Freitag, 15. Dezember 2017


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Trifokale Kunstlinsen bei Grauem Star

Ohne Brille lesen, am Computer arbeiten und Autofahren

München, (lifePR) - Patienten mit einem Grauen Star, die sich für die Implantation einer trifokalen Kunstlinse entscheiden, können in mehr als 90 Prozent der Fälle nach dem Eingriff auf eine Brille für Fern-, Nah- und mittlere Sicht verzichten. Die neueste Generation von Kunstlinsen ist jedoch nicht für alle Menschen geeignet, wie aus aktuellen Untersuchungsergebnissen hervorgeht. Warum es bei der Wahl der Kunstlinse unter anderem auch auf den Beruf ankommt, berichten Experten der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft auf einer Pressekonferenz am 28. September 2017 in Berlin.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 700.000 bis 800.000 Augen wegen eines Grauen Stars operiert. Die Behandlung besteht aus der Entfernung der getrübten Linse, die durch eine Kunststoff-Linse ersetzt wird. Erhalten die Patienten eine sogenannte Monofokallinse auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse, müssen sie wählen, ob der Brennpunkt der Kunstlinse scharfe Sicht auf nahe oder weite Distanz ermöglichen soll. „Das Implantat kann – anders als die natürliche Linse – nicht auf verschiedene Entfernungen scharf stellen“, erläutert DOG-Präsident Professor Dr. med. Thomas Kohnen. Patienten mit Monofokallinsen sind daher weiterhin auf eine Lese- oder Gleitsichtbrille angewiesen.

In den späten 1980er Jahren kamen Sonderlinsen mit mehreren Brennpunkten hinzu. „Die meisten dieser Multifokal-Linsen verfügen über zwei Brennpunkte, sodass sie Patienten sowohl in der Nähe als auch in der Ferne eine Brillenfreiheit ermöglichen“, berichtet Kohnen. „Der Nahpunkt der Kunstlinsen ist so eingestellt, dass die Patienten bequem lesen oder andere Tätigkeiten in kurzer Distanz durchführen können“, fügt der Direktor der Klinik für Augenheilkunde an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hinzu.

Inzwischen haben sich die Bedürfnisse jedoch verändert – die mittlere Sehdistanz, der Zwischenbereich, rückt immer stärker in den Fokus. Grund: Zunehmend arbeiten Menschen auch im Alter an Laptops oder Tablets, die in Entfernung einer Armlänge von etwa 60 bis 70 Zentimetern gehalten werden. „Die Bifokal-Linsen haben in diesem Bereich eine Schwäche“, berichtet Kohnen. „Viele Patienten, die sonst ohne Brille auskommen, benötigen für mittlere Abstände eine Sehhilfe.“

Diese Lücke wird seit Kurzem durch Tri- und neuerdings sogar Quadrifokal-Linsen mit drei oder vier Brennpunkten geschlossen. „Damit haben wir eine neue Qualität erreicht“, erläutert Kohnen. „Die trifokalen Linsen haben definitiv die bifokalen abgelöst, was das Ziel der Brillenfreiheit anbelangt.“ Eine Übersichtsarbeit, die visuelle Ergebnisse verschiedener Linsenarten vergleicht, bestätigt diese Einschätzung. „Die beiden gängigen trifokalen Linsenmodelle ermöglichen eine gute Sehschärfe im Zwischenbereich, und mehr als 90 Prozent der Patienten kamen nach einer Eingewöhnungsphase auf allen Sichtdistanzen ohne Brille aus“, berichtet der DOG-Präsident. Die Zufriedenheit der Patienten war ebenfalls hoch. „Über 90 Prozent erklärten, dass sie sich wieder für die implantierte trifokale Linse entscheiden würden“, so Kohnen.

Dennoch rät der DOG-Präsident nicht allen Patienten zu den High-Tech-Linsen, deren Zusatzkosten in Höhe von etwa 1000 bis 3000 Euro pro Auge die Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen; liegt ein Grauer Star vor, beteiligt sich die Kasse an den Kosten. Grund für die Zurückhaltung des Frankfurter Ophthalmologen: Linsen mit mehreren Brennpunkten haben prinzipielle optische Grenzen – Abstriche gibt es etwa beim Kontrastsehen, zudem können Phänomene wie Blendempfindlichkeit, Lichtringe (Halos) oder Sterne (Starburst) auftreten.

„Zwar gewöhnen sich die Augen meist in kurzer Zeit an Halos, und das Gehirn filtert sie gewissermaßen weg“, berichtet Kohnen. Die Patienten müssten aber über diese Nachteile aufgeklärt werden, die vor allem in der Dämmerung oder im Dunkeln auftreten. Für Berufsgruppen, die auf ein sehr gutes Sehen in der Ferne, bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Nacht angewiesen sind – beispielsweise LKW-Fahrer –, sind bi- oder trifokale Linsen daher nicht unbedingt geeignet; nichtsdestotrotz berichten auch viele Patienten, keine Probleme beim nächtlichen Fahren nach Implantation dieser Intraokularlinsen zu haben. „Am meisten profitieren Berufsgruppen mit Überkopfarbeiten wie Mechaniker und Handwerker von trifokalen Linsen“, erläutert Kohnen. Sie können bei ihren Tätigkeiten auf eine Brille verzichten, die häufig als störend empfunden wird.

Zu den sehr guten visuellen Ergebnissen, die heutzutage mit trifokalen Linsen erzielt werden, tragen auch verbesserte OP-Techniken durch Lasereinsatz sowie präzise Ausrechnungsverfahren der optimalen Linsenposition bei. „Trifokale Linsen sind insgesamt ein Meilenstein“, bilanziert Kohnen. „Der nächste Schritt werden Kunstlinsen sein, die die natürliche Fähigkeit des menschlichen Auges imitieren, auf jede Distanz spontan scharf stellen zu können.“ An solchen akkommodierenden Linsen, deren Anwendung der DOG-Präsident im nächsten Jahrzehnt erwartet, werde derzeit mit Hochdruck geforscht.

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7200 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.



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