Informationen zum Dioxin-Fall: Häufige Fragen und Antworten

Vorkommen und Bedeutung von Dioxinen

(lifePR) ( Bonn, )
Dioxine werden als unerwünschte und manchmal unvermeidbare Verunreinigungen im Spurenbereich bei einer Vielzahl industrieller und thermischer Prozesse gebildet und wurden im Gegensatz zu anderen Chlorverbindungen wie beispielsweise PCB, DDT oder PCP nie in größeren technischen Maßstab hergestellt. Die Chlorchemie ist heute nur noch in geringem Maß an Neueinträgen in die Umwelt beteiligt, gilt aber als wichtiger Verursacher von Altlasten. Heute tragen vor allem unvollständige Verbrennungen in Anwesenheit von Chlorquellen zur Belastung der Umwelt bei. Eine gewisse Hintergrundbelastung an Dioxinen scheint daher mittelfristig unvermeidbar. Langfristig ist eine allmähliche Reduzierung durch die angewandten Minimierungsstrategien zu erwarten.

Außerdem können Dioxine offenbar auch auf natürliche, nicht industrielle Weise entstehen. So ist nach einer bislang unwiderlegten Wissenschaftstheorie davon auszugehen, dass Dioxine sich im Laufe der Entstehung von Meeren im Erdmittelalter und unter dem Einfluss später auftretender Vulkantätigkeit in tiefen Erdschichten auf natürliche Weise gebildet haben. Nur so ist Belastung größerer Tonlagerstätten in Europa und Nordamerika erklärbar.

Dioxine reichern sich über die Nahrungskette an. Dabei spielen Lebensmittel tierischer Herkunft (Milch, Fleisch, Eier und Fische sowie daraus hergestellte Produkte) eine erkennbare Rolle, da Dioxine sehr gut fettlöslich sind und gleichzeitig kaum vom Körper abgebaut oder ausgeschieden werden. Sie reichern sich damit im Fettgewebe von Tieren und Menschen an. Es gilt deshalb, den Eintrag von Dioxinen in die Nahrungskette, wo immer möglich, zu reduzieren sowie potenzielle Eintragungsquellen zu erkennen und zu verschließen.

Auf internationaler und europäischer Ebene wurden dafür Grenzwerte für die Belastung von Lebensmitteln erlassen. Deutschland hat diese Grenzwerte für die Lebensmittel übernommen. Die Grenzwertfestsetzung unterliegt einer ständigen Überprüfung durch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die auch die Berechnungsmethoden ständig an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Medizin anpasst. Derzeit wird erneut über eine Absenkung der Werte in Lebensmitteln in Europa diskutiert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.dvtiernahrung.de, Rubrik Positionen/Unerwünschte und verbotene Stoffe in Futtermitteln.

Futtermittelindustrie

Die deutsche Landwirtschaft verwendet insgesamt ca. 70 Mio. Tonnen (Getreideeinheiten = GE) an Futtermitteln. Die 70 Mio. Tonnen teilen sich auf in 44 Prozent Weiden, Silagen, 29 Prozent Mischfutter und 27 Prozent Eigengetreide sowie zugekaufte Einzelfuttermittel. Der Anteil der inländischen Erzeugung am gesamten Futteraufkommen schwankte in den zurückliegenden Jahren zwischen 86 und 89 Prozent und ist auf hohem Niveau relativ stabil.

Der deutsche Markt für Nutztierfutter umfasste im Wirtschaftsjahr 2009/2010 nach Einschätzung des Deutschen Verbands Tiernahrung e. V. (DVT) etwa 5,9 Mrd. Euro. Den Bereich Mischfutter veranschlagt der DVT dabei auf rund 5,1 Mrd. Euro, die Verkäufe von Einzelfutter an die Landwirtschaft auf rund 0,8 Mrd. Euro. In Deutschland werden pro Jahr etwa 20-21 Mio. Tonnen Mischfutter hergestellt.

Futtermittel

Die Mischfutterindustrie ist ein zentraler Bestandteil der Futterbranche. Die Philosophie der Branche liegt darin, ernährungsphysiologische, kaufmännische und logistische Kompetenz zu bündeln und in Produkte und Lösungen für ihre Kunden umzusetzen. Die Unternehmen sehen sich nicht als bloße Lieferanten von Waren, die nur logistisch bedeutsame Funktionen erfüllen, sondern stellen tierernährerisches Know-how in Form eines hochwertigen Betriebsmittels bereit.

