Berliner Buchhändler und Attac starten Aktion gegen TTIP

Deutscher Kulturrat begrüßt Buchhandelsaktion als gutes Beispiel vor Ort

(lifePR) ( Berlin, )
Zum Start der EU-weiten Aktionswoche gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta und TISA hat Attac-Berlin viele Berliner Buchhandlungen für eine gemeinsame Plakataktion gewonnen. In den Schaufenstern werden die teilnehmenden Buchhandlungen mindestens eine Woche darüber informieren, welche dramatischen Auswirkungen die Freihandelsabkommen für die Buchhandlungen haben würden.

Auf einer Pressekonferenz in der Buchhandlung am Moritzplatz wurde heute Mittag dargelegt, welche Verwerfungen von den im Geheimen verhandelten Freihandelsabkommen auf diverse Bereiche des Kultur- und Bildungslebens ausgehen können. "Weil viele Bürger und Bürgerinnen noch nicht wissen, wie weitgehend die Abkommen in den Alltag und das Private eingreifen, hat Attac eine bundesweite Kampagne "Ich bin ein Handelshemmnis" gestartet, in der diese Auswirkungen aufgezeigt werden", erklärte Günter Sölken von Attac-Berlin. Sölken weiter: "TTIP & Co. sind ja nicht nur auf den Abbau von Zöllen gerichtet, sondern mehr noch auf die Beseitigung sogenannter Handelshemmnisse und eins davon ist die deutsche Buchpreisbindung. Wenn sie fällt, werden sowohl der mittelständische Buchhandel als auch die Leserschaft dafür einen hohen Preis zahlen müssen."

Jörg Braunsdorf, Inhaber der Tucholsky-Buchhandlung in Mitte: "Wenn die Buchpreisbindung fällt, wird das das Buchhandelssterben beschleunigen. Branchengiganten wie Amazon können dann eine Preisschlacht starten, bei der die Kiezbuchhandlungen und selbst die Ketten kaum mithalten können. Hier ist ein Verdrängungs- und Vernichtungsfeldzug zu befürchten. Selbst die Verlage werden betroffen sein, und so ist zu befürchten, dass die Vielfalt des literarischen Angebots leiden wird."

"Bücher sind keine Ware, sondern Kulturgut" sagt Astrid Westhoff, stellvertretende Landesbezirksleiterin Ver.di Berlin-Brandenburg, "das betrifft nicht nur die Literatur, sondern selbstverständlich auch Sachbücher und politische Schriften. Wenn kleine Buchhandlungen durch Internethandel wie Amazon vom Markt verdrängt werden, verschwinden Arbeitsplätze in den Buchhandlungen und unsere Mitglieder, die als Kunden vor Ort auf Beratung angewiesen sind, finden nur noch Mainstream. Selbst öffentliche Bibliotheken werden womöglich ihre Buchbestellungen nach dem Vergaberecht demnächst ausschreiben müssen."

"Mancher mag glauben, dass ein Wettbewerb über den Preis letztlich die Leser erfreuen müsste. Das ist leider ein Fehlschluss.", warnt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. Internationale Vergleiche würden belegen, dass Bücher in Deutschland und Österreich billiger sind als in Ländern ohne Buchpreisbindung, wie z.B. in den USA. Darüber hinaus seien von den Freihandelsabkommen weitere Bereiche des Kulturlebens betroffen. "Insgesamt sollte die Debatte um die Auswirkungen des TTIP-Abkommens stärker auf die Auswirkungen auf die deutsche und europäische Kulturwirtschaft ausgerichtet werden, denn hier liegen die größten Gefahren!" so Zimmermann.

Der Text der heute vorgestellten Schaufenster-Aktion lautet: Hier wollen wir Sie auch weiterhin über Neuerscheinungen - wie jetzt von der Frankfurter Buchmesse - informieren. Aber es droht Gefahr! Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA bedroht die Buchpreisbindung - und damit die Existenz Ihrer Lieblingsbuchhandlung in Ihrem Kiez. Ein irreparabler Schaden für AutorInnen, LeserInnen und den Buchhandel. Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift in der bei uns ausliegenden Liste, TTIP und andere "Frei"handelsabkommen zu verhindern."

- Mit der Aktion Buchhandelsaktion gegen TTIP wird somit zugleich für die von der EU-Kommission als unzulässig abgelehnte Europäische Bürgerinitiative geworben. Das EU-weite No-TTIP- und CETA-Bündnis hatte beschlossen, gegen diesen Entscheid der Kommission vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen und die Bürgerinitiative in Eigenregie durchzuführen. Voraussichtlich morgen wird diese Aktion starten, wir werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

- Informationen des Deutschen Kulturrates zu der Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA finden Sie tagesaktuell unter: http://www.kulturrat.de/text.php?rubrik=142.
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