"Friedrich unser Held". Gleim und sein König

Ausstellung im Gleimhaus Halberstadt, 15. Januar bis 21. April 2012

(lifePR) ( Halberstadt, )
Am Sonntag, 15.1., um 11.15 Uhr öffnet im Gleimhaus Halberstadt die Ausstellung "Friedrich unser Held". Gleim und sein König. Ohne seinen König Friedrich ist der Halberstädter Dichter und Sammler Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) ebenso wenig vorstellbar wie ohne Freunde. Die enthusiastische Verehrung Friedrichs II. war neben dem Freundschaftskult, der Dichtung und dem Sammeln ein wesentliches Lebensmotiv Gleims. Mindestens dreimal ist er ihm von Angesicht begegnet und war fasziniert von seiner Ausstrahlung. Noch als Kind hatte Gleim am Beispiel seines Schwagers aus nächster Nähe erfahren, wie Friedrich, damals noch als Kronprinz, einem Untertanen gegenüber dem repressiven Staatsapparat zu seinem Recht verholfen hatte. Gleim verehrte und idolisierte Friedrich II. als Repräsentanten der Musen, der Vernunft, Weisheit, Gerechtigkeit, Humanität, mithin der Aufklärung sowie als Kriegsheld.

Auch für Gleims literarisches Schaffen war die Gestalt Friedrichs II. von Bedeutung. Bis in das 20. Jahrhundert hinein beruhte der Ruhm des Halberstädter Dichters maßgeblich auf dessen patriotischen Dichtungen zum Siebenjährigen Krieg, die 1758 Lessing unter dem Titel "Preußische Kriegslieder" mir der Verfasserangabe "von einem Grenadier" herausgegeben hatte. In der Literatur wurden diese Kriegslieder als neue Bardendichtung gefeiert. Der Grenadier wurde zu Gleims alter ego.

Die Grenadierslieder sind weniger darauf angelegt, den Gegner zu schmähen, als vielmehr den König als Helden zu preisen, das Kraftgefühl, das der Armee in den ersten drei Kriegsjahren zu eigen war, zu ehren und deren Kampfesmut anzufeuern. Und doch hat Gleim sich zu allen Zeiten immer wieder in den entschiedensten Worten gegen Kriege ausgesprochen.

Gleim folgte der Argumentation Friedrichs II. über die Gründe der Schlesischen Kriege voll und ganz. Nicht nur den Siebenjährigen Krieg erachtete er als Preußen aufgezwungen, sondern auch die Ursachen desselben, die ersten beiden Schlesischen Kriege. Aus dieser Sicht gewann Gleim auch die Hoffnung auf den Beistand Gottes, den dieser doch der gerechten Sache gewähren müsse.

Über die Kriegslieder hinaus hat eine unübersehbare Zahl von Dichtungen Gleims in allen Gattungen den Preußenkönig zum Gegenstand. Selbst der weise Löwe seiner Fabeln trägt dessen Züge.

Neben der Literarisierung des Königs zeugt auch der Reliquienkult, den Gleim nach dem Tod Friedrichs betrieb, von seiner Verehrung.

Friedrich II. hatte in den Augen Gleims nur einen einzigen, allerdings gravierenden, Fehler: Er war der französischen Kultur zugetan und ein Verächter der deutschen Dichter. Es ist als Ironie des Schicksals zu erachten, dass der König den Dichter, der ihn so begeistert besang, nicht vernahm. Auch Gleims eifriger Einsatz für die Etablierung des Deutschen als Literatursprache konnte zu Lebzeiten Friedrichs nicht zum Erfolg gelangen. Hier sah sich der Dichter dem verehrten Monarchen als Widersacher gegenüber. Kaum eine Schrift hat jemals derart heftigen und einmütigen Widerspruch erregt wie jene Friedrichs, in der dieser der deutschen Literatur Rückständigkeit vorgeworfen hatte.

Gleim musste auf eine Audienz lange warten. Wenn alle deutschen Literaten wären wie dieser Gleim, soll der König nach der Begegnung mit dem Halberstädter Dichter gesagt haben, so würde er sich zu ihnen bekehren. Eine Bekehrung in dem dreiviertel Jahr, das ihm verblieb, ist allerdings nicht ersichtlich.

Die Ausstellung trägt zu dem bundesweiten Ausstellungsprogramm zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich300 die Sicht Gleims als eines Exponenten des preußischen Patriotismus bei und beleuchtet damit zugleich eine wesentliche Facette des Dichtens und der Biografie Gleims.

Im Rahmen des Themenjahres Geselligkeiten des Museumsnetzwerks Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert stellt die Ausstellung Gleims Kriegslieder als Resultat einer gemeinschaftlichen Literaturproduktion eines literarischen Netzwerks dar. An der Entstehung der Dichtungen waren mit Zuarbeit, Redaktion, Vertonung und Edition Ewald Christian von Kleist, Ramler, Lessing und andere beteiligt. Hier wird deutlich, wie der preußische Patriotismus Identität und Zusammengehörigkeit stiftete und ein solches Zusammenwirken ermöglichte.

Die Schau präsentiert neben ausgewählten Leihgaben eine Fülle von Objekten aus den an Fridericiana überaus reichhaltigen Sammlungen des Gleimhauses, die meisten davon aus den Beständen Gleims selbst: vielfältiges Schrift- und Bildgut, Porträtdarstellungen des strahlenden Schlachtenlenkers wie des Alten Fritz, ein Gedenkring, eine Feder vom Hut des Königs. Höhepunkte bilden ein Kniestück Friedrichs II. von Gottfried Hempel, das dem Gleimhaus von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde, sowie eine Wachsstatuette des Alten Fritz, eine Rarität, die sich in ruinösem Zustand unter der Bodentreppe des Gleimhauses gefunden hat. Beide Darstellungen konnten durch eine großzügige Spende der Fielmann AG restauriert werden und können nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Zur Ausstellung erscheint ein digitaler Ausstellungskatalog auf den Seiten von Museumdigital (http://friedrich.gleimhaus.museum-digital.de).
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