Samstag, 21. Juli 2018


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KODEX2018: Presse-Statement von Peter H. Dehnen

Düsseldorf, (lifePR) - .
• Zwanzig klar formulierte Prinzipien statt umfangreicher und detaillierter Empfehlungen, die den Blick auf das Wesentliche verstellen
• Größerer Spielraum für unternehmensindividuelle Umsetzungen soll Diskussionen fördern und die Corporate-Governance-Kultur stärken
• Einbindung in umfassendes Corporate-Governance-Reporting geplant

Der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Rolf Nonnenmacher, hat bei seiner Antrittsrede im Juni eine „grundlegende Überarbeitung“ des Regelwerks angekündigt. Ich habe im daraufhin meine Unterstützung zugesagt und in den vergangenen Wochen im engen Dialog mit führenden Aufsichtsratsvorsitzenden den KODEX2018 erarbeitet, der sich in wesentlichen Punkten vom aktuellen Regelwerk unterscheidet.

Ich bin überzeugt, dass es 15 Jahre nach Einführung des Kodex an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Denn trotz detaillierter Empfehlungen sind viele Unternehmen noch immer weit von guter Unternehmensführung entfernt; Boni-Exzesse, Interessenkonflikte in Aufsichtsräten und Compliance-Verstöße schwächen die Akzeptanz der Marktwirtschaft und sind Wasser auf die Mühlen von Populisten.

Das der aktuelle Kodex nicht die erhofften Fortschritte gebracht hat, liegt nach meiner festen Überzeugung an den allzu kleinteiligen Vorgaben. Sie verstellen den Blick auf das Wesentliche und führen dazu, dass sich vielerorts Juristen und nicht die Manager mit dem Thema befassen. Zudem fördern sie einen formalistischen Habitus: Verantwortliche haken einzelne Punkte ab, statt zu überlegen und zu diskutieren, was „Good Governance“ in ihrem Fall bedeutet.

„Mehr denken, weniger abhaken“

Solche Überlegungen und Diskussionen sind jedoch der Schlüssel zu einer besseren Corporate-Governance-Kultur sind. Wir sollten deshalb dafür sorgen, dass mehr diskutiert und weniger abgehakt wird – und zwar, indem sich der KODEX2018 auf das Wesentliche (verantwortliches Handeln) konzentriert und Verantwortlichen mehr Spielraum gibt

Mit interessengeleiteter Deregulierung hat das nichts zu tun: Wer Vorständen und Aufsichtsräten größere Freiheiten lässt, nimmt sie zugleich stärker in die Verantwortung. Dagegen müssen sie derzeit nur eine Checkliste abhaken (lassen), um das Thema ad acta legen zu können.

Einbettung in Governance-Reporting

Zudem schlage ich vor, den Kodex um ein verpflichtendes Corporate-Governance-Reporting zu ergänzen. Unternehmen müssten dann im Sinne des „Apply-and-Explain“-Prinzips detailliert erläutern, wie sie die 20 Prinzipien umsetzen – und auf diese Weise die abstrakt formulierten Empfehlungen mit Leben füllen. Abstrakt heißt also in diesem Fall nicht inhaltsleer.

Ich hoffe, dass der KODEX2018 trotz der erheblichen Unterschiede von niemandem als Kampfansage verstanden wird: Es geht uns darum, alternative Wege aufzuzeigen, zum Blick über den Tellerrand zu ermutigen und die Diskussion zu befruchten.

Den KODEX2018 finden Sie hier. Interessierte sind herzlich eingeladen, die Kommentarfunktion zu nutzen und Anmerkungen, Anregungen und Kritik zu übermitteln. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Peter H. Dehnen

Peter H. Dehnen ist internationaler Corporate-Governance-Experte. Er vertritt die deutschen Aufsichtsräte in den deutschen, europäischen und globalen Direktorennetzwerken (VARD, ecoDa bzw. GNDI). Weitere Informationen finden Sie auf peterdehnen.de.

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