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Pressemitteilung BoxID: 682258 (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V)
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Alkohol, Medikamente, Überernährung: Leberleiden können viele Ursachen haben

Deutscher Lebertag am 20.11.: DGVS fordert Lebervorsorge im Gesundheits-Check ab 35

(lifePR) (Berlin, ) Leberkrankheiten werden in der Öffentlichkeit noch immer vor allem mit übermäßigem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Dabei sind Krankheiten der Leber verbreiteter und vielfältiger, als oft angenommen: Neben Alkohol können auch Medikamente, bestimmte Viren oder Überernährung die Leber schädigen. Das Tückische an Leberleiden ist: Sie verursachen lange Zeit keine Symptome. Oft machen sie sich erst bemerkbar, wenn sie bereits zur Leberzirrhose und Leberzellkrebs fortgeschritten sind. Um Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sollte die Bestimmung der Leberwerte in den „Check-up 35“ aufgenommen werden. Diesen bieten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern ab dem Alter von 35 an. Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) anlässlich des Deutschen Lebertages am 20. November. Die Forderung nach einer verbesserten Lebervorsorge ist auch Bestandteil des aktuellen Aufrufs der DGVS „Prävention beginnt in den Verdauungsorganen“.

„Die Leber ist ein Organ mit enormen Regenerationsfähigkeiten: Eine Fettleber beispielsweise ist in der Lage, sich vollständig zu erholen, sofern man die Ursachen, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben, rechtzeitig ausschaltet“, sagt DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein aus Aachen. „Auch deshalb muss es unser vordringliches Ziel sein, Leberschäden in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren – bevor es zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs kommt. Ein wichtiger Schritt ist dabei, die Aufnahme der Leberwert-Bestimmung in den ‚Check-up 35‘“. Insbesondere für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Lebererkrankungen ist die regelmäßige Überprüfung der Leberwerte wichtig. Dazu zählen übergewichtige und alkoholkranke Menschen sowie Patienten, die dauerhaft Medikamente einnehmen müssen.

Die am weitesten verbreitete Lebererkrankung in Deutschland ist die nicht-alkoholische Fettleber – sie betrifft bereits circa 30 Prozent der Bevölkerung. Vor allem Adipositas, Übergewicht und eine unausgewogene Ernährung sind die Ursachen. Lange Zeit symptomlos, ist die nicht-alkoholische Fettleber in westlichen Industrienationen inzwischen für 10 bis 20 Prozent aller Leberzirrhosen und Leberkrebserkrankungen verantwortlich – Tendenz steigend. Auch übermäßiger Alkoholkonsum führt dazu, dass das Organ verfettet. Ärzte sprechen dann von einer alkoholischen Fettleber. Bei Frauen gelten 10 Gramm Alkohol pro Tag als unbedenklich für eine gesunde Leber. Das entspricht einem viertel Liter Bier oder einem achtel Liter Wein. Bei Männern gilt die doppelte Menge als Grenzwert. Die Methode der Wahl, um eine Fettleber zu diagnostizieren, ist eine Ultraschalluntersuchung. Sind die Schädigungen der Leber bereits fortgeschritten, zeigt sich dies auch im Blutbild. 

Neben verschiedenen erblichen Krankheiten kann zudem die regelmäßige Einnahme mancher Medikamente die Leber schädigen. Zu den Arzneimitteln, die häufig die Leber beeinträchtigen, gehören neben Paracetamol und bestimmten Rheumamedikamenten vor allem Antibiotika.

Auffällige Leberwerte können aber auch ein Hinweis auf die Virusinfektionen Hepatitis B und C sein. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass zwischen 0,3 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung mit Hepatitis C und etwa 0,5 Prozent mit Hepatitis B infiziert sind. Zu den Risikogruppen für eine Infektion zählen Menschen, die aktuell oder in der Vergangenheit intravenös Drogen konsumiert haben, homosexuelle Männer, Migranten aus Ländern, in denen die Infektionen weit verbreitet sind oder Menschen, die vor ca. 1970 (Hepatitis B) oder ca. 1990 (Hepatitis C) eine Bluttransfusion erhalten haben. „Sofern diese Infektionen frühzeitig diagnostiziert werden, sind sie gut behandelbar“, so Trautwein. Bei Hepatitis B könne eine antivirale Behandlung das Voranschreiten der Krankheit verhindern. Das Hepatitis C-Virus lasse sich dank neuer Medikamente sogar komplett eliminieren. Eine frühe Behandlung könne zudem die Weitergabe der Infektion an Dritte effektiv unterbinden.

Die DGVS hat in der Vergangenheit bereits mehrfach die Aufnahme eines Lebertests in das Vorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenkassen gefordert. Obwohl zum Beispiel bei der hausärztlichen Vorsorgeuntersuchung „Check-up 35“ eine Blutentnahme erfolgt, gehört die Erhebung der Leberwerte bislang nicht zum Programm. „Patienten, die zur Vorsorge gehen, vertrauen darauf, dass sie mit dem „Check-up 35“ ein effizientes Präventionsangebot erhalten“, so Trautwein. In seiner jetzigen Ausgestaltung sei das Vorsorgeprogramm jedoch unvollständig.

Die Forderung nach einer verbesserten Lebervorsorge ist auch Bestandteil des aktuellen Aufrufs der DGVS „Prävention beginnt in den Verdauungsorganen“. Das Positionspapier der Fachgesellschaft legt dar, welche Initiativen in Forschung, Prävention und Behandlung notwendig sind, um die Volkskrankheiten der Verdauungsorgane angemessen zu versorgen und Neuerkrankungen zu vermeiden.

Einen Überblick über die zahlreichen Veranstaltungen und Vorträge, die im Umfeld des Deutschen Lebertages stattfinden, finden Interessierte unter http://www.lebertag.org/

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5500 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane - zum Wohle des Patienten.