Donnerstag, 21. September 2017


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Sport bei hohen sommerlichen Temperaturen - was Kinder und Jugendliche beachten sollten

Die Kommission Kinder- und Jugendsport der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) informiert

Frankfurt/ Main, (lifePR) - Sport spielt eine große Rolle bei der Förderung und Erhaltung der Gesundheit. Für die motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind regelmäßige körperliche Aktivität und sportliche Betätigung besonders wichtig. Doch wie sieht das bei hohen sommerlichen Temperaturen aus? Sollen die Sportaktivitäten dann unterbrochen werden? Erst vor kurzem wurde vom Zusammenbruch mehrerer Kinder bei einer Sportveranstaltung berichtet.
Die These, dass Kinder und präpubertäre Jugendliche bei Hitze an körperliche Belastung schlechter angepasst sind, konnte widerlegt werden. Verschiedene Studien zeigen, dass die Anpassungsvorgänge im Kindes- und Jugendalter zwar anders ablaufen als nach der Pubertät, aber genauso effektiv sind. Sport auch bei hohen sommerlichen Temperaturen ist möglich, so der Experte Dr. med. Wolfgang Lawrenz, Vorsitzender der Kommission Kinder- und Jugendsport der DGSP. Doch sollten die Empfehlungen für Kinder und Jugendliche „Sport bei großer Hitze“, die von der DGSP aktuell in einer Stellungnahme publiziert wurden, beachtet werden.

Bei großer Hitze kann Sport für Kinder und Jugendliche zum Gesundheitsrisiko werden
Steigende Umgebungstemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und intensive Sonneneinstrahlung führen zum sogenannten Hitzestress, bei dem es zum subjektiven Unwohlsein und erhöhter Belastung der körperlichen Anpassungsmechanismen kommt. Dies ist die leichteste Form der Hitzekrankheit. Sobald die Körperkerntemperatur weiter steigt, sind die Symptome zunehmend ernsthafter und können im schlimmsten Fall zu dauerhaften Schäden führen.

Ein besonderes großes Risiko stellen die Ausdauerbelastungen bei hohen Außentemperaturen dar
Körperliche Aktivität und Sport führen durch die vermehrte Muskelarbeit zu eine verstärkten Wärmeproduktion. Ein besonderes Risiko stellen hier Ausdauerbelastungen mit dem Einsatz großer Muskelgruppen und wiederholte Wettkämpfe mit nur kurzen Pausen dar. Auch das Tragen von eine speziellen Sportausrüstung, wie die Schutzkleidung beim American Football oder schlecht belüftete Helme beim Radfahren kann problematisch sein.

Kinder und präpubertäre Jugendliche zeigen bei großer Hitze unter starker körperlicher Belastung andere Mechanismen der Anpassung, die aber ähnlich effektiv sind wie bei den Erwachsenen

Besondere Herausforderungen stellen die Sonnenexposition, der verstärkte Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen und die geringe Flüssigkeitsaufnahme während des Sports dar. Kinder und Jugendliche verfügen laut aktueller Studienlage über andere, aber ebenso effektive Anpassungsvorgänge wie Sportler nach der Pubertät. So ist die Schweißproduktion insbesondere bei Jungen vor der Pubertät geringer als danach. Jedoch kommt es bei vergleichbarer Belastungsintensität zu keinem stärkeren Anstieg der Körperkerntemperatur. Normalgewichtige Kinder und Jugendliche tolerieren große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit besser als übergewichtige oder adipöse. Regelmäßige sportliche Betätigung hat zusätzlich einen Gewöhnungseffekt zur Folge, durch den hohe Temperaturen besser vertragen werden.

Empfehlungen zur Vermeidung von Problemen durch Sport bei großer Hitze sollten bei Kindern und Jugendlichen beachtet werden:


Wenn möglich, sollte die sportliche Aktivität an sehr heißen Tagen auf die kühleren Tageszeiten früh morgens oder abends gelegt werden.
Bei Hitze sollten Belastungsintensität und –dauer reduziert werden
15-30 Minuten vor Beginn der Belastung sollten 5-7 ml/kg Körpergewicht Flüssigkeit getrunken werden. Bei einem Kind mit einem Gewicht von 50 kg sind dies 250-350 ml.
Bei einer Belastungsdauer von über einer Stunde sollten pro Stunde ca. 10-13 ml/kg Körpergewicht Flüssigkeit zugeführt werden. Bei einem Gewicht von 50 kg entspricht das 500-650 ml/Stunde.
Nach Belastungsende ist eine Flüssigkeitsaufnahme von 4 ml/kg Körpergewicht für jede Stunde Belastung zu empfehlen. Bei einem Gewicht von 50 kg sind das 200 ml für jede Stunde Belastung.
Bei Wettkämpfen in großer Hitze sollte während und nach Belastung auf ausreichende äußere Kühlung mit kaltem Wasser, Eis oder Cool Packs geachtet werden.
Es sollte auf geeignete Sportkleidung, die eine gute Kühlung durch Schwitzen ermöglicht, geachtet werden
Bei intensiver Sonneneinstrahlung sollte auf einen ausreichenden Sonnenschutz exponierter Hautareale geachtet und zumindest in den Wettkampfpausen eine Kopfbedeckung getragen werden, um einem Sonnenstich vorzubeugen
Die begleitenden Lehrer, Eltern oder Trainer sollten die jungen Sportler regelmäßig beobachten. Bei Schwäche, Übelkeit oder Schwindel muss die Belastung abgebrochen werden
Bei organisierten Wettkämpfen sollte medizinisches Personal anwesend sein, das frühzeitig die Symptome einer Hitzekrankheit erkennt und adäquat darauf reagiert

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention e.V.

Die 1912 gegründete Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) ist die zentrale ärztliche Institution auf den Gebieten der Sportmedizin sowie der Gesundheitsförderung und Prävention durch körperliche Aktivität. Neben der Förderung von sport- und präventiv­medizinischer Forschung, Lehre sowie Fort- und Weiterbildung setzt die DGSP viele Projekte zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung um. Sie ist die Vereinigung der 17 Landesverbände für Sportmedizin und mit ihren 8000 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. 2012 feierte die deutsche Sportmedizin ihr einhundertjähriges Bestehen. Dem Präsidium gehören an: als Präsident Professor Dr. Klaus-Michael Braumann (Hamburg), als Vizepräsidenten Dr. Ingo Tusk (Frankfurt am Main), Dr. Thomas Schramm (Köln), Professor Dr. Bernd Wolfarth (Berlin), Professor Dr. Wilhelm Bloch (Köln) und Professor Dr. Christine Graf (Köln). Generalsekretär ist Professor Dr. Rüdiger Reer (Hamburg). Ehrenpräsidenten sind Professor Dr. Dr. Wildor Hollmann (Köln) und Professor Dr. Herbert Löllgen (Remscheid).

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