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Pressemitteilung BoxID: 613881 (Deutscher Industrie- und Handelskammertag)
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Neustart des Irangeschäfts: Aktuell noch Schwierigkeiten bei der Zündung

(lifePR) (Berlin, ) Weitere Türen für die deutsche Wirtschaft öffnen, das ist das Ziel von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, wenn er Anfang Oktober mit deutschen Unternehmen zu einer großen Wirtschaftskonferenz nach Teheran aufbricht. Mit von der Partie: DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Anfang des Jahres wurden die Sanktionen gegen den Iran weitestgehend aufgehoben und der Sanktionsabbau rechtskräftig eingeleitet. Die Erwartungen an das Irangeschäft sind deshalb enorm hoch, und der Beratungsbedarf ist seitdem noch gestiegen: Im ersten Halbjahr 2016 haben die deutschen Industrie- und Handelskammern zum Iran mehr als zu jedem anderen Markt beraten.

Irangeschäft – großes Potenzial

Der Iran bietet großes Potenzial für deutsche Unternehmen aus Industrie und Handel. Fast 80 Millionen Einwohner mit gutem Bildungsstand und insgesamt hoher Kaufkraft machen den Markt interessant – insbesondere für Gemeinschaftsunternehmen und die Konsumgüterindustrie. Ebenso können Maschinen- und Anlagenbauer sowie Unternehmen aus der Petrochemie bei der Modernisierung der maroden Infrastruktur zum Zuge kommen. Das Land verfügt über die zweitgrößten Erdgas- und viertgrößten Erdölvorkommen weltweit. Mit den immensen Bodenschätzen soll das bisher unzureichende Wirtschaftswachstum endlich substanziell angekurbelt werden.

Hemmschuh Finanzierung

Von einem wirtschaftlichen Durchbruch kann allerdings bislang noch nicht die Rede sein, denn das Investitionsgeschäft bleibt schwierig. Seit Begleichung der Altschulden durch den Iran am 20. Juni 2016 greifen die Exportabsicherungen des Bundes zwar wieder, der erwartete Ansturm der Unternehmen auf das Irangeschäft steht jedoch noch aus. Ein geeignetes Finanzinstitut zur Kreditfinanzierung aufzutreiben, erweist sich als schwierig. Denn deutsche Banken müssen sicherstellen, dass sie weiterhin bestehende Sanktionen nicht verletzen. Konkreter Hemmschuh beim Neustart des Irangeschäftes bleiben insbesondere die teilweise fortbestehenden US-Sanktionen und damit die Regulierungsunterschiede zwischen EU- und US-Recht. Die US-Sanktionen verbieten amerikanischen Firmen und Personen bis auf wenige Ausnahmefälle weiterhin jegliche Geschäftsbeziehungen mit dem Iran. Dies hat auch Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, die amerikanische Mitarbeiter beschäftigen oder bei deren Produkten Vormaterialien mit einem US-Anteil von mehr als zehn Prozent verbaut werden. Für die Banken ist es unter diesen Umständen schwierig, die Gefahr etwaiger Rechtsverstöße und Compliance-Risiken einzuschätzen.

Deutsche Wirtschaft im Iran unterstützen

Im Ergebnis sind insbesondere kleine und mittelständische Betriebe angesichts der bestehenden Unsicherheiten noch sehr zurückhaltend bei ihrem Schritt auf den iranischen Markt. Die Bundesregierung sollte sich auf EU-Ebene für eine Harmonisierung der EU- und US-Sanktionen einsetzen. Wichtig ist außerdem der Dialog von kreditgebender und kreditnehmender Wirtschaft, um die Rahmenbedingungen der deutsch-iranischen Finanzbeziehungen zu verbessern. Es gibt noch viele Startschwierigkeiten, doch die Hoffnung besteht, dass der Exportmotor bald wieder richtig zum Laufen kommt. Mit gemeinsamer Anstrengung kann es der deutschen Wirtschaft gelingen, wieder an alte Glanzzeiten beim Irangeschäft anzuknüpfen.