Montag, 25. Juni 2018


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Medizin auf neuen Wegen

Wie lassen sich Wirbelkörperfrakturen behandeln?

Riesa, (lifePR) - Knapp acht Millionen Menschen über 50 Jahren leiden in Deutschland unter Osteoporose.[1] Im fortgeschrittenen Stadium gehören Wirbelkörperfrakturen zu den häufigsten Komplikationen dieser Stoffwechselerkrankung der Knochen. Folge: Betroffene leiden unter Schmerzen bei jeder Bewegung und gehen zumeist in gebückter Haltung. Für die Behandlung solcher Brüche haben Experten in den letzten 20 Jahren auf unterschiedliche operative Verfahrenstechniken zurückgegriffen. Aus der Vertebroplastie entwickelte sich in den 90er-Jahren die Ballonkyphoplastie und seit 2009 steht mit der Radiofrequenz-Kyphoplastie eine sanftere minimalinvasive Methode bereit. "Im Gegensatz zu älteren Techniken lindern moderne Methoden nicht nur Schmerzen, sondern richten auch eingebrochene Wirbelkörper schonend wieder auf", betont Carsten Reichel, Neurochirurg im Krankenhaus Riesa. Doch wie unterscheiden sich die verschiedenen Techniken im Detail?

Erste Schritte und Erfahrungen

In den 80er-Jahren behandelten Mediziner Wirbelkörperfrakturen mit Bettruhe, Medikamenten und im Anschluss mithilfe eines Stützkorsetts. Da diese Art der Therapie nicht zu entsprechenden Erfolgen führte, entwickelten zwei französische Radiologen namens Gilbert und Deramond die sogenannte Vertebroplastie, um Wirbelkörper zu stabilisieren. "Ärzte injizieren ihren Patienten dazu flüssigen Knochenzement in den betroffenen Wirbelkörper, um den Bruch aufzufüllen und Schmerzen zu lindern", weiß Carsten Reichel. "Bei dieser Anwendung besteht jedoch die Gefahr, dass dieser niedrig visköse Zement in die umliegenden Venen abfließt und Verschlüsse oder Embolien hervorruft." Außerdem führen Risse im schlimmsten Fall dazu, dass der Zement in den unmittelbar dahinter liegenden Rückenmarkskanal austritt und dort Verletzungen der Nerven bis hin zu Lähmungen und Querschnittssyndromen verursacht.

Ballon führt zu mehr Sicherheit

Um den Austritt des Knochenzements zu umgehen, entwickelte der amerikanische Orthopäde Dr. Mark Reiley das Verfahren der Ballonkyphoplastie. "Dabei wird mit einem speziellen Ballon ein großer Hohlraum geschaffen, in den der Zement appliziert wird. Dadurch tritt weniger Zement aus", erklärt Carsten Reichel. Vorteil: Neben Schmerzreduktion stabilisiert die Methode eingebrochene Wirbelkörper und richtet diese wieder auf. Nachteil: Der durch den Ballon geschaffene Hohlraum verpresst auch gesunde Knochenstrukturen des Wirbels, welche darunter stark leiden.

Fortschritt dank viskösem Zement

Bei der Neuentwicklung der Radiofrequenz-Kyphoplastie handelt es sich um ein Verfahren, das die positiven Aspekte seiner Vorgänger miteinander verknüpft. Um Zementaustritte zu vermeiden, arbeiten Ärzte bei dieser Technik mit einem neuartigen teigähnlichen Zement, der keinen umschließenden Ballon erfordert. "Über einen kleinen Schnitt führen wir eine Kanüle an die betroffene Stelle heran und spritzen den viskosen Knochenzement in die porösen Wirbelstrukturen", betont der Neurochirurg. "Unter Einstrahlung von Radiofrequenz-Energie härtet dieser Zement an Ort und Stelle sofort aus und stabilisiert die kranken mit den gesunden Knochenanteilen, ohne umliegende Strukturen zu beschädigen." Weitere Vorteile: Neben einer sicheren Schmerzbehandlung besteht die Möglichkeit einer gezielten und schonenden Wirbelkörperaufrichtung. Im Gegensatz zur Ballonkpyhoplastie kann der Eingriff in Lokalanästhesie erfolgen. Davon profitieren besonders ältere und schwerkranke Patienten, denn die Operationsdauer verringert sich mit etwa 20 Minuten pro Wirbel um knapp die Hälfte der herkömmlichen Zeit. Mit der Radiofrequenz-Kyphoplastie steht Betroffenen somit ein innovatives minimalinvasives Verfahren zur Verfügung, das bei kurzer Behandlungsdauer eine rasche Mobilisation und eine schnelle Rückkehr in den Alltag ermöglicht.

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