Stellungnahme der Diakonie in Niedersachsen zum Gute-Kita-Gesetz

(lifePR) ( Stuttgart, )
Das Land plant, nur einen Bruchteil der Bundesmittel für Qualität in Kitas einzusetzen. Die Diakonie in Niedersachsen warnt: So können wir dem Mangel an Erzieherinnen und Erzieher nicht entgegenwirken.

Einen beitragsfreien Kindergartenbesuch gibt es in Niedersachsen bereits seit 1.August 2018. Als familienpolitische Maßnahme entlastet er zwar die Eltern finanziell, bewirkt jedoch keinerlei Verbesserung der Betreuungsqualität in den Kitas.

Von den 525 Mio. Euro für Niedersachsen sollen laut HAZ vom 17.12.2018 nur 61 Mio. Euro für Verbesserungen der Qualität in den Kindertagesstätten eingesetzt werden, also nur knapp zwölf  Prozent.

„Wir haben gehofft, dass das Land die vielstimmigen Forderungen nach einer Steigerung der Qualität aufgenommen hat“, so Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. „Insofern sind wir enttäuscht. Es ist zwar gut, dass das Land die Eltern finanziell entlastet hat. Wenn ein Bundesland die Beitragsfreiheit verspricht, sollte sie diese allerdings auch aus der eigenen Tasche bezahlen.“ Lenke ist überzeugt: „Nur mit verbesserten Rahmenbedingungen können wir wieder genügend pädagogische Fachkräfte für die Einrichtungen gewinnen.“

Der Ausbau der Betreuungssysteme ist auch in Niedersachsen in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich vorangetrieben worden: Zum Stichtag 1. März wurden im Jahr 2013 noch 275 905 Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut, 2018 waren es bereits 308 574.

„Die Steigerung der Plätze um knapp zwölf Prozent belegt die großen Anstrengungen der Kommunen, hinreichend Plätze für alle Kinder in Niedersachsen zu schaffen. Ohne qualifizierte pädagogische Fachkräfte können die Kinder jedoch nicht gut betreut werden. Nach unseren Erfahrungen verlassen viele junge Fachkräfte in den ersten Berufsjahren wieder die Einrichtungen. Die Kommunen können oftmals nur die personelle Mindestausstattung bezahlen. Das ist zu wenig. Diese Standards sind über 25 Jahre alt und müssen dringend nachgebessert werden.“

Statt die Beitragsfreiheit zu refinanzieren, muss bei der Verwendung der neuen Bundesmittel aus dem Gute-KiTa-Gesetz (Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung) nun gelten, was der vollständige Gesetzesname besagt:  Die Gelder müssen der Qualität in den Kitas dienen. Mehr Qualität für das Kind ist jetzt vordringlich.

Darum fordern wir als Diakonie in Niedersachsen, dass die Bundesmittel aus dem Gute-KiTa-Gesetz in Niedersachsen zuallererst in die Verbesserung der Personalschlüssel investiert werden. Das bedeutet:


Mehr Erzieherinnen und Erzieher in den Gruppen im direkten pädagogischen Kontakt mit den Kindern und
angemessene Freistellungszeiten für die Kita-Leitungen, um die Arbeit der Einrichtungen gut planen und steuern zu können.


Mehr Fachpersonal kommt unmittelbar den Kindern zugute und erhöht zugleich die Attraktivität des Arbeitsplatzes Kita. Dieser Ausbau kann und muss stufenweise erfolgen, indem die vorgeschriebene Fachkraft-Kind-Relation in den Gruppen fortschreitend erhöht wird. Das Land muss hierfür auch eigene Mittel einsetzen. „Das wäre eine gute Qualitätsoffensive“, sagt Lenke.

Die übrigen Mittel sollten im Bereich der Fachkräftegewinnung eingesetzt werden. Dazu gehört besonders eine verbesserte Praxisanleitung der angehenden Erzieher und Erzieherinnen in den Kitas durch ausgebildete Praxismentoren mit entsprechender zusätzlicher zeitlicher Ausstattung, die aus den Bundesmitteln finanziert werden könnte.

Ebenso gehört dazu die Schulgeldfreiheit in den Fachschulen für Sozialpädagogik.

Weitere Zahlen und Fakten:

Die Beitragsfreiheit im ersten und zweiten Kindergartenjahr ab 1.August 2018 verursacht nach den Vorabschätzungen des Landes Kosten in Höhe von 311 Mio. € in 2019, steigend auf 441 Mio. € in 2022. Das Land Niedersachsen hat hier also kurzfristig und dauerhaft um ein Vielfaches höhere Beträge bereitgestellt als für bisherige Maßnahmen der Qualitätsverbesserung eingesetzt wurden.

Zum Vergleich: Für rund 224 Mio. € jährlich hätte jede der etwa 5 100 Kitas in Niedersachsen (mit 308 574 Plätzen) je eine zusätzliche Fachkraft beschäftigen und vollfinanzieren können.

Weit über 1000 Kindertagesstätten in Niedersachsen sind in kirchlicher Trägerschaft.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.