Karin Beier zur Hamburger »Erklärung der Vielen«

(lifePR) ( Hamburg, )
Am 9/11/2018 unterzeichnete das Deutsche SchauSpielHaus Hamburg gemeinsam mit zahlreichen anderen kulturellen Einrichtungen und Intitativen die Hamburger »Erklärung der Vielen«. Die Intendantin Karin Beier begründet dies wie folgt:

"Wer hätte vor wenigen Jahren, vielleicht sogar Monaten, damit gerechnet, dass gewählte Politiker von der "Entsiffung des Kulturbetriebs" (Marc Jongen, AfD) sprechen? Dass wir nach Vorstellung der AfD "...stets auch deutsche Stücke spielen" sollen und sie am besten "so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen" (Hans-Thomas Tillschneider, AfD, Landtag Sachsen, Oktober 2018)? Wer hätte damit gerechnet, dass die Freiheit der Kunst derart unverblümt zur Disposition gestellt wird?

Die AfD und die sogenannte "Identitäre Bewegung" haben es in den letzten Monaten verstärkt auf die Kunst- und Kulturbetriebe abgesehen. Das Bündnis, das wir heute eingehen, ist ein wichtiger Schritt, sich diesen Entwicklungen anzunehmen, uns gegenseitig zu schützen und zu unterstützen. Weitere Schritte sollen folgen, darauf haben wir uns mit der »Erklärung der Vielen« verständigt.

Was kann das konkret bedeuten? Inhaltlich müssen wir uns selbstverständlich auch weiterhin mit den Symptomen rechter Ideologien auseinandersetzen, mit Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus, u.v.m. Sehr viele Inszenierungen auf unseren Spielplänen tun das bereits.

Wir dürfen aber nicht bei der Verhandlung dieser Symptome stehen bleiben. Rechte Parteien und Organisationen gewinnen nicht an Einfluss, weil sie die Kunst angreifen. Sie erhalten immer mehr Zuspruch, weil sie die massiven gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit geschickt für ihre Zwecke nutzen. Und ihr Selbstvertrauen wird weiter anwachsen, wenn wir diese Probleme nicht ernst nehmen und sie konsequent verhandeln.

Ein wichtiger Schritt wird es deshalb sein, der Diversität unserer Gesellschaft mehr Rechnung zu tragen. Dies gilt für die künstlerische Auseinandersetzung ebenso, wie für die Reflexion unserer eigenen Strukturen. Projekte wie »New Hamburg«, das wir bereits seit 2014 in Kooperation mit dem Kirchenkreis Hamburg-Ost, der Kirchengemeinde auf der Veddel und ihren Bewohner*innen realisieren, ermöglichen das. Hier werden der Deutschtümelei und nationalistischen Machtphantasien positive Konzepte von Gesellschaft entgegengesetzt, zum Beispiel das der "Solidarischen Stadt", das im Mittelpunkt des New-Hamburg-Festivals im September stand.

Abschließend möchte ich anmerken, dass die Situation in Hamburg noch als vergleichsweise gut gelten kann. Die, die sich für eine freie und diverse Gesellschaft einsetzen, sind deutlich in der Überzahl. In anderen Regionen, auch in unmittelbarer Nähe, ist das allerdings nicht der Fall. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe dieses Bündnisses, uns mit Kunst- und Kulturinstitutionen an Orten zu solidarisieren, in denen die Mehrheitsverhältnisse andere sind, in denen ein "Wir sind die Vielen" keine Gewissheit ist."

Die Erklärung der Vielen ist eine bundesweite Kampagne des in Berlin gegründeten Vereins Die Vielen e.V., die am 9/11/2018 startete und sich bundesweit in Aktionen, Veranstaltungen und Diskussionen artikulieren wird. Weitere Informationen und Listen aller Unterzeichner*innen finden Sie auf www.dievielen.de. Die Hamburger Erklärung sowie die Liste der Unterzeichner*innen können Sie sich zudem im Folgenden herunterladen.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.