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Pressemitteilung BoxID: 617802 (Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL))
  • Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)
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"Bäuerlicher Naturschutz" macht Natura 2000 fit für die Zukunft!

Umweltministerin Scharf lobt die 59 Landschaftspflegeverbände in Bayern als Motor für den Erhalt von Natura 2000-Gebieten - Landschaftspflegeverbände mahnen Finanzierungsengpässe in Bayern an

(lifePR) (Ebersberg, Ansbach, ) Die Arten- und Lebensraumvielfalt des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist auch das Ergebnis traditioneller bäuerlicher Landnutzung. Vertreter und Vertreterinnen von Kommunen, Verbänden, Behörden und aus der Politik diskutieren am Bayerischen Landschaftspflegetag, wie dieser „Bäuerliche     Naturschutz“ zukünftig verstärkt werden kann. Der Bayerische Landschaftspflegetag ist eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Verbands für Landschaftspflege und der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege.

„Die Landschaftspflegeverbände sind wichtige Partner bei dem Erhalt unserer bayerischen Naturvielfalt. Insbesondere bei der Umsetzung von Natura 2000 sind sie unverzichtbare Vermittler und kompetente Berater. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir in ganz Bayern ausbauen. Landschaftspflegeverbände sollen deshalb in allen Landkreisen Bayerns eingerichtet werden. Natura 2000 wollen wir mit noch mehr Leben erfüllen. Dafür setzen wir uns für eine spürbare Aufwertung des Landschaftspflege- und Naturpark­programms und des Vertragsnaturschutzes sowie für eine ausreichende Finanzausstattung ein“, betont die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf.

„Landschaftspflegeverbände sind das optimale Instrument, um Natura 2000 fit für die Zukunft zu machen“, erklärt Josef Göppel, Vorsitzender des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Dafür brauchen sie aber eine ausreichende Mittelausstattung im Landschaftspflegeprogramm, appelliert er an die Staatsministerin: „In Anbetracht von vier neu gegründeten Verbänden stehen mit den aktuellen Vorschlägen des Doppelhaushalts zu wenig Mittel zur Verfügung, um die anstehenden Aufgaben zu erfüllen“. Der Bäuerliche Naturschutz müsse aber verlässlich finanziert werden, wenn die Ziele der Bayerischen Biodiversitätsstrategie erreicht werden wollen.

Josef Rüegg, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Ebersberg und stellvertretender Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände, stellt im Gespräch mit drei Landwirten dar, wie der „Bäuerliche Naturschutz“ vor Ort wirkt: „Lungenenzian, Sumpfgladiole oder der stark gefährdete Goldene Scheckenfalter kämen nicht mehr auf den Gutterstädter Streuwiesen vor, wenn die Landwirte diese Wiesen nicht regelmäßig mähen würden“, lobt er.

Unter seiner fachlichen Anleitung werden die nährstoffarmen, artenreichen Wiesen wie bereits vor 150 Jahren traditionell als Streuwiesen genutzt.

„Es ist körperlich schon sehr anstrengend, weil viel Handarbeit dabei ist“, beschreibt Landwirt Martin Hutterer seinen Einsatz für die Landschaftspflege. „Aber wir machen das, weil wir hier leben und den Erfolg sehen.“

„Ein Zuerwerb ist es auch“ ergänzt sein Kollege Hans Zehetmaier, „insbesondere heute, wo man als Landwirt immer schauen muss, dass man ein wenig hinzuverdienen kann.“

Hintergrund:

Mit 674 Fauna-Flora-Habitat-Gebieten und 84 Vogelschutzgebieten beteiligt sich Bayern auf 11,3% der Landesfläche am europäischen Netzwerk „Natura 2000“. Die 59 Landschaftspflegeverbände in Bayern sind dabei in 80% der Natura 2000-Offenlandgebiete aktiv und betreuen die dauerhafte Pflege der wertvollen Schutzgebiete. Die beteiligten Landwirte führen diese Pflege zum Teil mit aufwändiger Handarbeit oder mit Hilfe von Spezialmaschinen durch. Mit diesem „Bäuerlichen Naturschutz“ tragen sie entscheidend zum Erhalt der wertvollen Schutzgebiete bei und bauen sich gleichzeitig ein zusätzliches finanzielles Standbein auf.

Eine kürzlich veröffentlichte Evaluationsstudie zum Fitnesscheck der EU-Naturschutzrichtlinien zeigte aber auf, dass sich der Zustand sowohl der Lebensräume als auch der Tier- und Pflanzenarten in den vergangenen Jahren trotz aller Bemühungen weiter verschlechtert hat[1]. Auch für Bayern bestätigte sich dieser Trend[2]. Die Landschaftspflegeverbände hingegen wurden in der Studie als beispielhaft für eine kosteneffektive Umsetzung von Natura 2000 aufgeführt, bei der die Einbeziehung verschiedener Interessenträger gewährleistet wird. Ein großes Hindernis bei der erfolgreichen Umsetzung sehen die Experten allerdings in der ungenügenden finanziellen Ausstattung der relevanten Förderprogramme.

Weitere Informationen unter www.bayern.de

[1] Evaluation Study to support the Fitness Check of the Birds and Habitats Directives; Draft Final Report 4 January 2016; European Commission

[2] NaturVielfaltBayern – Biodiversitätsprogramm Bayern 2030 (2014); Herausgeber: Bayerische Staatsregierung