Die Mischfutterindustrie produziert Mischfutter für die unterschiedlichen Nutztierarten, wobei je nach Zweckbestimmung grundsätzlich unterschieden wird zwischen:

- Alleinfuttermitteln, die so zusammengesetzt sind, dass damit die Nährstoffversorgung der Tiere komplett abgedeckt wird, und
- Ergänzungsfuttermittel, die darauf ausgerichtet sind, gemeinsam mit anderen Komponenten den Ernährungsbedarf der Tiere sicherzustellen. In der speziellen Fütterungssituation auf dem landwirtschaftlichen Betrieb komplettieren sie das Fütterungskonzept und ermöglichen eine effiziente Nutzung der wirtschaftseigenen Futtermittel.

Mischfuttersorten sind darauf ausgerichtet, den spezifischen Nährstoffbedarf der unterschiedlichen Tiere zu decken. Dabei ist zunächst wichtig, ob das Mischfutter allein der Ernährung der Tiere dient und den gesamten Nährstoffbedarf decken muss (Alleinfutter), oder ob die eigene Futtergrundlage des Landwirts ergänzt werden soll (Ergänzungsfutter), z. B. in Form einer gezielten Leistungsfütterung zusätzlich zum Weidegang. Alleinfuttermittel werden vor allem im Bereich Geflügelhaltung (Legehennen, Masthähnchen, Puten) und in der Schweinehaltung eingesetzt.

Sowohl eine zu geringe Nährstoffzufuhr als auch ein Überangebot eines oder mehrerer Nährstoffe kann die Leistung eines Tieres mindern oder gar die Gesundheit beeinträchtigen. Abgesehen davon verursacht ein Überangebot unnötige Kosten. Eine Überversorgung führt letztlich auch zu einer erhöhten Ausscheidung der vom Tier nicht genutzten Nährstoffe und damit zu einer vermeidbaren Umweltbelastung vor allem mit Phosphaten und Nitrat. Mischfutter helfen hier mit, eine umwelt- und tiergerechte Erzeugung von Nahrungsmitteln zu sichern.

Futterzusammensetzung

Ein typisches Mischfutter besteht heute im Durchschnitt aus acht bis zwölf verschiedenen Einzelfuttermitteln, die in der Regel - aber nicht notwendigerweise - mit Futterzusatzstoffen (z. B. Vitamine, Aminosäuren, Spurenelementen, Enzymen) angereichert werden.

Die wichtigsten Einzelfuttermittel, die für die Mischfutterherstellung eingesetzt werden, sind die verschiedenen Getreidearten wie Weizen, Gerste und Mais, gefolgt von der Gruppe der Ölkuchen und -schrote (z. B. Soja, Raps). Etwa die Hälfte aller eingesetzten Einzelfuttermittel stammen aus der Ernährungswirtschaft, z. B. aus Mehlmühlen, Ölmühlen, Zuckerfabriken, Molkereien, Brauereien usw., deren Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung hervorragende Einzelfuttermittel darstellen.

Was ist drin im Geflügelfutter?

Ein Beispiel für ein durchschnittliches Standard-Legehennenfutter (andere Verhältnisse bzw. andere Rohwaren möglich):

35 Prozent Mais
30 Prozent Weizen
21 Prozent Soja
9,5 Prozent Calciumcarbonat (Futterkalk)
2 Prozent Fett
dazu noch evtl. Luzernegrünmehl, weiterhin Calciumphosphat, Salz, Methionin (Aminosäure), Natriumcarbonat, Vitamine und Spurenelemente.

Fett im Futter - warum?

Fette im Futter übernehmen eine vergleichbare Funktion wie Fette im Essen von Menschen: Sie liefern Energie und einzelne Fettbestandteile, so genannte essenzielle Fettsäuren. Das sind Verbindungen, die der Stoffwechsel von Tier bzw. Mensch nicht aus anderen Stoffen selbst herstellen kann. Deshalb müssen sie für den Aufbau von Membranen, Hormonen und anderen körpereigenen Wirkstoffen über das Futter zugeführt werden. Fette im Futter bzw. in der Nahrung begünstigen auch die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen.

Eine fettfreie Nahrung führt beim Tier zu verschiedenen pathologischen Veränderungen (Hautveränderungen, erhöhte Wasserverluste über die Haut, Störungen des Wachstums, der Fortpflanzung etc.). Daraus hat man den Schluss gezogen, dass im Futter bestimmte Fettmengen enthalten sein müssen. Auch die Fettzusammensetzung mit ihrem spezifischen Fettsäuremuster - vor allem bezüglich der genannten erforderlichen essenziellen Fettsäuren - ist von großer Bedeutung für die Gesunderhaltung und die Leistung der Nutztiere. Durch die Futterrationen kann der tierart- und leistungsspezifische Bedarf an diesen einzelnen Fettsäuren gedeckt werden.

