Energieberater fordern bessere Klimaschutzpolitik

Mut zu Veränderungen angemahnt - Netzwerktag des DEN in Kassel

(lifePR) ( Offenbach am Main, )
Mit deutlichen Worten hat das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. die Bunderegierung zu einer besseren und entschiedeneren Klimaschutzpolitik aufgefordert. Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands, einer der beiden Bundesvorsitzenden des DEN, mahnte auf dem Netzwerktag in Kassel mehr Mut zu Veränderungen an: „Die Politik reagiert nicht angemessen auf Proteste und Forderungen nach mehr Klimaschutz, wie sie aktuell besonders auf den Fridays-for-Future-Demonstrationen erhoben werden.“ Es gehe angesichts der breiten gesellschaftlichen Diskussion dieses Themenkomplexes auch seinem Netzwerk darum, seine Position zu prüfen und sich gegebenenfalls deutlich zu verorten.

Dem stimmte sein Kollege im Amt des DEN-Bundesvorsitzenden, Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, mit Hinweis auf die alltägliche Praxis zu. Man müsse wieder Vertrauen schaffen in die Energieberatung: „Wir müssen unsere Kunden so beraten, dass sie sicher sein können, für Jahrzehnte eine gute Investition in die Sanierung ihres Gebäudes getan zu haben.“ Für mehr Motivation zu Gebäudesanierungen und damit zu besserer Klimaverträglichkeit zu sorgen sei eigentlich Aufgabe der Politik, argumentierte Dannecker. Allerdings könne diese bislang nicht auf große Erfolge verweisen. Trotz millionenschwerer Werbekampagnen verharrten die Sanierungsquoten nach wie vor bei 1 % der Bestandsgebäude pro Jahr. Nötig wären mindestes 1,4 %, besser 2 %. Dannecker schlug vor, Förderungen bei Neubau und bei Sanierungen stärker differenziert zu vergeben. Wer über dem EnEV-Standard liege und deutlich Energie spare, solle Höchstförderungen bekommen.

Der Netzwerktag des DEN hielt in diesem Jahr auch ungewöhnliche Blicke und Perspektiven bereit. So stellte Prof. Dr. Jürgen Manemann, Direktor am Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover, in seinem Vortrag die Frage „Wie können wir anders leben? – Philosophische Perspektiven angesichts des Klimawandels“. Seine Antworten erwiesen sich als schonungslos und hoffnungsvoll zugleich. „Die Welt, die wir kennen, wird es zukünftig nicht mehr geben“, prognostizierte er angesichts des Klimawandels und der daraus resultierenden Umwälzungen. Andererseits warnte er vor diffuser Zukunftsangst. Selbst wenn sich die Menschen eine künftige, veränderte Welt noch nicht vorstellen könnten, hätten sie doch die Aufgabe, sie zu gestalten. Leiten sollte sie dabei eine „neue Humanökologie“, welche „Mitleidenschaft“ als wesentliches Element beinhalte. „Wir müssen das Leid der anderen Kreatur vernehmbar werden lassen“, so Manemann. Der Geisteswissenschaftler plädierte für eine größere Nähe zu den Menschen und für mehr Empfindsamkeit für die Probleme Anderer. Es hieße, Abschied zu nehmen von gewohnten Verhaltensweisen und Besitzständen.

Christian Stolte, Bereichsleiter Gebäude bei der Deutschen Energieagentur dena, stellte Perspektiven der Energiewende im Gebäudesektor anhand von Szenarien und Trends vor. Er identifizierte den Gebäudesektor als den Bereich, der neben Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Energiewirtschaft den mit über 66 % größten Einsparungsbeitrag bei den Treibhausgasemissionen werde liefern müssen. Dies ließe sich in den einzelnen Szenarien mit unterschiedlichen Energieträgern verwirklichen. Die rein elektrische Variante sei gegenüber einem Technologiemix dabei kapitalintensiver. Stolte räumte synthetischen Brennstoffen im Gebäudebereich eine wichtige Funktion ein. Auch bei der Sanierung von Gebäuden komme wissenschaftlicher Forschung eine große Rolle zu, wenn es um Vereinfachungen – etwa durch Modulbauweisen - und Kosteneffizienz gehe.

Mit Fortschritten bei Brennstoffen beschäftigten sich drei weitere Experten auf dem Netzwerktag. Jens Dörschel (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V. DEPV / Deutsches Pelletinstitut GmbH DEPI) stellte Entwicklungen bei der Nutzung von Pelletfeuerungen in energieeffizienten Gebäuden vor. Er räumte dem Energieträger Holz auch bei der Gebäudewärme eine sichere Zukunft ein, insbesondere in innovativen Anlagen. So ließen sich etwa Pelletheizungen und Luft-Wärmepumpen sehr gut kombinieren und so über die verschiedenen Jahreszeiten ein niedrigerer Energieverbrauch erzielen. Hier seien aber noch Förderungen der öffentlichen Hand vonnöten. Bei der Emission von Feinstaub zeigten sich Pelletfeuerungen Scheitholzöfen deutlich überlegen, so Dörschel.

Andreas Mahlberg (Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. IWO) sprach über „Power-to-Liquids – Flüssige Energieträger in der Energiewende“. Auch künftig würden flüssige Energieträger eine große Bedeutung haben angesichts großer Kostenvorteile gegenüber einer rein elektrischen Versorgung. Solche Energieträger ließen sich aus Wind- und Sonnenstrom leicht herstellen und bestens speichern. Mit ihrer Hilfe ließen sich Fahrzeug- und Luftverkehr deutlich klimafreundlicher gestalten. Sie könnten durchaus auch im Gebäudesektor zum Einsatz kommen.

Thomas Heller (microbEnergy GmbH) erklärte am Beispiel von Power-to-gas, wie man das Erdgasnetz grün gestalten könne. Strom aus erneuerbaren Quellen könne recht einfach durch Elektrolyse und dann durch Methanisierung zuerst in Wasserstoff und später in Methan umgewandelt und anschließend als gasförmiger Energieträger im Erdgasnetz gespeichert und transportiert werden. So ließen sich bisherige Verbrennungstechnologien weiterhin nutzen – jetzt aber klimaneutral. Schwer elektrifizierbare Bereiche wie Bestandsgebäude, der Schiffs- oder der Schwerlastverkehr ließen sich mit dieser Technologie erfolgreich dekarbonisieren.

Lutz Dorsch (Dorsch und Hoffmann GmbH Institut für Energieeffizienz) plädierte dafür, neben dem sogenannten U-Wert als Maß für die Wärmeleitfähigkeit auch Ökoindikatoren in den Blick zu nehmen. Sie sollten die für die Herstellung der Baustoffe aufgewandte sogenannte graue Energie und insbesondere die Umweltverträglichkeit der verwendeten Materialien beschreiben und beziffern. So sollten alle Bauteile erfasst und ihre Ökobilanz über ihren gesamten Lebenszyklus von der Produktion bis zur Deponierung oder zum Recycling bewertet werden. Auf diese Weise ließe sich auch im Gebäudebereich von Nachhaltigkeit als vergleichbarer Größe sprechen.
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