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Chinesen lieben deutsche Autos: Marktanteil deutscher Autobauer in China steigt auf Rekordniveau

(lifePR) (Frankfurt, ) .
- Deutsche Autokonzerne im dritten Quartal mit weltweit stärkstem Umsatz-, Absatz- und Gewinnwachstum
- BMW und Daimler weltweit profitabelste Hersteller
- Weltweite Autokonjunktur trübt sich ein

Deutschlands Autokonzerne erzielten im abgelaufenen dritten Quartal neue Rekordwerte bei Umsatz, Gewinn und Absatz - und konnten in allen drei Disziplinen der Konkurrenz aus Fernost, den USA und Europa die Rücklichter zeigen. Vor allem auf dem chinesischen Markt lief es für die deutschen Autobauer sehr gut: Sie steigerten ihre Verkäufe um 11 Prozent, der Marktanteil erreichte im bisherigen Jahresverlauf mit 23,1 Prozent einen neues Rekordniveau. Im laufenden Jahr verkauften die deutschen Autokonzerne jedes dritte Auto im Reich der Mitte - China ist damit der mit Abstand größte Einzelmarkt für die deutschen Autohersteller.

Nicht zuletzt aufgrund des nach wie vor starken Wachstums des chinesischen Neuwagenmarktes konnten die 16 größten Autokonzerne der Welt ihre Verkäufe im dritten Quartal um 3 Prozent steigern - die deutschen Hersteller schafften sogar ein Plus von 5 Prozent. Allerdings lag das Marktwachstum damit niedriger als im zweiten Quartal, als das weltweite Absatzwachstum bei 4 Prozent gelegen hatte, und deutlich unter dem Zuwachs des ersten Quartals (plus 7 Prozent). Die weltweite Automobilkonjunktur schwächt sich also ab.

Das Nachlassen des weltweiten Marktwachstums spüren auch die deutschen Autobauer, die ihre Verkäufe im ersten Quartal noch um 8 Prozent hatten steigern können und im zweiten Quartal noch ein Plus von 6 Prozent erzielten. Im dritten Quartal legten sie nur noch um 5 Prozent zu, übertrafen damit aber die Konkurrenz aus Frankreich und Südkorea (jeweils plus 3 Prozent) sowie diejenige aus den USA und Japan (jeweils plus 2 Prozent) deutlich.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) quartalsweise erstellt.[1]

Auch beim Umsatzwachstum hatten die deutschen Konzerne im dritten Quartal die Nase vorn: Während die 16 untersuchten Automobilkonzerne ihren Gesamtumsatz um 4 Prozent steigerten, gelang den deutschen Autobauern zusammen ein Plus von 6 Prozent. Umsatzstärkster Autokonzern ist nach wie vor Volkswagen mit 48,9 Milliarden Euro vor Toyota und Daimler (47,3 bzw. 33,1 Milliarden Euro).

Beim Pkw-Absatz hingegen liegt weiterhin Toyota mit 2,52 Millionen verkauften Fahrzeugen in Führung - vor General Motors (2,45 Millionen) und Volkswagen (2,32 Millionen). Innerhalb des Führungstrios verzeichnete Volkswagen mit 5 Prozent den stärksten Zuwachs - Toyota und General Motors konnten ihren Absatz nur um 1 bzw. 2 Prozent steigern.

Toyota behauptete mit einem EBIT von umgerechnet 4,8 Milliarden Euro auch beim Gewinn seine Position an der Spitze der Rangliste. Die folgenden Plätze im Gewinnranking belegen die deutschen Autokonzerne: Daimler mit 3,7 Milliarden Euro, Volkswagen mit 3,2 Milliarden Euro und BMW mit 2,3 Milliarden Euro.

Deutsche Konzerne mit Gewinnsprung - BMW und Daimler am profitabelsten

Insgesamt konnten die deutschen Hersteller ihren Gewinn um ein Drittel (33 Prozent) steigern, die operative Gewinnmarge stieg von 7,2 auf 9,1 Prozent. Weltweiter Spitzenzreiter im Ranking der profitabelsten Autokonzerne bleibt BMW: Der bayerische Autobauer steigerte die Marge von 10,3 auf 11,5 Prozent. Daimler belegt dank eines starken Anstiegs der Marge von 7,4 auf 11,3 Prozent nun den zweiten Platz vor Toyota (10,1 Prozent; Vorjahr: 9,4 Prozent).

"Die Maßnahmen zur Kostensenkung und die Produktoffensiven zeigen Wirkung", stellt Peter Fuß, Partner bei EY, fest: "Die Gewinnmargen der deutschen Autokonzerne steigen wieder - und das, obwohl die Unternehmen massiv in neue Technologien und Produkte investieren."

Die Bemühungen der deutschen Hersteller, ihre Kostenstruktur zu optimieren, seien damit aber längst noch nicht abgeschlossen, erwartet Fuß: "Der Kostendruck wird anhalten und sich sogar eher noch verstärken, gerade angesichts der ungewissen Konjunkturaussichten. Es spricht viel dafür, dass der Höhepunkt der weltweiten Erholung des Automobilmarktes hinter uns liegt. Jetzt kommen wieder schwierigere Zeiten."

