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Pressemitteilung BoxID: 456954 (Deutsches Weininstitut GmbH)
  • Deutsches Weininstitut GmbH
  • Platz des Weines 2
  • 55294 Bodenheim
  • http://www.deutscheweine.de

Schlank und hoch statt dick und rund

Weinflaschen im Profil

(lifePR) (Mainz, ) Alles begann mit einem sehr dicken Bauch, schwarzem Glas und einem langen Hals. So sahen die ersten Weinflaschen aus Glas aus, die Mitte des 17. Jahrhunderts die Fässer und Schläuche aus Tierhäuten als Gefäß des Weinhandels ablösten.

Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Glasflasche immer mehr - und veränderte mehr und mehr ihr Aussehen. Der dicke Bauch nämlich war alles andere als ideal für die Lagerung der guten Tropfen. Also wurde die Weinflasche immer schlanker und höher.

Doch auch bei "schlank und hoch" gibt es feine Nuancen. "In Deutschland findet man Hunderte Weinflaschenformen, importierte Weine inklusive", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) in Mainz. Für die Sortierung und Wiederverwertung wird es dadurch kompliziert. Weltweit zählt man sogar mehrere tausende Formen des gläsernen Weingefäßes. Einige haben sich international durchgesetzt, wie etwa die mit Schultern versehene Bordeauxflasche, die auch hierzulande im Weiß- und Rotweinbereich sehr häufig anzutreffen ist. Die Burgunderflasche kommt ohne Schultern daher und ist auch für deutsche Weiß-, Grau- oder Spätburgunder das perfekte Gefäß.

"Die klassische, deutsche Flasche ist die Schlegelflasche", erläutert Büscher. Kein Wunder, ist die Form doch eine deutsche Erfindung. Daher werden in die Schlegelflasche auch die klassisch deutschen Rebsorten wie etwa Riesling oder Müller-Thurgau abgefüllt. Weltweit nutzen Winzer diese deutsche Flaschenform für ihre Dessertweine. Ein anderer Name der Schlegelflasche ist übrigens "Hochflasche". Nicht ohne Grund, ist sie doch schlanker als ihre Kolleginnen aus Bordeaux oder dem Burgund - und überdies farblich flexibel. An der Mosel nämlich tritt sie mit grünem Glas auf, am Rhein dagegen überwiegend mit braunem Glas.

In einem deutschen Weinbaugebiet hat man der Idee von "schlank und hoch" allerdings wenig Beachtung geschenkt: In Franken setzen die Winzer schon seit über 250 Jahren auf den Bocksbeutel für ihre Spitzenweine. Die Form war schon unseren Urahnen sympathisch, denn es wurde im heutigen Franken ein keltisches Tongefäß aus der Zeit um 1400 vor Christus in Form einer Flachkugelflasche gefunden. Auch die Römer griffen auf Reisen gern zu einem ähnlich geformten Behältnis, ebenso die Pilger. Im Prinzip war es die ursprüngliche Flaschenform mit dickem Bauch, nur plattgedrückt und damit handlicher für unterwegs.

Auch Bauern und Winzer bzw. Mönche entdeckten diese Form für sich, die sich umhängen ließ und bei der Arbeit in den Steillagen des Weinbergs nicht hinabkullerte. Genannt wurde das praktische Gefäß "Bugsbeutel" - möglicherweise ein Hinweis auf die Herkunft des Namens Bocksbeutel. Üblicher ist allerdings die Erklärung, die Form leite sich aus der Ähnlichkeit mit dem Hodensack des Ziegenbocks ab. Schließlich sei das Tier mit Wein rasch in Verbindung gebracht, sind der Ziegenbock und der Weingott Dionysos in der griechischen Mythologie doch eng miteinander verbunden.

Das Relief des Weinguts Juliusspital in Würzburg aus dem Jahr 1576 ziert ein Gefäß ähnlich einem Bocksbeutel - einst vielleicht ein medizinisches Heilgefäß. Zur Stiftung Juliusspital gehörte und gehört schließlich nicht nur ein Weingut, sondern auch ein Krankenhaus. Fest steht, dass der Rat der Stadt den Bocksbeutel als Gütezeichen für Wein festlegte, um der damals häufigen Weinpanscherei zu begegnen. Bis heute ist die urige Flaschenform das Markenzeichen guter Tropfen aus der bayerischen Region, seit 1989 sogar für Qualitäts- und Prädikatsweine aus Franken urheberrechtlich geschützt.

Deutlich jünger ist die Rheingau Flöte, die als Markenzeichen für Rheingauer Weine kreiert wurde. Die dunkelgrüne Flasche ist schlank, mit 35 Zentimetern höher als andere Weinflaschen und hat senkrechte Kanten am Flaschenhals. Passend zu Wein und Weinflaschenform können genussfreudige Menschen den Flötenweg entlang spazieren. Es ist ein Wanderweg durch die Weinberge von Oestrich-Winkel bis zum Schloss Johannisberg, wobei unterwegs Straußwirtschaften und Weingüter zur Verkostung einladen.

Ähnlich dem Bocksbeutel und der Rheingau Flöte findet man die sächsischen Weine bisweilen in der so genannten Sachsenkeule. Bereits im Jahr 1931 entwickelte man die grünliche, keulenähnliche Form im damaligen Staatsweingut Hoflößnitz mit der Absicht, die Flasche als Qualitätssiegel ähnlich der Bocksbeutelflasche zu installieren. Sie wird heute überwiegend für besondere Abfüllungen genutzt und ist bei Sammlern und Liebhabern gefragt.

Und an der Nahe wird einmal jährlich ein Wein des Anbaugebietes ausgewählt, der als "Edelschliff" in limitierter Auflage auf den Markt kommt. Er verbindet zwei Markenzeichen der Region: den Wein und die Edelsteine aus Idar-Oberstein. Daher ist auch die Flaschenform eine besondere, sehr schmal, hoch und leuchtend blau.

Eigens gestaltete Weinflaschen sind als Marketinginstrument jedoch nicht nur für einzelne Weinregionen gefragt, sie dienen auch einigen Weingütern als Alleinstellungsmerkmal. Dennoch ist das Äußere, also auch ein modernes Design, eine rein ästhetische Spielerei. "Auf den Wein selbst hat die Flaschenform keinen Einfluss", erklärt Büscher. Bei der Farbe des Glases ist da schon anders. Her geht es im Wesentlichen um hell oder dunkel: Für unkomplizierte Weine, die bald getrunken werden sollten, sind helle Flaschen kein Problem. Gute Tropfen hingegen, die noch reifen sollen, füllt man in Flaschen mit dunklem Glas ab. Es schützt den Inhalt vor Licht, das die Reifung fördert. Denn so hübsch das Äußere auch sein mag, die inneren Werte einer Weinflasche sind doch immer noch entscheidend.