Mit Fitnessgeräten Musik machen: "Jymmin" macht glücklich - und kann Effektivität in der Neuro-Reha steigern

26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. in Leipzig

(lifePR) ( Leipzig, )
„Jymmin“ macht Spaß! Das Sporttraining, bei dem sich mit speziell nachgerüsteten Fitnessgeräten gleichzeitig Musik erzeugen lässt, wurde gezielt von Forschern am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften entwickelt. Mit der Kombination von Trainieren und Musizieren gelang ihnen eine Methode, die nicht nur fit macht, sondern durch die erhöhte Ausschüttung von Endorphinen auch glücklich. Dass Jymmin sich auch für den Einsatz in Rehakliniken eignet und das Therapietraining effektiver machen kann, belegen aktuelle Studien, die bei der 26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. (DGNR) vom 05. bis 07.12.2019 im Congress Center in Leipzig vorgestellt werden.

Beim "Jymmin" lässt sich mit speziell nachgerüsteten Fitnessgeräten beim Sporttraining gleichzeitig Musik machen. Mit dem Mix aus Sport „Gym“ und freiem musikalischen Improvisieren „Jammin“ werden Fitnessgeräte so modifiziert, dass die Teilnehmer mit unterschiedlich starken Bewegungen an Bauchmuskeltrainer, Zugstange oder Stepper eine große Variation von Tönen hervorbringen können. Die Geräte funktionieren wie Musikinstrumente, indem mit einer speziell entwickelten Kompositionssoftware die Klänge über ein Sensorsystem zu einer individuellen Begleitmusik verarbeitet werden. Jeder Trainingsteilnehmer komponiert also mit Hilfe der Trainingsgeräte seine eigene Musik.

Mit dieser Entwicklung gelang Wissenschaftlern vom Leipziger MPI ein neues Trainingskonzept mit therapeutischen Möglichkeiten. Erste Effekte setzen schon nach zehn Minuten Training an den Jymmin-Geräten ein. Die Kombination aus körperlicher Fitness mit dem gleichzeitigen Erzeugen von Musik scheint zu einer erhöhten Ausschüttung von Endorphinen zu führen, die als körpereigene Schmerzhemmer wirken. „In unseren Tests konnten die Studienteilnehmer bis zu 50 Prozent mehr Schmerz ertragen“, so Thomas Fritz, Professor für empirische Musikforschung und Leiter der Forschungsgruppe Musikevozierte Hirnplastizität am Leipziger MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften, „Das ist gegenüber herkömmlichem Kraftsport ein deutlich stärkerer Effekt.“

Zum Einsatz in Rehakliniken scheint sich Jymmin bestens zu eignen, da es ein effektiveres Therapie-Training ermöglicht. Beim DGNR-Kongress wird das Ergebnis einer aktuellen Studie vorgestellt, nach dem das kombinierte Fitness-Training nicht nur weniger anstrengend erscheint und die persönliche Stimmung und Motivation steigt, sondern als weiterer positiver Effekt auch Angstzustände verringert werden können. Außerdem konnten sich die Trainingsteilnehmer für neue Musikstile begeistern. „Musik, die man selbst macht, erlebt man anders als die, die man nur konsumiert“, so Prof. Fritz. Indem man sich beim Jymmin körperlich anstrengen muss, um Musik zu erzeugen, wird die eigene Handlungsmöglichkeit erlebt, Klänge selbst erzeugen und verändern zu können und die individuelle Körpererfahrung ist bewußter und intensiver. Gleichzeitig gibt der kreative Prozess einer eigenen Musikkomposition den Teilnehmern neue Impulse.

Aktuelle Erkenntnisse zur Musik in der Neurorehabilitation sind ein besonderer Schwerpunkt beim DGNR-Kongress, der unter dem Motto „Lernen, Motivation und Emotion" drei Tage lang in Leipzig stattfindet. Alle Informationen und das wissenschaftliche Programm gibt es unter www.dgnrtagung.de.

Neue Erkenntnisse zur Musik in der Neurorehabilitation beim DGNR-Kongress in Leipzig:

Sondersitzung „Musik in der Neurorehabilitation“
6.12. 10:30-12:00 Uhr Plenarsitzung, Vorsitz: Thomas Fritz, Leipzig
„Neurologic Music Therapy“ (Volker Hömberg, Meerbusch)
„Sonifizierung bei SchlaganfallpatientInnen“ (Eckart Altenmüller, Hannover)
„Jymmin: Physiologische und kognitive Effekte von Musikfeedbacktraining“ (Thomas Fritz, Leipzig)

6.12. 13:37 Uhr Vortrag
Konzept der musiktherapeutischen Arbeit in der neurologischen Rehabilitation (Barbara Weinzierl, Bad Wildbad)

6.12. 14:40 Uhr Vortrag
„Aspekte der Motivation und Therapie: Musikgestütztes Training von Aufmerksamkeitsfunktionen bei Patienten mit chronischer, erworbener Hirnläsion“ (Annerose Engel und Julia Werner, Leipzig)

Hintergrund: Neurologische Rehabilitation

Der Bedarf an Neurorehabilitation steigt seit Jahren weiter an, insbesondere die Neurologische Frührehabilitation gewinnt rasant an Bedeutung. Der Grund sind therapeutische Fortschritte in der Neurologie sowie die wachsende Anzahl von Patienten. Nach Schlaganfällen oder Unfällen überleben infolge der stetigen Weiterentwicklung der akutmedizinischen Versorgung in den letzten Jahren immer mehr Patienten mit schweren Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems und benötigen umfassende Rehabilitationsmaßnahmen, die ihnen die Rückkehr in ihren Alltag ermöglichen. Deshalb ist die Weiterentwicklung von Methoden und Verfahren in der neurologischen Rehabilitation von immenser Bedeutung.

Sobald festgestellt ist, wie schwer die Schäden an Gehirn und Nervensystem sind, wird für jeden Patienten ein individueller Neurorehabilitationsplan erstellt. Frührehabilitation beginnt häufig schon im Krankenhaus mit speziellen Maßnahmen, gefolgt von der stationären Rehabilitation, die oft auch im ambulanten Rahmen fortgesetzt werden kann. Ziel von Physio- und Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologischem Training ist die bestmögliche Rückbildung der entstandenen Schäden und die Kompensation von Funktionseinbußen, etwa Lähmungen, Schluck- und Sehstörungen, kognitiven Störungen, Wahrnehmungs- oder Verhaltensstörungen.

Weiterentwicklung der Methoden und Verfahren in der Neurologischen Rehabilitation mit Forschung, Fortbildung und Nachwuchsarbeit sowie der besondere Wert des interdisziplinären Austauschs auch im Klinikalltag sind zentrale Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. (DGNR), die bei ihrer Jahrestagung die neuesten wissenschaftlichen Standards vorstellt und den Teilnehmern die fachliche Diskussion auf dem aktuellen Stand in allen Bereichen der neurologischen Rehabilitation ermöglicht.
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