Siegeszug der deutschen Konzerne in China hält an

Wachstumsmotor der weltweiten - und vor allem der deutschen - Autobranche war auch im dritten Quartal China: Im laufenden Jahr wuchs der chinesische Pkw-Markt um 10 Prozent, die deutschen Hersteller legten dort sogar um 16 Prozent zu. Ihr Marktanteil erreichte in den ersten drei Quartalen des Jahres den neuen Rekordwert von 23,1 Prozent - nach 21,7 Prozent im Jahr 2013. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 lag der Marktanteil der deutschen Autokonzerne auf dem chinesischen Pkw-Markt nur bei 15,1 Prozent. Damals verkauften die deutschen Autobauer im Reich der Mitte insgesamt 1,56 Millionen Fahrzeuge, in den ersten drei Quartalen dieses Jahres waren es bereits 3,27 Millionen - das sind mehr als doppelt so viele wie im Gesamtjahr 2009.

Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im laufenden Jahr in China stärker wachsen als der Markt, am stärksten legte Daimler mit einem Absatzplus von 28 Prozent (BMW: 18 Prozent; Volkswagen: 15 Prozent) zu.

Mit ihrem Erfolg auf dem chinesischen Absatzmarkt wächst allerdings auch die Abhängigkeit der deutschen Hersteller von China: Im Jahr 2009 verkauften die deutschen Autobauer noch 18 Prozent ihrer Fahrzeuge in China - im Jahr 2013 waren es 30 Prozent, im laufenden Jahr sogar 32 Prozent. "Nie war die deutsche Autobranche so abhängig von China wie heute", kommentiert Fuß die Entwicklung. "Jedes dritte Auto verkaufen die deutschen Autokonzerne inzwischen in China - Tendenz weiter steigend. Denn mit dem anhaltenden Wirtschaftswachstum Chinas wächst auch die kaufkräftige und statusbewusste Mittel- und Oberschicht." Zwar werde sich der chinesische Automarkt in absehbarer Zeit normalisieren - zweistellige Zuwachsraten werden dann der Vergangenheit angehören -, und auch die Margen dürften sinken. Dennoch betont Fuß: "China bleibt mittelfristig ein hoch attraktiver Wachstumsmarkt." Gerade die deutschen Autokonzerne seien auf dem chinesischen Markt nach wie vor gut positioniert, ergänzt Fuß: "Made in Germany steht in China immer noch hoch im Kurs."

Allerdings sei China kein Markt wie jeder andere. Das zeigten gerade die vergangenen Monate, als chinesische Behörden verstärkt ausländische Autokonzerne ins Visier nahmen und zuletzt dafür sorgten, dass die Autobauer ihre Preise für Ersatzteile senken und Kartellstrafen zahlen mussten bzw. müssen. "Ausländische Autobauer - gerade im Premiumsegment - spüren derzeit in China kräftigen Gegenwind."

Weltweite Autokonjunktur schwächt sich ab - Baustelle US-Markt

Ohne den stabilen Wachstumsmarkt China wäre die aktuelle Situation der weltweiten Autobranche allerdings deutlich weniger gut. Denn trotz einer zaghaften Erholung im laufenden Jahr liegen die Absatzzahlen auf dem westeuropäischen Neuwagenmarkt nach wie vor weit unter dem Vorkrisenniveau. Und nicht nur die einstigen Hoffnungsträger Brasilien und Indien fallen mit einer Absatzentwicklung von minus 9 Prozent bzw. 0 Prozent in diesem Jahr als Wachstumstreiber aus. Große Sorgen bereitet vor allem der russische Markt: In den ersten drei Quartalen gingen die Verkäufe in Russland - dem sechstgrößten Absatzmarkt der Welt - um 13 Prozent zurück, im September sogar um 20 Prozent.

"Es ist nicht nur der aktuelle Einbruch auf dem russischen Absatzmarkt, der wehtut", beobachtet Fuß. Hinzu komme, dass die aktuellen Spannungen mit Russland die mittel- und langfristige Wachstums- und Investitionsstrategie vieler Unternehmen infrage stellten: "Russland galt lange Zeit als ein sehr vielversprechender Automarkt und als beliebtes Investitionsziel internationaler Autokonzerne. Davon kann derzeit keine Rede mehr sein - jetzt müssen die Konzerne mit ihren Investitionsplanungen darauf reagieren und eventuell sogar Überkapazitäten abbauen."

Für die deutschen Hersteller sei derzeit der US-Markt die wichtigste Baustelle, so Fuß: "In den USA verkaufen sich die deutschen Autobauer unter Wert." Ihr Marktanteil auf dem Pkw-Markt liege bei gerade einmal 7,8 Prozent (2013: 8,5 Prozent) und sinke weiter. "In den USA drohen die deutschen Autokonzerne Wachstumschancen zu verpassen. Bislang hat der Erfolg in China die Schwäche in den USA überdeckt. Sollte sich aber das Wachstum in China abschwächen, könnte sich die geringe Präsenz der deutschen Autobauer auf dem US-Markt bitter rächen."

[1] Für die Studie wurden die Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der Autokonzerne (inkl. Finanzdienstleistungen) für die Monate Juli bis September 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum analysiert.