Donnerstag, 19. Juli 2018


  • Pressemitteilung BoxID 423336

Selbsthilfe rüstet sich für 2020!

Krise als Herausforderung und Chance

Stuttgart, (lifePR) - Die gesundheitsbezogene Selbsthilfe hat sich zu einer tragenden Säule im Gesundheitssystem entwickelt. Der gesundheitspolitische Stellenwert ist deutlich angewachsen und die Anforderungen als Fachverband und Interessenvertretung für Betroffene hat sich enorm erhöht. Institutionen des Gesundheitswesens stellen zunehmend größere Erwartungen an die Selbsthilfe in Fragen zu Behandlungsmethoden bzw. medizinischer Beratung. Bei den Betroffenen steigt das „Konsumverhalten“ für fachliche Informationen und das aktive Engagement sinkt. Darüber hinaus machen massive Nachwuchsprobleme der Selbsthilfe zu schaffen. Dieser Spagat zwischen Selbsthilfe-Gemeinschaft, Dienstleister und Interessenvertretung, aber auch die Bewältigung des aktuell stattfindenden Generationenwechsels und die Erschließung der Zielgruppe junger Menschen stellen die Selbsthilfe vor eine große Herausforderung. In Stuttgart gibt es derzeit ca. 420 gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen. Landesweit befinden sich allein 2.000 Selbsthilfegruppen und ca. 45 Landesverbände der Selbsthilfe unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg.

„Die aktuelle Entwicklung in der Selbsthilfe ist geprägt davon, dass die örtlichen Selbsthilfegruppen, besonders in den verbandlich organisierten Selbsthilfeverbänden engagierte Mitglieder verlieren, die Betroffenen aber mit hohen Erwartungen an die Selbsthilfegruppen und ‐organisationen herantreten, was die indikationsspezifische Information und Beratung sowie die Interessenvertretung betrifft. Für viele Aktive gilt es den Spagat zwischen Selbsthilfe-Gemeinschaft, Dienstleister und Interessenvertretung zu bewältigen“, erklärte Biggi Bender MdB, stellv. Landesvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg. „Diese neuen Maßstäbe bedeuten auch für die Selbsthilfeorganisationen, das ehrenamtliche Engagement der Aktiven neu zu definieren. Um zukunftssicher zu sein, bedarf es auch einer flächendeckenden Infrastruktur der Selbsthilfeförderung und Maßnahmen der Selbsthilfeaktivierung durch die Kommunen, wo insb. Selbsthilfekontaktstellen eine zunehmend wichtigere Rolle spielen werden.“

In Baden-Württemberg gibt es insgesamt ca.15.000 – 16.000 Menschen mit Multipler Sklerose (MS). „Selbsthilfeverbände müssen sich den veränderten Bedingungen der Selbsthilfe anpassen, um auch in Zukunft die Interessen und Bedürfnisse von Betroffenen zufrieden zu stellen“, betonte Helmut Geiger, stellv. Geschäftsführer des AMSEL Landesverbandes der DMSG in Baden-Württemberg. „MS-Betroffene haben einen zunehmend hohen Bedarf an fachlichen Informationen zum Krankheitsbild. Deswegen bauen wir unsere Stellung als starker Fachverband weiter aus. Für junge Menschen haben wir im Internet eine zusätzliche Möglichkeit des virtuellen Austausches über Foren und Chats sowie Facebook geschaffen, die sehr gut angenommen wird. Unser regionales Gruppenangebot möchten wir stärker auch für junge Menschen attraktiv machen, durch spezielle Begegnungsmöglichkeiten, Aktionen und Events. Als überregionale Angebote organisieren wir bereits seit einigen Jahren Aktionstage für junge MS-Erkrankte, ein U30-Camp am Bodensee und ein U30-Treffen im Bahnhofsturm Stuttgart. Die Resonanz auf diese Mischung zwischen Austausch, Action und Fachinformationen ist sehr gut“, so Geiger.

Die Rheuma-Liga Baden-Württemberg wird vom Engagement von ca. 2.500 Ehrenamtlichen und nur 10 Hauptamtlichen getragen. Damit die Arbeit vor Ort in den Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen nicht gefährdet wird, hat sich die Rheuma-Liga Baden-Württemberg die „Ehrenamtsarbeit“ zur wichtigsten Aufgabe gemacht und ein Konzept unter dem Motto „Suchen - Motivieren – Binden“ von Ehrenamtlichen“ entwickelt. „Erste Ergebnisse sind ermutigend“, sagte Siegfried Hofmann, Geschäftsführer der Rheuma-Liga Baden-Württemberg.

„Wir konnten neue Ehrenamtliche aus den unterschiedlichsten Altersgruppen gewinnen, von jungen bis zu älteren Menschen. Eine wichtige Phase ist nun: diese neuen Ehrenamtlichen in die bestehenden Gruppen vor Ort einzubinden. Um jungen Rheumakranke für ein kontinuierlichen Engagement zu motivieren, haben wir sie eine eigene Aktion durchführen lassen. Mit unserem sog. Info-Truck der Rheuma-Liga haben sie in Stuttgart in der Fußgängerzone die Bevölkerung über die Problematik der rheumatischen Erkrankung aufgeklärt, insbesondere darüber, dass Rheuma nicht nur eine Erkrankung von älteren Menschen ist, sondern auch Kinder und Jugendliche treffen kann,“ so Hofmann.

Landesweit gibt es 41 Selbsthilfekontaktstellen. Sie bieten Selbsthilfeinteressierten und Selbsthilfegruppen themenübergreifend Informationen, Kontakte und Unterstützung auf örtlicher Ebene an. Um die Gründung einer Selbsthilfegruppe zu erleichtern, hat die Selbsthilfekontaktstelle KISS Stuttgart ein Projekt „In-Gang-Setzer“ initiiert. „In-Gang-Setzer“ sind ehrenamtliche Mitarbeiter/innen der KISS Stuttgart, die Selbsthilfegruppen während der Aufbauphase bei den Gruppentreffen unterstützen. „Das erleichtert es den Menschen über die besonderen Schwierigkeiten der Anfangsphase besser hinwegzukommen und die gewünschte Stabilität zu erlangen“, erklärte Hilde Rutsch Leitung der Selbsthilfekontaktstelle KISS Stuttgart. „Hiervon profitieren in erster Linie Selbsthilfegruppen im psychosozialen Bereich. Mit diesem Angebot ermutigen wir auch junge Menschen, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Z.B. gibt es derzeit eine Gründungsinitiative „Depressionen“ von jungen Menschen im Alter zwischen 20 – 25 Jahren. Da sind unsere „In-Gang-Setzer“ eine große Hilfe, diesen Schritt zu wagen“, so Rutsch.

Der PARITÄTISCHE fordert das Land und die Kommunen auf, sich nicht aus der Selbsthilfeförderung für Selbsthilfeorganisationen, Kontaktstellen und Gruppen mit Verweis auf die Krankenkassen-Förderung zurückzuziehen. Selbsthilfeförderung ist und bleibt auch eine „Gemeinschaftsaufgabe“ und liegt damit auch in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Darüber hinaus müssen die Krankenkassen die zunehmende Bürokratisierung der Selbsthilfeförderung, gerade für die Selbsthilfegruppen vor Ort, abbauen. Bei ihnen können nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden, wie bei den oft hauptamtlich geführten Landesverbänden der Selbsthilfe.

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