Dienstag, 26. September 2017


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Rheuma bei Kindern und Jugendlichen

Bilanz nach 17 Jahren Biologika: Mehr Lebensqualität, weniger Folgeschäden

Berlin, (lifePR) - Seit rund 17 Jahren wenden Rheumatologen Biologika zur Behandlung der Juvenilen Idiopathischen Arthritis (JIA), der häufigsten Rheumaform im Kindes- und Jugendalter, an. In Deutschland wurden bereits 1000 junge Patienten mit biotechnologisch hergestellten Medikamenten behandelt und bis ins Erwachsenenalter beobachtet. Wie gut ein Medikament tatsächlich wirkt, lässt sich oft erst einschätzen, wenn es bereits einige Jahre im Einsatz ist: Anlässlich des DGRh-Kongresses ziehen die Kinder- und Jugendrheumatologen eine positive Bilanz und erläutern Zahlen aus dem JIA-Register. Wie die Wirkstoffe die Lebensqualität junger JIA-Patienten verbessern, ist eines der Themen auf der DGRh-Pressekonferenz, die am 30. August 2017 im Vorfeld der Jahrestagung der Rheuma-Fachgesellschaften in Berlin stattfindet.

Rund jedes tausendste Kind in Deutschland erkrankt an Gelenkrheuma. „Allein aufgrund ihrer Häufigkeit bestimmt die JIA den kinderrheumatologischen Alltag“, sagt Professor Dr. med. Kirsten Minden, Kinderrheumatologin an der Kinderklinik der Charité und Leiterin der AG Kinder- und Jugendrheumatologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Ohne konsequente Therapie kann die fortschreitende Gelenkentzündung die Kinder und Jugendlichen erheblich einschränken. Die herkömmliche Basistherapie beruht vor allem auf Methotrexat, das die Überaktivität des Immunsystems unterdrückt. Es ist zwar gut wirksam, hilft aber nicht allen Patienten und wird manchmal nicht gut vertragen.

Mit Einführung der Biologika haben sich die Therapieoptionen deutlich erweitert. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe – meist Antikörper – die gezielt ins Krankheitsgeschehen eingreifen. Damit verringern sie nicht nur die akuten Symptome, sondern verbessern auch den langfristigen Verlauf der Krankheit. Junge Rheuma-Patienten, die vor zehn Jahren das Erwachsenenalter erreichten, hatten in rund der Hälfte der Fälle mit Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparats zu kämpfen. Heute erreichen ungefähr zwei Drittel der Patienten die Volljährigkeit ohne solche Einschränkungen. Auch die Häufigkeit der gefürchteten Begleiterkrankungen hat durch den breiten Einsatz der Biologika deutlich abgenommen. „Die jungen Menschen treten mit einer immer besseren Lebensqualität in ihre Zwanziger ein“, freut sich Kirsten Minden. Wachstumsstörungen wie etwa ein Kleinwuchs träten statt bei 5 Prozent nur noch bei 0,5 Prozent der jungen JIA-Patienten auf und auch die Zahl der rheumatischen Augenentzündungen, die die Sehkraft gefährden, habe deutlich abgenommen. Junge Rheumatiker mit schwerer Polyarthritis benötigten zudem seltener einen künstlichen Gelenkersatz.

Wie gut die Krankheit und ihre Folgen in den Griff zu bekommen sind, hängt entscheidend davon ab, wie früh die Therapie einsetzt. „Daten des nationalen JIA-Registers JuMBO zeigen, dass Gelenkschädigungen und Funktionseinbußen im Erwachsenenalter umso seltener sind, je früher und konsequenter die Patienten behandelt werden“, betont Minden. Kinder mit schweren Rheumaformen, die innerhalb der ersten zwei Erkrankungsjahre eine Basistherapie mit Biologika und anderen Rheuma-Medikamenten wie Methotrexat erhielten, erreichten in 20 Prozent der Fälle das höchste Therapieziel und blieben auch ohne Medikamente langfristig symptomfrei. Setzte die konsequente Behandlung dagegen erst nach dem fünften Erkrankungsjahr ein, befanden sich nur fünf Prozent im Erwachsenenalter in sogenannter therapiefreier Remission – was ein dauerhaftes Nachlassen oder komplettes Verschwinden der Krankheitssymptome bedeutet.

Aktuelle Entwicklungen in der Therapie der JIA und ihrer Prognose wird Professor Minden auf der Pressekonferenz am 30. August 2017 in Berlin vorstellen. Weitere Vorträge werden sich unter anderem mit der Vereinbarkeit rheumatischer Erkrankungen mit dem Beruf und mit dem Thema Rheuma und Gelenkersatz beschäftigen.

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