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Pressemitteilung BoxID: 204089 (Der Paritätische Wohlfahrtsverband LV Baden-Württemberg)
  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband LV Baden-Württemberg
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Doppelt hält nicht besser!

Pflegekräfte in Baden-Württemberg wehren sich gegen Doppelprüfung durch MDK und Heimaufsicht

(lifePR) (Stuttgart, ) Seit einem Jahr werden Pflegeheime in Baden-Württemberg zweimal im Jahr, zum einen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und zum anderen durch die Heimaufsichten in Baden-Württemberg geprüft. Damit soll die Pflegequalität in den baden-württembergischen Altenpflegeheimen transparent und vergleichbar werden. Mit einer Postkartenaktion an die Sozialministerin Dr. Monika Stolz unter dem Motto "Muss Ihr Auto auch zweimal im Jahr zum TÜV? Pflegeheime in Baden-Württemberg schon..." wehren sich Pflegekräfte aus der vollstationären Altenhilfe im Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg gegen die unkoordinierten Doppelprüfungen durch den MDK und die Heimaufsicht. Der neue vom Sozialministerium verfasste Prüfleitfaden für die Heimaufsichten in Baden-Württemberg deckt sich in weiten Teilen mit den Prüfinhalten der Qualitätsprüfung durch den MDK und stellt stationäre und teilstationäre Altenhilfeeinrichtungen vor große personelle und zeitliche Ressourcenprobleme.

"Die erhebliche zeitliche Beanspruchung für die laufende Dokumentation im Vorfeld, die Begleitung während der Prüfungen und deren Nachbereitung binden das Personal und verkürzt somit die Zeit, die eigentlich dringend zur direkten Pflege an den Bewohnerinnen und Bewohnern notwendig ist", betont Michael Hünninger, Vorsitzender der Fachgruppe stationäre Altenhilfe im Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg und Geschäftsführer der GEVITA RESIDENZ LÖRRACH. "Und das bedeutet bei einer Einrichtung mit 80 bis 100 Betten, dass allein für diese beiden Prüfungen zwischen 85 und 90 Stunden pro Jahr aufgewendet werden müssen - also über zwei Wochen reine Arbeitszeit - , die das Pflegepersonal für die Doppelprüfung statt für die Pflege der Pflegebedürftigen aufbringt."

"Selbstverständlich stellen wir die grundsätzliche Notwendigkeit, Pflegeheime in Baden-Württemberg auf die Qualität ihrer Arbeit hin zu prüfen, nicht in Frage. Es geht aber um die Frage, welchen Nutzen diese Doppelprüfungen mit Blick auf den Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen überhaupt haben. Und diese Prüfungen gibt es nicht zum Nulltarif", erklärt Hünninger weiter. Bei ca. 1.400 stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg mit durchschnittlichen Bruttopersonalkosten von 40 Euro / Stunde entstehen nach unseren eigenen Berechnungen durch die Prüfungen von MDK und Heimaufsicht Kosten in Höhe von 5,04 Millionen Euro im Jahr. Mit diesem Geld könnten rund 130 Pflegekräfte für Einrichtungen im Land finanziert werden. "Es kann doch nicht sein, dass Geld in "Doppelkontrollen" fließt, das dringend in Fachkräfte investiert werden müsste. Die Folge sind oftmals unabgestimmte Doppelprüfungen von Sachverhalten durch Heimaufsicht und MDK, die im Ergebnis zum Teil auch noch widersprüchlich sind", so Hünninger.

Auch bei den seit dem 01. Januar 2008 vorgesehen Veröffentlichungen der Qualitätsberichte der Heimaufsicht in den Stadt- und Landkreisen besteht noch dringender Nachbesserungsbedarf. Gegenwärtig sind die Prüfinhalte der Heimaufsichten in den einzelnen Stadt- und Landkreisen inhaltlich nicht deckungsgleich und damit für den Verbraucher nicht transparent und vergleichbar. Darüber hinaus entstehen erhebliche Wiedersprüche bei der Bewertung identischer Sachverhalte und unterschiedliche Prüfergebnisse sind die Folge. Das führt zu einem falschen oder widersprüchlichen Eindruck der Pflegequalität einer Einrichtung.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden Württemberg fordert deshalb von der Landesregierung einen Kurswechsel und zukünftig Doppelprüfungen von Heimaufsichten und MDK zu vermeiden. Im Rahmen der Regelungen und Vereinbarungen über die Zusammenarbeit von MDK und Heimaufsicht ist es unbedingt erforderlich, im Sinne eines arbeitsteiligen ineinandergreifenden Vorgehens, die jeweiligen Prüfinhalte systematisch gegeneinander abzugrenzen. So kann aus einer ineffizienten Doppelprüfung eine gemeinsame effiziente Qualitätsprüfung werden. Denn nur durch eine Entbürokratisierung des Prüfgeschehens können die Pflegekräfte im Sinne des Verbrauchers mehr Zeit für die individuelle Pflege und Betreuung der Pflegebedürftigen aufbringen.