Öffentliche Vorträge der Leopoldina am 23. September 2009

(lifePR) ( Halle, )
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Öffentliche Vorträge der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina zu den Themen
- "Die Leishmaniose, eine in Deutschland zu wenig bekannte Erkrankung"
- "Vom Genomprojekt zur Netzwerktheorie - zum Verständnis genetisch bedingter Erkrankungen"

Termin: Dienstag, 23. September 2008, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

Prof. Dr. Martin Röllinghoff ML, Erlangen:
"Die Leishmaniose, eine in Deutschland zu wenig bekannte Erkrankung"

Leishmaniosen sind parasitäre Infektionen, die durch Stechmücken übertragen werden. Die verursachenden, obligat intrazellulären Protozoen gehören zur Gattung der Leishmania. Leishmaniosen kommen weltweit vor - in Deutschland allerdings nur als seltene, importierte, nicht meldepflichtige Erkrankungen. Sie variieren in ihrem klinischen Verlauf in Abhängigkeit von Parasiten-Spezies, von Wirtsfaktoren, der Wirtsimmunantwort und der endemischen Region ihres Auftretens. Leishmaniosen können entweder subklinisch (inapparent), lokal (Haut-Läsion) oder disseminiert (multiple Haut-, Schleimhaut- oder viszerale Läsionen) verlaufen. Trotz T-Zell-abhängiger Immunreaktionen, welche asymptomatische oder selbstheilende Verläufe zur Folge haben, oder erfolgreicher Therapie besteht die intrazelluläre Infektion wahrscheinlich lebenslang, da die Zielzellen der Leishmanien (u. a. Gewebsmakrophagen) diesen erlauben zu persistieren. Im Vortrag wird besonders auf die Pathogenese, die Wirtsimmunabwehr und die Erregerpersistenz eingegangen.

Martin Röllinghoff: Studium der Humanmedizin an der Universität Freiburg, der Universität Wien und der Universität Tübingen (1961-1967), Promotion an der Universität Tübingen (1967), Habilitation an der Universität Mainz (1975). Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie (1979), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Mainz (1973-1983). 1983-2007 Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Mikrobiologie. Verschiedene Preise und Auszeichnungen u. a. Boehringer-Ingelheim- Preis (1980), Bundesverdienstkreuz (2007). Mitglied des Beirates des Zentrums für Infektiologie in Würzburg (1992-2000), Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut Berlin (seit 1999), Mitglied von Senat und Hauptausschuss der DFG (2000-2005), Mitglied des Hochschulrates der Universität Mainz (seit 2003), des Universitätsrates Schleswig-Holstein (seit 2006) und der European Science Foundation in Straßburg. Gutachter u. a. für DFG, BMFT, GSF München. Mitherausgeber der Zeitschriften Eur. J. of Immunology, Immunobiology, Immunology Letters, Internat. Arch. of Allergy and Immunology.

Forschungsschwerpunkte: Infektionsimmunologie am Modell der murinen Leishmaniasis und der murinen Yersiniose

Seit 2001 ist Martin Röllinghoff Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Mikrobiologie und Immunologie).

Kontaktadresse: Prof. Dr. Martin Röllinghoff, Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, Universität Erlangen, Wasserturmstr. 3/5, 91054 Erlangen

Prof. Dr. Stefan Mundlos ML, Berlin:
"Vom Genomprojekt zur Netzwerktheorie - zum Verständnis genetisch bedingter Erkrankungen"

Mit der Sequenzierung des menschlichen Genoms wurde die Grundlage gelegt, genetisch bedingte Erkrankungen in ihrer molekularen Pathogenese zu verstehen. Die Erforschung von monogenen, d. h. durch einen Gendefekt verursachten Erkrankungen hat wesentlich zu unserem Verständnis von Genfunktionen und den Auswirkungen von Genmutationen beigetragen. Allerdings hat sich herausgestellt, dass nur ein Teil des Phänotyps über die eine Veränderung zu erklären ist. Andere genetische und Umwelt-Einflüsse tragen offensichtlich auch wesentlich zur Ausprägung eines Krankheitsbildes bei. Genmutationen müssen daher in ihrem molekularen Kontext gesehen werden und können nicht isoliert betrachtet werden. Netzwerktheorien helfen, die Verknüpfung eines Krankheitsgens innerhalb eines regulativen Systems darzustellen und zu verstehen. Basierend auf neuen Erkenntnissen von molekularen Signalwegen und der Isolation von Krankheitsgenen können Krankheitsgruppen definiert werden, die ihre Ursache in fehlregulierten Signalwegen haben. Basierend auf solchen "disease families" kann ein neues molekular definiertes Krankheitsverständnis entstehen.

Stefan Mundlos: Studium der Humanmedizin an der Universität Göttingen (1978-1982), Promotion an der Universität Marburg (1986), Habilitation an der Universität Mainz (1997). Facharzt für Pädiatrie (1992) und für Humangenetik (1998). Forschungsaufenthalte an der University of Melbourne, Australien (1993-1994), und an der Harvard Medical School, Boston, USA (1994-1996). Professor für Entwicklungsgenetik an der Universität Heidelberg (1998-2000), seit 2000 ordentlicher Professor für Medizinische Genetik an der Charité Berlin und Leiter der Forschungsgruppe Entwicklungsgenetik am MPI für Molekulare Genetik, Berlin. Verschiedene Preise und Auszeichnungen, u. a. Friedrich-Linneweh-Preis (1997), Adalbert-Czerny-Preis der deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (1997). Gutachtertätigkeit für diverse Zeitschriften wie Nature Genetics, American Journal of Human Genetics, American Journal of Medical Genetics, Journal of Medical Genetics, Human Molecular Genetics, Clincial Genetics, Development, Developmental Biology.

Forschungsschwerpunkte: Genetik und Pathogenese von Skelettdysplasien, Entwicklungsgenetik

Seit 2004 ist Stefan Mundlos Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin).

Kontaktadresse: Prof. Dr. Stefan Mundlos, Institut für Medizinische Genetik, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
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