Sonntag, 24. Juni 2018


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Rehabilitationsbehandlung nach individuellem Bedarf, nicht nach ökonomischen Anreizen planen

Berlin, (lifePR) - Die Zahl multimorbider und älterer Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern ist innerhalb von zehn Jahren um ca. 80 Prozent gestiegen und der Trend setzt sich fort. Das stellt Anforderungen an Kliniken und ihre Versorgungsstrukturen, mit denen sie bisher nicht adäquat umgehen, sagt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zum heute veröffentlichten BARMER-Krankenhausreport 2017. „Schuster, bleib bei deinem Leisten! Dieser Gedanke drängt sich auf, betrachtet man die Steigerungszahlen, Kosten und Outcomes der für die Kliniken äußerst lukrativen rehabilitativen Versorgung. Denn seitdem sie eine ‚geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung‘ (GFKB) pauschal abrechnen können, tummeln sie sich nun auch in diesem Therapiefeld. Und sind dabei teuer, aber nur mäßig erfolgreich“, erklärt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Ökonomische Anreize rechtfertigen weder eine bestimmte Indikationsstellung noch eine starre Therapiedauer. Jeder Patient hat das Recht auf eine am individuellen Bedarf ausgerichtete Therapieform sowie größtmögliche Wiederherstellung seiner Mobilität und Selbständigkeit. Für rehabilitative Behandlung sind Strukturen und Kompetenzen erforderlich, die in den Krankenhäusern ganz offenbar nicht ausreichend vorgehalten werden. Hier wirkt sich der Pflegefachkräftemangel aus, denn multimorbide Patientinnen und Patienten leiden ganz besonders, wenn es nicht genug Pflege gibt. Unser Gesundheitssystem kann es sich auf Dauer nicht leisten, Geld ohne erwiesenen Nutzen zu verschleudern. Deshalb muss die Forderung sein, dass Krankenhäuser sich personell und strukturell besser auf die Bedürfnisse älterer Patientinnen und Patienten einstellen müssen. Und sich vorrangig auf ihr Kerngeschäft – eine gute Akutversorgung – konzentrieren sollten.“

Der Krankenhausreport hat in diesem Jahr Routinedaten im Hinblick auf die immer größer werdende Zahl geriatrischer Patienten untersucht. Schwerpunkt dabei: die Effizienz am Beispiel der rehabilitativen Versorgung, beispielsweise nach einer Oberschenkelhalsfraktur aufgrund eines Sturzes. Die Ergebnisse sind auffällig und lassen berechtigte Zweifel zu, ob ältere Patientinnen und Patienten für die Phase der Rehabilitation im Krankenhaus gut aufgehoben sind. Vielmehr führen finanzielle Fehlanreize dazu, dass ältere, multimorbide Menschen länger als nötig und kürzer als erforderlich im Krankenhaus gehalten werden, um die Vergütungspauschale mitzunehmen. Zudem sind die Ergebnisse hinsichtlich einer Abwendung von Pflegebedürftigkeit schlechter als bei der kostengünstigeren Behandlung in einer Reha-Einrichtung. Die große Zahl der Fälle und die damit verbundenen hohen Kosten sorgen für hohe Relevanz des Themas.

DBfK Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de.

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