Darüber hinaus sind bestimmte erwünschte Wirkungen verschiedener Fettsäuren auch aus der Humanernährung bekannt - zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren oder Omega-6-Fettsäuren. Auch die konjugierte Linolsäure (CLA) und ihre Wirkungen werden häufig genannt und diskutiert. Die gezielte Herstellung solcher einzelner Fettsäuren ist somit kein "unnatürlicher" Vorgang sondern dient der bedarfsgerechten Versorgung von Menschen und Tieren.

Andere Fettsäuren und Fettsäureprodukte entstehen in den Reinigungs- und Raffinationsprozessen der Fett- und Ölherstellung, wenn natürliche pflanzliche "Rohöle" gereinigt und für den menschlichen Verzehr zum Teil auch desodoriert werden. Diese Klärungs- und Entschleimungsprozesse führen zu Raffinations- und Destillationsfettsäuren, deren Verwendung in Futterfetten in Mischungen mit natürlichen Pflanzenölen seit vielen Jahren praktiziert wird, ohne dass es dabei zu unbeherrschbaren Gefährdungen gekommen wäre. Besondere Aufmerksamkeit und ein erhöhtes Untersuchungsaufkommen durch Hersteller dieser Raffinationsund Destillationsfettsäuren muss aber vorausgesetzt werden können.

Eigenkontrollen

Für die deutschen Mischfutterhersteller existiert ein enges Netz aus behördlichen Kontrollen und darüber hinaus im Rahmen von Qualitätsmanagementsystemen durchgeführten eigenbetrieblichen Kontrollen. Dies sind risikoorientierte Kontrollsysteme.

Risikoorientierung bedeutet dabei folgendes: Aufgrund der enorm großen Futtermenge von rund 70 Mio. Tonnen, die in Deutschland jährlich produziert und verbraucht wird, kann keine lückenlose Kontrolle auf alle Schadstoffe in allen Partien erfolgen. Daher hat sich in der Mischfutterherstellung ein Kontrollsystem etabliert, das auf einer Risikoanalyse basiert. Zunächst ist jedes Unternehmen für seine abgegebene Ware verantwortlich. Dennoch werden beim Eingang von Rohwaren stichprobenweise Proben gezogen und untersucht, um die verantwortliche Produktion der jeweiligen Vorstufe zu kontrollieren. Dies erfolgt nach dem so genannten HACCP-System. Die Einhaltung dieser risikoorientierten Eigenkontrollsystematik wird wiederum auf Grund von EU-Vorschriften durch die Futtermittelüberwachungsbehörden der Bundesländer kontrolliert.

Die Mischfutterindustrie ist fester Bestandteil der Lebensmittelkette im QS-System. Das QS-System gibt für alle Mischfutterhersteller ein Mindestmaß an Untersuchungen vor. Die Untersuchungsergebnisse dieser Eigenkontrollen werden im QS-System per Datenbank gesammelt. Der vorliegende Dioxin-Fall wurde im Rahmen einer solchen Eigenkontrolle ermittelt und vom betroffenen Mischfutterhersteller an die zuständige Behörde gemeldet. Dass die Grenzwertüberschreitungen im Futterfett unabhängig davon zum selben Zeitpunkt auch bei der Fettherstellungsfirma an die Behörden gemeldet wurden, zeigt, dass das System funktioniert. Sofort eingeleitete Maßnahmen und ein gezieltes Einkreisen der betroffenen Betriebe haben geholfen, das Problem zügig einzugrenzen. Gleichwohl ist der Schaden für die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe und die Mischfutterhersteller sehr groß.

Was passiert nun?

Derzeit wird vonseiten der Staatsanwaltschaft geprüft, wie es zu der Dioxinbelastung im Futterfett kommen konnte. Eine Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben wurde vorsorglich gesperrt. Derzeit werden Untersuchungen hinsichtlich möglicher Dioxinbelastung bei Futtermitteln, Tieren und Lebensmitteln durchgeführt. Ziel ist es, schnellstmöglich Ergebnisse vorliegen zu haben, damit die entsprechenden Betriebe und Hersteller wieder normal arbeiten und liefern können.
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