Dienstag, 26. September 2017


  • Pressemitteilung BoxID 666153

Funkamateure befürchten neue Störungsdimension

Abstrahlung neuer Datensignale aus dem Breitband-Kabelnetz nicht absehbar

Baunatal, (lifePR) - Der Bedarf an breitbandigen Internetzugängen ist weiter im Wachstum begriffen. Speziell im Bereich des Breitbandkabelnetzausbaus will man dabei das DOCSIS3.1-Verfahren anwenden, bei dem ein OFDM-Übertragungsverfahren (Orthogonal Frequency-Division Multiplexing) mit Frequenzen bis 200 MHz zum Einsatz kommen soll. Die zu erwartenden Datenraten sollen im Gigabitbereich liegen. Ist hier eine neue Dimension elektromagnetischer Störungen, insbesondere für den individuellen Radioempfang und den Funkbetrieb vorprogrammiert?

Zwar ist derzeit noch nicht absehbar, wie sich der Breitbandausbau effektiv auswirken wird, der Sonderkanal S6 ist von Anfang an als unerwünschte Abstrahlung des Kabelnetzes sehr deutlich im 2-m-Amateurfunkband zu hören (145,750 MHz). Eine einfache Fahrt mit dem PKW durch die Stadt genügte, um anstelle der Signale von Amateurfunkstellen den Fernsehton per Funkgerät ungewollt empfangen zu müssen. Diese Störung überschreitet oft die Grenzwerte der SchuTSEV (Schutz von Funkdiensten mit Sicherheitsaufgaben), weshalb bereits Sonderkanäle im Kabelnetz, die den Flugfunk beeinträchtigt haben, abgeschaltet wurden. Da die Kabelnetze infolge unzureichend abgeschirmter Hausanschlüsse bzw. defekter Kabelmuffen und nicht zuletzt unsachgemäßer Selbstbaulösungen bei der Kabelverteilung nicht überall nachgearbeitet wurden, besteht durchaus Grund zur Sorge, dass nun breitbandiges Rauschen im Bereich bis 200 MHz aufgrund dieser „Kabelnetz-Stoßstellen“ abgestrahlt wird.

„Wir kennen die Diskussion um die potenziellen Störungen von DOCSIS3.1 auf den Hörrundfunkempfang. Derzeit liegen uns noch keine klaren Erkenntnisse vor“, wird Thomas Schierbaum vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) auf Anfrage des Internetmagazins teltarif.de (Quelle s.u.) zitiert. Er fährt fort: „Die technischen Untersuchungen sind derzeit im Gange und werden auf europäischer Ebene von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) koordiniert“. Laut DARC-Vorstandsmitglied Christian Entsfellner sind im Augenblick noch keine Notches (Frequenzausblendungen) zur Sicherung der legalen Nutzbarkeit der Amateurfunkfrequenzen implementiert, technisch wäre dies jedoch bereits bei DOCSIS3.1 vorgesehen.

Schon auf der Mitgliederversammlung des DARC e.V. am 12. November 2016 appellierte Entsfellner an die Funkamateure: „Wir brauchen Wäschekörbe voller Störungsmeldungen! Jeder DARC-Ortsverband muss liefern!“. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Entsfellner jedoch noch nicht, dass mit dem neuen EMVG für Störungsmelder eine Kostenandrohung durch die Bundesnetzagentur folgen würde, die erst im letzten Drittel des Jahres 2017 durch Einspruch des RTA (Runden Tisches Amateurfunk) und durch die  kleine Anfrage von Ralph Lenkert, „Die Linke“, an den Deutschen Bundestag in Frage gestellt wurde.

Umfangreiche Informationen zum Aufgeben einer Störungsmeldung und EMV-Abhilfemaßnahmen erhalten betroffene Funkamateure auf der Webseite des DARC-EMV-Referates unter www.darc.de/der-club/referate/emv/funkstoerungsmeldungen .

Quellen:

www.darc.de

www.teltarif.de/internet/tv-kabel/docsis-31.html?update=17201127

Hintergrundinformationen:

Der Begriff EMV steht für Elektromagnetische Verträglichkeit und beinhaltet den bestimmungsgemäßen Betrieb elektrischer- und elektronischer Geräte in ihrer elektromagnetischen Umgebung. Der DARC e.V. als Interessenvertretung für die Funkamateure in Deutschland setzt sich stark bei der Gestaltung und dem Vollzug des Gesetzes über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) ein.

Das Gesetz regelt das Inverkehrbringen, Weitergeben, Ausstellen, Inbetriebnahme und Betreiben von Betriebsmitteln, d.h. von elektrischen Geräten und Anlagen, die elektromagnetische Störungen verursachen können oder die durch sie beeinträchtigt werden können. Ziel des Gesetzes ist es, einen Rechtsrahmen für ein verträgliches Nebeneinander der wachsenden Vielfalt elektrischer Betriebsmittel (elektr. Maschinen, elektrischer Hausgeräte, Funkanlagen, Telekommunikationsnetze etc.) zu schaffen. Danach sollen diese so beschaffen sein, dass sie andere Geräte und Anlagen möglichst wenig stören und zugleich auch von diesen möglichst wenig gestört werden. Diese Balance wird i.d.R. anhand europaweit harmonisierter technischer Normen auf der Basis der Grundlegenden Anforderungen für die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (§ 4 EMVG) vermutet, welchen die Betriebsmittel jeweils entsprechen müssen, bevor sie in Verkehr gebracht- und betrieben werden dürfen. Der Handlungsrahmen der Bundesnetzagentur ist hingegen durch § 27 EMVG vorrangig auf den Schutz von Funkdiensten mit Sicherheitsaufgaben, wenn Leib und Leben- oder wenn höhere Sachwerte in Gefahr sind, eingeschränkt.

Millionen individueller Rundfunkhörer und ca. 67.500 Funkamateure mögen sich seitdem die Frage stellen, welchen Anlass unser ehemaliger Bundeswirtschaftsminister, Herr Sigmar Gabriel, 2016 gehabt haben könnte,  völkerrechtliche Verträge, die den  Amateurfunkdienst und den individuellen Rundfunkempfang  auf der Grundlage der ITU-Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO-Funk) betreffen, sowie die Rechtssicherheit gemäß Artikel 11 der Charta der Grundrechte der EU,  Information unmittelbar von der Quelle zu empfangen, für die Bundesrepublik Deutschland als bedeutungslos zu erklären. Der Aufruf von Christian Entsfellner, berechtigte Störungsmeldungen mit Kopie an den DARC abzugeben ist also wichtiger denn je, um die völkerrechtlich verbindlichen Verträge für Rundfunkhörer und Funkamateuren auch in der Bundesrepublik Deutschland, zu ihrer Umsetzung verhelfen zu können!

Deutscher Amateur-Radio-Club e.V.

Der DARC e.V. ist der größte Verband von Funkamateuren in Deutschland und die drittgrößte Amateurfunkvereinigung weltweit. Mit über 35.000 Mitgliedern vertritt der DARC die Interessen der über 67.500 Funkamateure in ganz Deutschland und engagiert sich bei der Förderung des Amateurfunks auf allen Ebenen - auch international. Informationen zum DARC finden Sie im Internet unter www.darc.de.

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