beschäftigten sank im Verlauf der ersten sechs Monate des Jahres um 1,4 Prozent von 228.300 auf 225.000.

Müller-Tronnier sieht die Banken daher weiter auf Schrumpfkurs: "Vor den Banken liegen magere Jahre. Sie treten daher kräftig auf die Kostenbremse. Alle Kostenarten müssen auf den Prüfstand gestellt werden - einschließlich der Personalausgaben. Zudem trennen sich die Banken im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft von Randaktivitäten - was ebenfalls zu rückläufigen Beschäftigungszahlen führt".

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 152.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

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