Freitag, 19. Januar 2018


  • Pressemitteilung BoxID 647605

Deutsche Banken von EZB-Negativzinsen besonders betroffen

Frankfurt am Main, (lifePR) -
EZB-Vertreter haben zur März-Zinssitzung eine Anpassung der Forward Guidance erwogen - Spekulationen über Anhebung des Einlagesatzes
Europäische Banken in sehr unterschiedlichem Maße vom negativen Einlagesatz betroffen – Überschussliquidität konzentriert sich in Kerneuropa
Das Argument, durch einen negativen Einlagesatz die Banken zu einer vermehrten Kreditvergabe zu drängen, ist wenig überzeugend


Seit EZB-Chef Draghi im Rahmen der März-Zinssitzung hat durchblicken lassen, dass die Währungshüter eine Anpassung ihrer Forward Guidance erwogen haben, sind vermehrt Spekulationen aufgekommen, wie eine Verminderung des geldpolitischen Stimulus vollzogen werden könnte. Marktseitig wurde hierbei vor allem über eine Erhöhung des EZB-Einlagesatzes spekuliert. Doch widersprüchliche Signale von Seiten der verschiedenen Notenbankvertreter haben zu deutlichen Schwankungen bei den EONIA-Forwards geführt.

Unter anderem aufgrund der EZB-Anleihekäufe ist die Überschussliquidität im Euroraum zwischenzeitlich auf über 1,5 Billionen Euro angewachsen. Die im Markt befindliche Zentralbankliquidität ist aber sehr heterogen zwischen den verschiedenen Euroländern verteilt. Über 70% der Überschussliquidität konzentriert sich bei deutschen, französischen und niederländischen Geldinstituten. Die deutschen Geschäftsbanken halten signifikant mehr Zentralbankliquidität bei der Bundesbank als sie im Zuge der Tenderoperationen nachfragt haben oder ihnen im Rahmen der Anleihekäufe zugeflossen ist. Dies deutet daraufhin, dass ausländische Investoren in größerem Umfang Liquidität bei deutschen Geldinstituten parken. Dies hat wiederum zur Folge, dass deutsche Geschäftsbanken im Vergleich zu den übrigen europäischen Geldinstituten übermäßig durch den negativen Einlagesatz belastet werden. Doch nicht nur dieser Umstand spricht unserer Einschätzung nach dafür, den negativen Einlagensatz zu überdenken.

Vielmehr halten wir auch das Argument, wonach durch einen negativen Einlagesatz die Geschäftsbanken zu einer vermehrten Kreditvergabe gedrängt werden sollen, für wenig überzeugend. So lässt sich zeigen, dass die Geldinstitute in der europäischen Peripherie in vergleichsweise geringem Umfang Überschussliquidität bei ihrer jeweiligen Notenbank parken. Vor diesem Hintergrund besteht für diese Banken keine Veranlassung, zur Vermeidung der EZB-Strafzinsen ihre Kreditvergabe auszuweiten. Demgegenüber entwickelt sich die Kreditvergabe in Kerneuropa vergleichsweise robust, so dass es von dieser Seite keiner zusätzlichen Impulse der EZB bedarf. Angesichts dessen halten wir es für sinnvoll, dass die Notenbank den negativen Einlagesatz, als Teil ihrer außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen im Kampf gegen die Deflationsrisiken, etwas anhebt. In diesem Zusammenhang prognostizieren wir eine Erhöhung des Einlagesatzes auf -0,25% von derzeit -0,40% im Herbst.

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